Wenn der Schwabe eine Aufgabe oder Arbeit zu seiner vollsten Befriedigung erledigt hat, dann stellt er sich zufrieden hin, schaut sich das Ganze an und spricht von ma »g’mähda Wiesle«, sein bayrischer Nachbar tut’s ihm gleich, nur nennt es halt »a g’made Wiesn«. Katrin und Jörg Schwille sowie Karl Villgrattner können nicht nur übertragend davon sprechen. Die drei Pfullinger nämlich mähen Wiesla nicht nur so zum Spaß, sondern auch aus sportlichem Ehrgeiz. Dieser führte das Trio nach Wiesmoor zu den Ostfriesen. Dort fand die Weltmeisterschaft statt und die drei Schwaben schlugen sich im Einzel wie auch in Mannschaften bravourös. Jörg Schwille stand sogar fast ganz oben auf dem Treppchen und darf sich jetzt Vize-Weltmeister im Sensen mähen nennen. Kein schlechtes Ergebnis könnte man meinen, aber nach der ersten Bekanntgabe stand der Pfullinger sogar als Weltmeister mit seinem Team fest. Doch da haben die Kampfrichter wohl etwas gehudelt beim Bewerten, nach einer Weile wurde Schwille auf den zweiten Platz zurückgesetzt. Sei’s drum, seit drei Jahren erst pflegt er die Kunst des Sensen mähens und vor allem kann man auf diesen Wettkampf ja nicht immer so richtig gut trainieren. Schließlich muss das Gras ja wachsen, damit man es mähen kann. Es war ein großer Erfolg, vor allem auch für seine Tochter. Katrin mähte sich auf den sechsten Platz, das zu erreichen ist schon etwas Besonderes, sagt der stolze Papa, der in der stark besetzten Männerklasse im Einzel auf Rang elf kam. Und dann war da ja noch Karl Villgrattner. Von dem 75-Jährigen haben die beiden Schwilles den Feinschliff des Handwerks bekommen. Der gebürtige Südtiroler weilte noch nie in Ostfriesland und war überrascht von der Grasqualität. »Das ist nicht vergleichbar mit unserem. Es ist viel schwerer. Da muss man die Sense anders einstellen.« Sein Sportgerät hat der rüstige Rentner offensichtlich ziemlich gut eingestellt und sich selber auch. Platz acht erkämpfte und ermähte sich Villgrattner, das ist für den sympathischen Kerle ein toller Erfolg. 2:21 Minuten lang hat er im Einzel in einem starken Feld für das Feld gebraucht, die reine Mähzeit lag bei 1:43 Minuten. Dazu kommen noch Strafzeiten, da bewertet eine Jury die Mahd und den Schnitt. »Von null auf acht, da kann man schon stolz sein«, sagte der Pfullinger und toppte dieses Ergebnis. Mit der Mannschaft klappte es nämlich noch besser. Mit seinen Kollegen aus Murrhardt schwang er sich um Maulwurfshügel herum, schnitt zügig schnell das harte Gras und gemeinsam landeten die Vier auf Platz drei.
Karl Villgrattner stand also am Ende der WM auf dem Treppchen. Das hätte er sich fast nicht zu träumen gewagt. »Das man konnte im Vorfeld nicht so richtig einschätzen, was da auf einen zukommt. Ich hab mehr erreicht, als was sich hat erträumen lassen«, sagt er zufrieden. Da können sich die drei Schwaben doch eine Brezel extra gönnen. Apropos Brezel: Warum essen Ostfriesen keine Brezeln? Sie kriegen den Knoten nicht auf.     –diet