Kein Tag vergeht, ohne dass ein superschlauer Zeitungsheini oder ein dauerplappernder Fernsehmoderator auf die Bedeutung von Sport hinweist. Gerade jetzt am Anfang des Jahres – einer der beliebtesten Vorsätze ist ja nun mal, sich mehr zu bewegen – explodieren die Hinweise darauf, wie notwendig doch Bewegung ist. Es entspannt sich ein regelrechter Wettkampf darum, welchen Sport man nun denn machen soll und wie lange und wie oft und welche Klamotten dazu am Besten passen und wie das dann auch mit der Ernährung ist. Jeder weiß es besser, was besser ist für den Einzelnen.
Da kommt man nicht mehr mit, außer man läuft einfach und vergisst den ganzen Kram drum herum. Das ist ja auch der eigentliche Sinn des Ganzen, schlicht abschalten, den Alltag verarbeiten, neue Kraft tanken, Motivation holen. Unbestritten ist der Sport hier das beste Mittel, um sich gegen die Zivilisationskrankheiten zu wehren. Schließlich sind wir ja alle noch im Grunde unserer Zellen Neandertaler und sollten lieber wegrennen, um das Adrenalin des Stresses abzubauen, als alles in uns hinein zu fressen. Da haben es doch die professionellen Sportler gut, denkt sich der einfache Mensch, die bewegen sich täglich und haben solche Sorgen nicht. Denkste. Denn da verlagert sich ja nur der Druck. Wer mit Leibesübungen seine Brötchen verdient, braucht Erfolge, sonst gibt es irgendwann nichts mehr zu futtern. Täglich zu trainieren bedeutet irgendwann auch eine gewisse Eintönigkeit im Kopf. »Das ist eine andere Belastung, die ich so nicht kannte«, erzählt David Horvath, der nach dem Abi voll auf die Karte Mountainbike gesetzt hat und nun fürs Hamburger Team Stevens über Stock und Stein radelt. Der 20-Jährige strampelt sich quasi täglich den Frust aus dem Leib. Zwischenzeitlich begann der Reutlinger aber auch ein Studium. In Furtwangen lernt er die Kniffe des Wirtschaftsingenieurswesen in den Bereichen Marketing und Vertrieb. Das Pensum an der Hochschule im tiefen Schwarzwald ist auf Profi-Sportler abgestimmt, er braucht sich nicht an die Regelstudiendauer zu halten. Bis auf 16 Semester kann Horvath diese Ausbildung ausweiten, bedingt durch weltweite Wettkämpfe kann so einer halt nicht ständig vor Ort sein. Doch so ein Studium hat eben auch noch eine ganz andere Qualität für so ein körperbetontes Leben. »Es ist die beste Ablenkung. Man muss ja schließlich auch seinen Kopf betätigen«, sagt Horvath. »Wenn Du nur auf dem Bock hockst und ins Leere rennst, dann bringt das einen auch nicht weiter.« So hat denn jeder seine Sorgen. Das beruhigt uns Büroarbeiter und Schreibtischhocker doch ein wenig, dass die Kopfarbeit auch zu etwas anderem gut ist, als zum Geld verdienen. Oder wie es der Schriftsteller Theodor Fontane (1819 - 1898) ausdrückte: »Alles regelt sich nach einem Gesetz des Gegensatzes, das zugleich ein Gesetz des Ausgleichs ist.«    –diet