METZINGEN.  Gleich drei Mal vergab die Jury den »Dr. Ursula Broermann-Preis für beispielhaftes barrierefreies Bauen 2019«: an das Kinderhaus Luftikus in Baiersbronn, die sanierte Sieben-Keltern-Schule in Metzingen sowie die ertüchtigten Freiflächen von Klosterhof und Schulzentrum St. Benedikt in Schramberg-Heiligenbronn. Gemeinsam ausgelobt vom Dachverband Integratives Planen und Bauen e. V. (DIPB) und der Architektenkammer Baden-Württemberg (AKBW), fand das Verfahren bereits zum vierten Mal statt. 


Alle drei Preisträger weisen die gesuchte beispielhafte Barrierefreiheit im Verbund mit einer herausragenden Architektur bzw. städtebaulichen Qualität auf. »Innenarchitektin Birgit Stiletto ist es hervorragend gelungen« für junge Menschen mit Intensivpflegebedarf in einer ehemaligen Skifabrik »Räume zu schaffen, denen ihre Barrierefreiheit nicht anzusehen ist«, begründeten die Juroren ihre Auszeichnung des Kinderhauses (Bauherr: Luftikus e.V.). Stattdessen sorgten regionale Materialien, die Konzeption von Licht und Farbe sowie eine kindgerechte Formensprache für Urlaubsgefühl. 


Bei der Sieben-Keltern-Schule in Metzingen von [shoch3] architektenpartnerschaft mbb lobte das Preisgericht, wie »harmonisch und zurückhaltend« sich die Details der Barrierefreiheit – darunter ein Aufzug, rollstuhlgerechte Toilettenanlagen und taktile Handlaufmarkierungen – in die alte Bausubstanz einfügen. Das Ergebnis mache den Aufwand wett, der für den Abstimmungsprozess zwischen den Baubeteiligten, der Inklusionsbeauftragten der Stadt Metzingen (Bauherrin) und der Konservatorin der Denkmalpflege sicherlich intensiv war. 


Insgesamt gab es 42 Einreichungen und zehn Nominierungen, darunter ein Bürgertreff, die Sanierungen eines Rathauses und einer Kirche sowie City-WCs. Auch durch die große Bandbreite der Bauaufgaben sehen sich DIPB, der 2019 sein 25-jähriges Bestehen feiert, und AKBW in ihrem gemeinsamen Anliegen bestätigt, Barrierefreiheit zum Qualitätsmaßstab zeitgenössischer Architektur zu machen. Sie muss im Planen und Bauen von heute den gleichen Stellenwert haben wie ökologische und gestalterische Aspekte sowie sonstige funktionale Ansprüche. Dies gilt es im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Denn nur so lassen sich uneingeschränkte Gleichstellung und Teilhabe sowie das Recht auf Selbstbestimmung umsetzen. Die Ausstellung zum »Dr. Ursula Broermann-Preis für beispielhaftes barrierefreies Bauen 2019« ist bis zum 3. August im Haus der Katholischen Kirche, Königstraße 7, Stuttgart zu sehen: Mo + Mi 14 – 18 Uhr, Di + Do 11 – 17 Uhr, Fr 11 – 18 Uhr.