Wer am Anfang des Lebens steht, der blickt auf einen fast unüberwindlich erscheinenden Berg, den es zu überwinden oder abzutragen gilt. Wenn Fritjof Eisenlohr heute zurückschaut, dann muss es wohl ein ganzes Gebirge sein, das er überwunden hat. Der ehemalige Präsident des SSV Reutlingen feierte dieser Tage seinen 80. Geburtstag und erfreut sich guter Gesundheit. Sein Name ist in der breiten Öffentlichkeit vor allem mit dem SSV Reutlingen verbunden, den er in einer seiner bittersten Stunden übernommen hat. Eisenlohr zeigte 2009 Verantwortung, stellte sich als Präsident den bohrenden Fragen, stand seinen Mann in den schlimmsten Momenten der Nullfünfer, als es um nichts weniger als die Existenz des Vereins ging. Doch der Fußball, so intensiv und nervenzehrend diese Zeit in der Verantwortung auch war, ist nur ein Teil seines Lebens. Wenngleich er schon seit sieben Jahrzehnten Mitglied dieses Klubs ist. Selbst gekickt hat der Reutlinger bis zur C-Jugend, dann war Schluss, dann packte ihn das Fieber des weißen Sports. Der Schläger wurde sein bester Freund, beide zusammen erklommen Gipfel des Erfolges. Vielfacher Württembergerischer Meister steht in seiner Vita und auch ein Weltmeistertitel. Diesen errang Eisenlohr als Kapitän des deutschen Tennis-Nachwuchsteams im Galea-Cup. Nur zweimal gelang einer Auswahl des Deutschen Tennisbundes solch ein Erfolg. An solche Momente erinnert sich der rüstige Rentner heute ganz spontan, die Auszeichnungen hängen in seinem Haus. Doch da gibt es noch etwas, was jeder Mann und jede Frau sehen kann, was durch die Initiative von Eisenlohr entstanden ist. Die Tennisanlage des TV Reutlingen draußen im Markwasen bezeichnet der 80-Jährige als Denkmal, das er sich gesetzt habe. Gegen Widerstände habe er an diesem Ort den Bau der Tennisanlage durchgesetzt. Er erinnert sich an schwierige Verhandlungen mit dem damaligen OB Kalbfell, und heute ist er Stolz darauf, das hingekriegt zu haben. Wie vieles mehr. Im TV Reutlingen ist er Ehrenvorsitzender, beim SSV Reutlingen Mitglied, in den Ehrenrat wollte ich nicht. Der Macher betrachtet interessiert von außen die Geschehnisse im Fußballverein und hofft, dass sich dieser Klub, mit dem er so ziemlich alles erlebt hat, was man als Mitglied und Verantwortlicher erleben kann, wieder berappelt und hochkommt. Kicken allerdings, das tut er sich nicht mehr an. Dagegen steht er nach wie vor auf dem Tennisplatz und schwingt den Schläger. Und lacht, als er darüber erzählt. »Ich stell mich auf die Grundlinie und mach ein paar Schritte links und rechts.« Gleichwohl: Bewegung tut Not, Bewegung tut in jedem Alter gut. Und in jedem Alter war sein Leben bewegend. Erfüllt nennt man das wohl, manchmal, sagt er, war es auch ein bisschen viel. Doch wenn wir nur diesen Teil betrachten, den wir hier berichten, da steckt schon eine Menge drin. Eisenlohr hat ein Gebirge hinter sich gelassen und kann sich genüsslich den Genüssen des Alters widmen. Eine Schaufel um den Berg abzutragen braucht er nicht mehr. Aber vielleicht einen Praktikant oder Archivar, der seine vielen Unterlagen sortiert und ordnet. Wäre schade, wenn das alles verloren ginge.     –diet