Kennen Sie den? »Wir wussten vorher, dass sie einen guten Plan haben und vieles gut machen. Wir müssen nun nach vorne blicken.« Alt bekannt und lästig. Floskeln wie diese sind austauschbar und verbreiten sich täglich weltweit in rasender Schnelle. Sportler sagen im Grunde genommen meist das Gleiche, egal wie schmerzlich die Niederlage war und manchmal auch im Siegestaumel. Also beim Blick auf den Kalender bietet es sich heute an, diese Wortakrobaten beim Wort zu nehmen. Ein neues Jahr liegt vor uns und die Sportsfreunde stehen in den Startlöchern. Oder sind mittendrin. Zwar erwarten wir kein Jahr mit Großereignissen wie Olympischen Spielen oder Fußball-Weltmeisterschaft, doch Titelkämpfe gibt es allemal.
Aber für unsere Kolumne ist dies ja nicht so sehr von Belang, gleichwohl schauen wir gespannt auf das, was kommen mag. Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard gab da einen wertvollen Ratschlag: »Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber man muss es vorwärts leben.« Also drehen wir uns um und blicken nach vorne. Die Schützen des SV Willmandingen etwa stehen vor entscheidenden Wettkämpfen. Schafft es die Truppe von Vereinschef Frank Bahnmüller den Kopf aus der Abstiegsschlinge zu ziehen und sich im letzten Augenblick ans Ufer der Bundesliga zu retten. Vor allem aber stellt sich für den Sportsfreund die Frage, macht Frank Bahnmüller weiter, oder widmet er sich voll und ganz seiner Safran-Zucht in Undingen? Dem edlen Gewürz nämlich gehört ein Teil seiner Leidenschaft, und wie er selbst sagt, ist es »viel Arbeit«. Edles ernten will bestimmt auch unser Dauergast Franziska Brauße. Für die Radrennsportlerin steht ein entscheidendes Jahr bevor. Schafft sie den Sprung in die Elite und baut sich ein Leben als Profi auf? Oder was folgt auf die Fahrt durch den Backofen? Einer bei dem die heiße Phase seines Sportlerlebens beginnt, ist Axel Goller. Der Nachwuchs-Handballer der JSG Echaz-Erms mit Heimatverein VfL Pfullingen spielte sich durch überzeugende Leistungen bei Sichtungslehrgängen in die Jugendnationalmannschaft des Deutschen Handballbundes. Der 16-Jährige reist mit der
U 17- Auswahl Mitte Januar in die französische Hauptstadt Paris, um dort am 14. Mittelmeerpokal teilzunehmen, der im Rahmen der Handball-WM stattfindet. Das Aushängeschild der JSG freut sich über die Berufung, schließlich plant er ja später einmal den Handball zum Beruf zu machen.
»Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man bei der DHB-Sichtung ins Allstar-Team berufen wird und plötzlich ein Trikot mit dem Adler auf der Brust bekommt. Dementsprechend werde ich es genießen, wenn ich im Januar dann die Nationalhymne singen darf.« Man darf also gespannt sein, wie er sich schlägt, Pardon wirft, kämpft, ackert, rennt. So wie die anderen auch, die noch namenlosen Sportsfreunde, auf die wir uns freuen. Auf deren Geschichten und Geschichte. Also blicken wir nach vorne, schließlich ist nach dem Spiel vor dem Spiel, wie die schlauen Kicker immer sagen. Der portugiesische Jesuit Malagrida (1689-1761) hat es eleganter ausgedrückt: »Die Vergangenheit sollten wir als Sprungbrett benutzen, nicht als Sofa.« In diesem Sinne bis dahinne.