40 Prozent der Fläche in Baden-Württemberg sind von Wald bedeckt. Damit ist der Wald im Ländle nicht nur der ideale Naherholungsort für die Städter, sondern auch ein Ort, wo das Land Geld verdient mit dem Holz, das in dem Wald wächst. Doch seit 2015 ist diese Einnahmenquelle in Gefahr. Da fällte das Oberlandesgericht Düsseldorf eine Entscheidung im Kartellrechtsverfahren zur gemeinsamen Holzvermarktung durch das Land Baden-Württemberg. In diesem Urteil wurde die Untersagungsverfügung des Bundeskartellamtes gegen das Land Baden-Württemberg vollumfänglich bestätigt. Auf gut Deutsch heißt dies nichts anderes, als dass für die unteren Forstbehörden der Landkreise sowie den Fachbereich Holzvermarktung am Regierungspräsidium Tübingen kein gemeinsamer Verkauf von Holz aus dem Staatswald, Kommunalwald und Privatwald für Waldbesitzer mit einer forstlichen Betriebsfläche über hundert Hektar mehr erlaubt ist.

Die staatlichen Förster dürfen dort auch keinen Revierdienst mehr machen. Das ganze System steht auf der Kippe. Baden-Württembergs Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk (CDU), sprach von einem schwarzen Tag für das Land. Und damit ist das Problem auch im Kreis Reutlingen angekommen. Der Ausgangspunkt liegt allerdings schon länger zurück. Die Sägewerkbranche hat bereits 2002 das Kartellamt zu einem Verfahren angeregt in der Hoffnung, das Holz günstiger kaufen zu können, wenn es mehr Konkurrenz unter den Waldbesitzern gäbe. Bisher war es so, dass die Staatsförster den Verkauf für alle Waldbesitzer mit übernahmen. Doch die Richter des OLG Düsseldorf sehen darin ein »verbotenes Vertriebskartell, das den freien Wettbewerb verfälscht«.


Gefordert sind seither die Kommunen. Gezwungenermaßen hat sich der Landesbetrieb »Forst Baden-Württemberg« (ForstBW) mit seinen Förstern seitdem aus dem Verkauf kommunalen und privaten Holzes zurückgezogen, um Schadensersatz-forderungen zuvorzukommen. Max Reger, der Chef von Forst BW, räumt ein, dass der Preis für Rundholz seither gesunken sei.


Auch im Kreis Reutlingen wurde am 1. September 2015 eine eigene kommunale Holzverkaufsstelle für den Holzverkauf aus Körperschafswald und Privatwald über 100 Hektar eingerichtet. Diese Stelle ist organisatorisch, personell und räumlich von der unteren Forstbehörde getrennt und als Geschäftsteil »Kommunale Holzverkaufsstelle« bei der Kreiskämmerei angesiedelt. Auf ganz Baden-Württemberg bezogen heißt dies, dass die rund 1000 beim Land angestellten Förster für 230000 private und 1076 kommunale Waldbesitzer keine Betriebsplanung und keinen Revierdienst mehr machen dürfen. Bisher schaut der Förster danach, welche Bäume geschlagen werden oder wo Totholz bleiben sollte. 


Fallen die Experten des Landes weg, wird es schwer, so Dettingens Bürgermeister Hillert, weiterhin gutes Geld aus dem Holzverkauf zu erlösen. Allein 2016 belief sich der Überschuss - dank höherem Einschlag und guten Preisen - auf über 60 000 Euro. In diesem Jahr rechnet man mit knapp 20 000 Euro. Auch wenn es darum geht, den Wald aufzuforsten, fehlten künftig die Fachleute vom Land. 


Doch noch ist nicht aller Tage Abend, zumal selbst der Landesnaturschutzbund auf der Seite des Landes steht, was nicht allzu oft vorkommt: »Um auch in Zukunft hohe ökologische Standards im Waldbau und Waldnaturschutz umzusetzen, braucht es qualifiziertes Personal und eine gute Beratung«, betont deren Chef Johannes Enssle. Auch die Forstkammer, die die Interessen der kommunalen und privaten Waldbesitzer vertritt, setzt sich für das öffentliche Reviersystem ein. Damit ist der Gang durch die juristischen Instanzen vorgegeben.

Das Land wird, um den Einheitsförster zu retten, zunächst den Bundesgerichtshof anrufen. Möglicherweise geht es danach weiter bis zum Europäischen Gerichtshof. Laut Peter Hauk hat nämlich der Bund extra das Bundeswaldgesetz geändert, um die baden-württembergische Praxis zu stützen. Dies sei mit dem Urteil des Oberlandesgerichts konterkariert worden.