REUTLINGEN. Sie wenden sich den Krisen Gleichaltriger zu, beraten via Mailkontakt in akuten und schwierigen Situationen. Menschen, die suizidal gefährdet sind, die keinen Ausweg mehr sehen, können sich anonymisiert an gleichaltrige Berater wenden. Mit dem Youth-Life-Line hat der Arbeitskreis Leben seit gut drei Jahren eine erfolgreiche Hilfe-Hotline eingerichtet, die sich vor allem an Jugendliche richtet. 


Mit 5 000 Euro hat die Bürgerstiftung Reutlingen das Projekt nun bereits zum dritten Mal unterstützt. »Wir bedauern, dass es Euch braucht und sehen das, was ihr macht, als wirklich wertvoll und wichtig an«, erklärte der Vorsitzende der Stiftung Reutlingen, Hans Hammann, dazu. »Ob Familien-, Beziehungs- oder Schulprobleme – vor allem nachts erreichen uns vermehrt E-Mails. Bis der Hilferuf beantwortet wird, dauerte es maximal drei Tage«, erklärt Frida. Die 25-jährige Studentin betont, dass die Zeit des Abwartens auch von Vorteil sein kann, da sich der Zustand bis zum Lesen der Antwort teilweise wieder verbessert – die in Konflikt Geratenen sind wieder »handlungsfähiger«, so die »Peer«. Auf der anderen Seite seien es die Jugendlichen heutzutage aber auch durch Chats, Whatsapp und Co. gewohnt, dass eine unmittelbare Antwort erfolgt, weiß Kevin, der andere Peer. Peers, das sind die ehrenamtlichen Mailschreiber, die anonym bleiben. »Das ist das Besondere: Jugendliche erfahren Hilfe und seelische Unterstützung durch Gleichaltrige«, fügt Kevin hinzu. Der 26-Jährige weiß auch: »Das Thema Suizid stößt bei unseren Präventionsvorträgen immer auf großes Interesse. Viele Schüler haben einen Bezug zum Thema, wollen sich gerne engagieren«. 


Und es werden immer wieder Neue Unterstützer gesucht: 15- bis 25-Jährige können Berater der Youth-Life-Line werden. Die Spende der Bürgerstiftung fließt dieses Mal in die Ausbildung neuer Peers. 22 davon haben sich erst kürzlich für diese Tätigkeit in gut 80 Unterrichtseinheiten qualifiziert – vom Arbeitskreis Leben ausgebildet. Um der Tätigkeit gewachsen zu sein, betreuen Sozialpädagogen die bis zu 50 Ehrenamtlichen in ihrem Büro in Tübingen. Dort stehen zehn Rechner bereit. Die Sozialarbeiter lesen zunächst noch einmal die Antwort durch, bevor die Mail an den Hilfesuchenden gesendet wird.


Es kann immer mal vorkommen, dass sich ein Hilfesuchender plötzlich nicht mehr meldet. Durch die kompetente Unterstützung und Vorbereitung sind die Peers aber gewappnet. Die Ausbildung ist für Jeden ein Gewinn: »Die Neuen kommen immer sozial gestärkt aus ihren Vorbereitungskursen heraus. Viele wählen sogar nach der Schule eine soziale Ausbildung«, weiß Jens Saure. Der Geschäftsführer des Arbeitskreis Leben Reutlingen weiß, sie sind Multiplikatoren.
»Wir sehen, dass der Bedarf merklich steigt. Rund 500 neue Mailanfragen beantworten die Peers jährlich«, so Saure. Sie verbreiten das Wissen darüber, wie Auswege gefunden werden können – wie das Umfeld der Betroffenen am besten auf den geschwundenen Lebenswillen reagieren kann.    


Nähere Informationen gibt es
unter www.youth-life-line.de