Im Alltäglichen finden sich ab und an kleine funkelnde Steine, die sich bei genauerem Hinsehen als Perlen erweisen. Dazu braucht es viel Aufmerksamkeit für die kleinen Schätze des Lebens, man braucht Mut, viel Herz und auch ein bisschen Glück. Tatjana Bleher und Bernd Füllmann haben so ein Sternchen-Steinchen gefunden. Die Jugendleiter des FC Römerstein saßen eines Tages bei einer stinknormalen Trainerfortbildung.
Nichts Besonderes, man musste halt mal wieder sein Wissen auffrischen, schließlich wandelt sich ja alles, manchmal dreht es sich aber auch im Kreis. Also die beiden Jugendleiter des FC Römerstein saßen im Kurs des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) bei Fritz Quinn und Peter Trefzger. In einer Pause klagte Quinn den Anwesenden sein Leid. Er trainiert die Landesauswahl der Fußballer mit mentaler Beeinträchtigung und sie suchten mal wieder ein Plätzle für ein Trainingslager. Bleher und Füllmann dachten nicht lange nach, spontane Entscheidungen sind oft die Besten und sagten: »Ihr könnt zu uns kommen«. Diese schnelle Willensbekundung entpuppte sich Wochen später als eine der besten Entscheidungen, die die beiden jemals getroffen haben, obwohl sie »nicht gewusst haben, was da auf uns zukommt«. Mut braucht’s im Leben, dann schüttet es auch mal ein Füllhorn Glück aus. 

Anfang Mai verbrachte die Landesauswahl drei Tage in Donnstetten, 17 junge Männer im Alter von 16 bis 21 Jahre und vier Betreuer. Sie trainierten und kickten gegen die A-Jugend und die B-Jugend, sie trainierten, sie erzählten sich Geschichten, sie saßen zusammen, sie aßen zusammen, sie nahmen sich in den Arm. Aus dem Keim des ersten Augenblicks erwuchs eine kleine Pflanze, die sich zu einem großen stattlichen Baum entwickeln kann. »Es war ein wunderschönes Wochenende, die Jungs schwärmen noch immer«, erzählt Tatjana Bleher und dabei bricht ihre Stimme ein wenig. »Ich meine beide Seiten«, so Bleher. Auch die A-Jugendlichen oder die Mitglieder des Vereins schwärmen von den gemeinsamen Stunden. So etwas ist nicht alltäglich und weitet den Horizont jedes Einzelnen. Martin Sowa bestätigt die Geschichte von Tatjana Bleher. 
Der Chef des landesweiten Inklusionsprojektes Bison hat schon viele solcher Geschichten begleitet und erlebt und überreichte dem FC Römerstein für seine Inklusionsbemühungen im Fußballsport die Bisonplakette des landesweiten Inklusionsprojektes. »So viel Herzlichkeit und Wärme vonseiten eines Vereins, das hab ich auch noch selten erlebt.« Nicht nur der Verein sei da vorangegangen, auch der Bürgermeister hab ohne viel Eitelkeit mitgemischt. Er war ein Teil der Landesauswahl und hat dort mitgekickt.

Es bleibt alles nicht ohne Folgen. »Allen war klar, dass wir das wiedermachen«, sagt Tatjana Bleher. Und so hat die wackere Frau mit dem klaren Blick auf die kleinen funkelnden Steine des Alltags eine Perle entdeckt. Im nächsten Jahr kommen die Jungs wieder. Da freuen sich heute schon alle drauf, schwärmt sie.