Ach ja. Die Radwege in Reutlingen. Oder oft auch das Nichtvorhandensein selbiger. Viel ist schon darüber geschrieben worden. Auch über die eingeführten Fahrradstraßen in der Charlotten- und in der Bellinostraße. Doch wie sind die Wege tatsächlich? Ich fuhr los und unterzog mich einem Selbstversuch. Ich war ehrlich gesagt, ein wenig aufgeregt, denn: Sind die Wege wirklich so lebensgefährlich, wie manche behaupten?

Begonnen habe ich meine Radtour durch die Achalmstadt am Hohbuch-Knoten. Ich bin den Radweg entlang der Konrad-Adenauer-Straße in Richtung Innenstadt gefahren, für den ja eine Auto-Fahrbahn stadtauswärts »geopfert« wurde. Was mir als Erstes auffiel: Der Gehweg in die Stadt hinein ist doppelt so breit wie der Radweg. Seltsam, dachte ich. Sehr seltsam. Sollten sich auf dem Radweg Radler begegnen, würde es hingegen sehr eng, ohne Ausweichmöglichkeit. Extrem viel Platz hingegen für die wenigen Fußgänger. Bei der Weiterfahrt muss ich erkennen, dass sich der Radweg kurz vor der Kreuzung an der Lerchenstraße wieder auf den Gehweg geleitet wird. Ausgerechnet dort, wo der Gehweg schmal wird. Solche Unzulänglichkeiten sind mir auf meiner Tour öfter passiert. Und das vor allem in Gebieten, wo es nur streckenweise Radstreifen gibt. Wie in der Ringelbachstraße. Stadtauswärts kurz nach der Einfahrt in die Alexanderstraße verschwindet der Radweg im Nichts.

Er hört einfach auf. Und zwei Meter dahinter steht ein geparktes Auto. Was hätte ich als Radfahrer tun können? Drei Radler machen es vor, sie sind vorab schon auf den Gehweg ausgewichen, bedrohen dort die Fußgänger. Aber nicht ohne Grund: Fett und breit parkt auf dem Radweg ein Auto. Solche Unverschämtheiten machen mich wütend. Und sie passieren einem als Radfahrer ständig in Reutlingen. Hinter VHS, Spendhaus und Bücherei etwa. Es ist schon ein Wunder, wenn da mal kein Auto den Radweg blockiert. Natürlich immer nur »ganz kurz«. Mit dem Rad hat man dann nur die Möglichkeit, auf die holperige Fahrbahn auszuweichen. Oder abzusteigen. Frechheit. Seltsam mutet auch der neue Haltestreifen für Radler in der Albstraße vor der Kreuzung Seestraße an: Schön breit, rot, vor den Autos, auf die Straße gemalt.

Sollten sich da allerdings tatsächlich mehrere Radfahrer nebeneinander aufstellen, wird es für die beim Geradeausfahren in Richtung Pfullingen aber extrem eng: Weil die Albstraße sich dort stark verengt, gibt es auch keinen Radweg mehr. Auch hier löst sich die Fahrradfreundlichkeit in pures Wohlgefallen auf. Ähnlich eng geht es in der Charlottenstraße zu. Und zwar ganz besonders dann, wenn man sich traut, als Radler von der Uhlandstraße gegen die Fahrtrichtung in die sehr, sehr enge Einbahnstraße zu fahren. Erlaubt ist das. Aber eben auch lebensgefährlich. Sollte nämlich ein Auto entgegenkommen, ist dort kein Platz für beide. Und wer ist da wohl der Stärkere?
Genauso sieht das in der Aulberstraße aus. Sollte man sich da stadteinwärts in die Einbahnstraße wagen, braucht man besonders gute Nerven, viel Mut. Und ein sehr gutes Auge, ob die paar Zentimeter wirklich reichen, um an einem entgegenkommenden Fahrzeug vorbeizukommen. Besser geeignet wäre die Krämerstraße. Da gibt’s wenigstens keinen Gegenverkehr.

Möglich wäre natürlich auch die Planie. Die wird ja immer wieder genannt, wenn es um eine Rad-Querverbindung vom Achalmgebiet und auch von der Oststadt ...in Reutlingens Zentrum hinein geht. Allerdings müssen Radler dort ihren Weg an vier Ampeln unterbrechen. Absteigen, Ampel drücken, warten, aufsteigen, wenige Meter fahren, absteigen, Ampel drücken und so weiter. Wie eine radfreundlichere Lösung dort aussehen könnte, ist mir bislang schleierhaft. Das Fazit meiner kleinen Rad-Rundtour durch die Stadt: Viel Stückwerk. So wie es andere auch schon beschrieben haben. Viel zu oft enden Radwege oder Fahrradstraßen im Nichts. Lösen sich auf. Und viel zu oft fahren und stehen Autos auf Radwegen. Als ob es das Selbstverständlichste der Welt wäre. Und von wegen 1,5 bis 2 Meter Abstand zwischen Auto und Rad einhalten - dass ich nicht lache. Vielerorts ist das eh nicht möglich. Und gerade in den Fahrradstraßen überholen Autofahrer, als ob sie Rekorde im Minimalabstand-Vorbeifahren brechen wollen. Extrem gefährlich sind auch Radstreifen wie in der Alteburgstraße, mit den unzähligen Ausfahrten und Nebenstraßen. Also: Es gibt viel zu tun, viel zu verbessern - wenn aus Reutlingen tatsächlich irgendwann mal eine radfahrfreundliche Stadt werden sollte. Und wenn Autofahrer animiert werden sollen, auf das Zweirad umzusteigen.