Alter schützt vor Leistung nicht. Das haben wir in den vergangenen Wochen bemerkt. Immer wieder blinkte ein Name in den E-Mails auf. »Gabi Stanger ist nicht zu stoppen«, hieß es da beispielsweise nach ihrem Sieg beim Mountainbike Marathon in Neckarsulm. Die Dettingerin als Phänomen zu bezeichnen wäre zu kurzsichtig, doch aufhorchen und staunen lässt die Leistung der ehemaligen Handballerin allemal. Seit langen Jahren begleitet sie unseren Redaktionsalltag und in jeder Saison mindestens einmal fragt sich der Redakteur, »wie macht sie das?« Schließlich ist Gabi Stanger – mit Verlaub – schon 48 Jahre alt. Beeindruckt von so viel Energie und Durchhaltevermögen greifen wir zum Hörer und fragen ganz einfach: »Wie machst Du das?« Gabi Stanger lacht und sagt: »Mit dem Projekt hab ich gelernt langsam zu fahren.« Ah ja. Das Projekt ist ihr Projekt, darin bringt die Sportwissenschaftlerin Jahr für Jahr ambitionierten, interessierten, faulen, trägen oder auch ehrgeizigen Menschen von 16 bis auch über 60 bei, richtig zu trainieren, um am Ende einen Mountainbike-Marathon anständig durchzustehen. Das Training dauert ein halbes Jahr und macht auch vor dem tiefsten Winter keinen Knicks, da ist Disziplin angesagt. Und eben hier mit all den unterschiedlichen Trainingspartnern hat sie in den vergangenen sieben Jahren erfahren, sich zurückzunehmen. Weniger, oder ruhiger ist mehr. Sie habe dabei »gelernt langsam zu fahren. Da haben sich wohl Basics herausgebildet, die mir keiner mehr nimmt«, heißt das dann im O-Ton. Vor allem aber sollte man sich richtig einschätzen können. »Mit zunehmenden Jahren muss man sich Pausen gönnen, die man vor zehn Jahren noch nicht gemacht hat." Das Prinzip des Sports, Anspannung und Entspannung, kommt hier voll zum Tragen. Gleichwohl man muss schon einen Mordsspaß verspüren, sich weiter zu quälen. Nein, es ist keine Qual, versichert sie, es gibt ganz viele Gründe dafür, sich abzustrampeln. Den Wind zu spüren. Den Dreck auf der Haut. Den Regen. Die Sonne. Die Gänsehaut vor dem Rennen. »Ob Du’s glaubst oder nicht: Ich bin selber erstaunt, dass ich morgens vor einem Wettkampf immer noch genau so aufgeregt bin wie bei meinem allerersten Marathon«, so die Mountainbikerin. »Ich empfinde es heute als Geschenk und Freude mit dem Rad unterwegs zu sein.«
Übrigens am Sonntag war sie in Trochtelfingen auch wieder unterwegs. Zweiter Platz bei den Frauen. Wir ziehen den Hut und verbeugen uns vor dieser Lebensleistung. Zu der noch ein bisschen was hinzukommen soll. 48 ist ja schließlich kein Alter. Ein Traum von Gabi Stanger ist die Teilnahme am Cape Epic in Südafrika, das als härtestes Etappenrennen der Welt gilt. Doch das lässt sich als Mutter und Erwerbstätige und ehrgeizige Sportlerin nicht so leicht verwirklichen. Ein anderes Ziel dagegen liegt in greifbarer Nähe und steht wohl schon im Kalender. Mit Matthias Klump, dem Pfullinger Triathleten, der auch schon in Hawaii gestartet und gleich alt wie Stanger ist, hat sie mal gescherzt, »wenn wir beide 50 sind, dann fahren wir gemeinsam die Trans Alp«. Lang ist es nicht mehr und wir vermuten, es steht schon fest im Stangerschen Kalender. »Das stresst mich aber nicht. Das lass ich auf mich zukommen.« Genauso wie das Ende ihrer Karriere. »Solange es so viel Spaß macht, dann fahr ich auch.« Am Ende wird sie aber doch ein bisschen nachdenklich. »Hoffentlich hab ich auch den Blick dafür, wann es dann gut ist.« Wir sind sicher, sie hat ihn. Man hört sich.    –diet