REUTLINGEN. Am 21. September verwandelt sich Reutlingen wieder in einen wuselnden Bienenstock: In rund 200 Veranstaltungen an 80 Schauplätzen bietet die alle zwei Jahre ausgetragene Kulturnacht ein spartenübergreifendes Programm. Das Leitmotiv ist wie die Jahre zuvor die Lichtkunst, als neuer Hotspot dient die ehemalige Paketpost mit Konzerten auf zwei Bühnen und Kunstpräsentationen. Edith Koschwitz vom veranstaltenden Netzwerk Kultur verspricht eine große Bandbreite aus Musik, Tanz und Comedy, aber auch aus Literatur, Theater und Kunst, die die Besucher bei der siebten Ausgabe erwartet. Als neuer Veranstaltungsort wird die ehemalige Paketpost zwischen franz.K und Kunstgebäude Wandel-Halle belebt. Dort werden im Erdgeschoss zwei Bühnen von regionalen Bands bespielt. Außerdem stehen im Zwischengeschoss und ersten Stock rund 20 Räume für lokale Künstler, Kleinkunst und Performances zur Verfügung. Für die passende Bandauswahl sorgen wieder die »Represent«-Macher Florian Failenschmid und Axel Albrecht und für den großen Außenbereich sind Licht-Performances sowie ein Food Market geplant. Edith Koschwitz hofft, dass die leer stehende Paketpost auch in Zukunft für Kulturveranstaltungen genutzt werden kann. Allerdings plant die Stadt in absehbarer Zeit, das Gebäude abzureißen und durch ein Verwaltungsgebäude für Rathausmitarbeiter zu ersetzen. Für Koschwitz und ihren Vorstandskollegen Gerhard Loew eine verpasste Chance, denn »jede Großstadt hat seine Kulturfabrik, nur Reutlingen nicht«, kritisierte die Vereinsvorsitzende bei der Vorstellung des Kulturnacht-Programms. Gleichzeitig verweist sie auf »den großen Zuspruch für ein dauerhaftes Kreativzentrum, das viele Reutlinger in der Paketpost sehen«.

Coole Locations
Bereits am Vortag der Kulturnacht ist ein Aufwärmprogramm geplant, bei dem die Paketpost ebenfalls eine wichtige Rolle spielt: Im Erdgeschoss wird Jochen Weeber mit seiner Band Tristan Vox zwei Konzerte – eines mit Gesang, das andere rein instrumental – geben und die Kunstschaffenden im ersten Stock werden am Freitag ebenfalls vor Ort sein. Auch im Spitalhofsaal, in dem eine geschichtliche Zeitreise durch das 20. Jahrhundert geboten wird, kommen diejenigen auf ihre Kosten, denen ein Tag Kulturnacht nicht genügt.
Ein weiterer Brennpunkt neben Paketpost, Tonne-Neubau und der erstmals einbezogenen Pomologie, in der ein »magischer Lichtgarten« installiert wird, ist die Stadthalle mit einer großen Tanznacht. Das Event findet den ganzen Abend über im großen Saal, auf kleineren Bühnen im Foyer und im Außenbereich statt und natürlich können Besucher auch selbst aktiv werden. Im Matthäus-Alber-Haus treten verschiedene Kleinkünstler auf, im Achalmbad zeigen Synchronschwimmerinnen ihre Kunst samt Lichtspielen und in der Kreissparkasse am Marktplatz rufen verschiedene Künstler zur Improshow auf.

Marktplatztour
Los geht es um 19 Uhr und die Veranstaltungsorte sind wieder wie in den Jahren zuvor durch verschiedene Routen miteinander verbunden. Da gibt es eine Marktplatz-Tour, andere führen über die Pomologie, Markthalle oder Unter den Linden. Jeder kann sich seine ganz individuelle Route zusammenstellen. Alle Orte sind zu Fuß erreichbar und auch die charakteristischen Kulturnacht-Lämpchen wird es wieder geben - aber nicht als Eintrittskarte, sondern als »funkelndes Accessoire«.
Der Gesamtetat von rund 100 000 Euro wird zum Großteil von Sponsoren finanziert, 36 000 Euro kommen als Zuschuss von der Stadt. Die Reutlinger Kulturnacht wird auch dieses Jahr von ihrem großen kulturellen Angebot leben. Man flaniert durch die von Beleuchtungskünstlern farbenfroh in Szene gesetzte Innenstadt und tummelt sich in Kneipen, Galerien und bespielten Gassen - und erfreut sich an dem funkelnden Farbenrausch.    

Info: Noch bis 30. Juni können sich Künstler für die Kulturnacht unter www.reutlinger-kulturnacht.de anmelden. 
Tickets im Vorverkauf kosten elf Euro, an der Abendkasse 15 Euro.