REUTLINGEN. Am Sonntag stand der Abend ganz im Zeichen der Entspannung: Weit mehr als hundert Besucher pilgerten trotz schwüler Temperaturen auf die Achalm zum relaxten Sonnenuntergangspicknick mit Blick über die Stadt. Liebenswert und relaxed wirkt all das an diesem tropisch-heißen Sonntagabend. Alles wartet darauf, dass sich die Temperaturen etwas abkühlen und die so genannte »Goldene Stunde« naht. Zum zweiten Mal lud die Stadtmarketing und Tourismus Reutlingen GmbH (StaRT) zu einem »Tag der Aussichten« auf Reutlingens geliebten Hausberg, um den Sonnenuntergang zu genießen.  Wer wollte, konnte sich ab 18 Uhr von einem kostenlosen Shuttlebus vom Parkplatz der Firma Wafios auf den Scheibengipfel und wieder zurück kutschieren lassen. Zu kurzzeitigen Engpässen kam es allerdings, als einer der Busse wegen eines kleinen Unfalls ausfiel. Der Veranstaltungsort war aber auch mit dem Rad oder zu Fuß zu erreichen. Eine Möglichkeit, von der nicht wenige Besucher Gebrauch machten.

Musikalisch begleitet wurde das Picknick von einer fünfköpfigen Liveband, die für popjazzige Unterhaltung mit Gesang und den passenden akustischen Sound sorgte. Dass diese Art Musik auch unverstärkt und im Freien funktioniert, zeigte sich schon an der entspannten Stimmung, die auf der Picknickwiese herrschte. Wer nicht selber etwas zu Essen mitgebracht hatte, konnte auf die regionalen Essens- und Getränkestände zurückgreifen, die für das leibliche Wohl sorgten. Im Angebot waren Ice-Tea und Hugo mit und ohne Alkohol, den Hunger konnten die Besucher mit Crepes, schwäbischen Dinneden oder Snacks stillen. Wer keine Sitzgelegenheit dabei hatte, für den bestand die Möglichkeit, Picknickdecken gegen Gebühr zu leihen oder den Sonnenuntergang in einen der bereitgestellten roten Sitzsäcke zu genießen.

Im Rahmen dieses Events erinnerten Oberbürgermeister Thomas Keck und seine Vorgängerin Barbara Bosch bei einem Pressegespräch an ein für die Achalmstadt ganz besonderes Datum: Vor genau zehn Jahren erwarb die Stadt von der Schafhalterei Hausch den Reutlinger Hausberg für einen nicht offiziellen, »aber sehr reellen Preis«, so Barbara Bosch. Der Berg gehörte seit 1950 dem privaten Schafhalter und am Kauf des geschichtsträchtigen Berges waren auch andere Interessenten interessiert: »Wir wollten die Achalm nicht den Nachbargemeinden oder privaten Investoren überlassen«, begründete die ehemalige Bürgermeisterin ihr damaliges Engagement bei den Kaufverhandlungen, die mit Rückendeckung des Gemeinderates geführt wurden. 

Zweifellos war der Kauf des 595 000 Quadratmeter großen Geländes eine Herzensangelegenheit für die Stadt, denn »die Achalm ist bis heute nicht nur unser Identifikationsprojekt«, so die ehemalige Oberbürgermeisterin, »sie steht auch für Heimat« und habe einen hohen emotionalen Wert. Seit dem Mittelalter sei die Stadt immer wieder von der Achalm aus bedroht worden, berichtete Oberbürgermeister Thomas Keck, da sich der sogenannte »Zeugenberg« vor dem Kauf nie im Besitz der Stadt befunden hatte. Zudem eröffnete es der Stadt die Möglichkeit, die geschützte Landschaft zu bewahren und nicht für den Wohnbau zuzulassen. Seit 2012 ist die Achalm auch wieder von einem Schäfer gepachtet. Um 22 Uhr endete das Sonnenuntergangspicknick. Da war die Goldene Stunde längst der Nacht gewichen und die letzten Picknicker traten im Licht der Sterne den Heimweg an.                                                                                            -jsp