Er ist nicht gerade ein Glückspilz, was die Gesundheit angeht. Heiner Längst hat sich entschieden, sich als Skirennläufer von den Bergriesen zu stürzen und schneller zu sein als andere. Der 23-Jährige ist der beste Reutlinger Skifahrer und lebt seit acht Jahren für seinen Sport. Er wechselte 2009 aufs Skiinternat nach Oberstdorf. Schwere Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück, aber der Bundeswehrsoldat kam auch immer wieder zurück.

Hallo Heiner, was macht das Knie?
Heiner Längst: Meinem Knie geht es den Umständen entsprechend sehr gut. Klar merke ich, dass es nicht mehr ganz so ist wie vor der Operation. Aber da ich komplett schmerzfrei Skifahren kann und während des Konditionstrainings keine Übungen vorsichtshalber weglassen muss, bin ich sehr zufrieden mit meinem Knie.

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Und der Rücken?
Längst: Mein Rücken fühlt sich auch jetzt, im letzten Abschnitt der Saison, gut an. Darüber bin ich sehr glücklich. Seit den beiden Operationen in 2015 ging es mit meinem Rücken stets bergauf. Auch nach Trainingsstürzen hatte ich nie Probleme. Natürlich haben meine Trainer und ich das Training dementsprechend angepasst. Meinen Rücken sowie das Knie mobilisiere ich täglich mit Hilfe von speziellen Übungen. Diese konsequente Mobilisation und die Reha-Maßnahmen nach den Verletzungen sind der Schlüssel zum Erfolg meiner Meinung nach.

Sie sind seit einiger Zeit verletzungsfrei und haben gezeigt, was sie drauf haben. Geht es jetzt endgültig aufwärts?
Längst: Das hoffe ich natürlich. Speziell jetzt merke ich, wie gut es mir tut, ein Rennen an das andere zu reihen. Erst das bringt auch die gewisse Rennhärte, die in meiner Preisklasse absolut von Nöten ist. Zudem sind die ganzen Erfahrungen sehr viel Wert. Speziell im Speed-Bereich kann man dies nicht hoch genug einschätzen. Man steht einfach mit einem anderen Selbstbewusstsein im Starthaus, wenn man weiß, was auf einen zukommt.

Sie haben in diesem Winter die ersten Europacup-Punkte geholt. Das muss doch Ansporn sein.
Längst: Absolut. Es ist zwar nur ein kleiner Schritt auf meinem Weg, aber speziell nach den letzten drei Jahren in meiner Karriere spornt mich dieser Erfolg extrem an.

Und sie standen in der Mausefalle. Was war das für ein Gefühl?
Längst: Das war natürlich etwas ganz Besonderes für mich am Startrampe der berühmten Streif zu stehen. Diese Passage kannte ich bisher nur aus dem TV und aus Erzählungen.

Wie war das dann?
Längst: Ich muss zugeben, dass selbst ich ein mulmiges Gefühl hatte, als ich bei der Besichtigung das erste Mal die Mausefalle hinunter schaute. Mir persönlich hat die Gewissheit geholfen, dass ich anspruchsvolle Passagen schon immer besser meistern konnte wie andere. Dennoch hatte ich sehr viel Respekt vor der Strecke. Das Gute an Kitzbühel ist, dass man sobald man gestartet ist, keine Zeit mehr hat sich weitere Gedanken zu machen. Nach der Mausefalle kommt alles Schlag auf Schlag, da ist kein Platz für Zweifel. Deshalb ist es auch ein riesiges Gefühl, wenn man im Ziel abschwingt und weiß, was man gerade hinter sich gebracht hat. Auch wenn es »nur« im Europacup war, hat sich damit einer meiner Träume erfüllt.

Sie sind ja nicht verwöhnt, was Gesundheit angeht. Die vielen Verletzungen haben Sie als Leistungssportler immer wieder zurückgeworfen. Wie gehen Sie damit um?
Längst: Rein sportlich gesehen gibt es wenig Positives das man einer schwereren Verletzung, so wie ich sie hatte, abgewinnen kann. Man verliert meistens eine gesamte Saison und anstatt sich sportlich weiterzuentwickeln, versucht man zunächst überhaupt wieder an das Niveau vor der Verletzung anzuknöpfen.


Kann man daran sogar wachsen?
Längst: Wenn man eine Verletzung richtig einzuschätzen lernt, kann man aus einer Verletzung auch stärker zurückkommen und Motivation daraus schöpfen. Mich haben die Verletzungen auf jeden Fall sensibler gemacht. Sensibler, was den Umgang mit meinem Körper angeht. Natürlich wäre mir lieber gewesen, wenn Verletzungen nicht diese große Rolle in meiner Karriere spielen würden. Nichtsdestotrotz gehören diese Erfahrungen nun zu mir als Leistungssportler dazu und ich bin momentan einfach glücklich darüber, dass ich meinen Sport wieder mit all seinen Ups and Downs ausleben kann.

Blicken wir mal kurz zurück für ein Fazit: war diese Saison so, wie sie es sich vorgestellt haben?
Längst: Natürlich hätte meine Saison auch besser verlaufen können. Aber das kann sie immer. Ich habe in meiner ersten vollständigen Europacup Saison die ersten Punkte gesammelt und mir somit eine gute Ausgangsposition für die kommende Saison verschafft. Nächstes Jahr möchte ich dann auch eine Rolle für die Weltcupstartplätze spielen. Den ersten Schritt dafür habe ich diese Saison gemacht.

Ausblick: nach der Saison ist vor der Saison. Wie geht es weiter?
Längst: Noch ist die Saison nicht vorbei. Es warten noch ein paar weniger gut besetzte FIS-Rennen und natürlich die Deutsche Meisterschaft, bei der ich noch mal zeigen möchte was ich kann. Danach ist die Saison zu Ende und es warten ein Weiterbildungslehrgang der Bundeswehr, ein vollgepacktes Sommersemester meines Studiums und die ersten Skitests für die neue Saison auf mich.

Interview von Dieter Reisner