Ja, ist denn schon wieder Weihnachtsmarkt? Es sind noch 26 Wochen hin - und die bislang zufriedenen Marktbeschicker haben längst wieder gebucht. Derweil schwelt der Streit aber weiter. Um die 20 Geschäfte in der oberen Wilhelmstraße werden erneut für fünf Wochen in die »zweite Reihe« abgedrängt. Im Vorfeld des Fests des Friedens soll es in Reutlingen öffentlichen Protest geben.


Eine eher lose organisierte Initiative muckt auf und empört sich darüber, dass die Installation eines Runden Tischs aller Beteiligten erst unlängst von einem Gemeinderats-Ausschuss mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. 
Während die Veranstalter des Unternehmens »Marktwerkstadt« versichern, es würden im Vorfeld Jahr für Jahr alle betroffenen Geschäftsleute angeschrieben, auch damit diese die Chance bekämen, mit eigenen Buden dabei zu sein, klagen diese nicht nur über die Standmieten.


Freie Wähler und die Grünen im Gemeinderat hatten schon zu Jahresbeginn angeregt, miteinander statt übereinander zu reden. Bei der Standortfrage sei auch zu beachten, dass vom Albtorplatz mit seiner Eislaufbahn fast fünf Wochen lang für jede Menge Lärm ausgehe. Was des einen Lust - ist des anderen Last. Dort chillen nicht nur Gühweintrinker, während junge Leute zu Party-Hits fröhlich ihre Runden auf dem Eis drehen - sondern es gibt rund um den Albtorplatz tatsächlich auch Anwohner. Rund 300 000 Besucher lockt der Markt jedes Jahr.


Die Stadt berichtete vor zwei Wochen dem Finanz- und Wirtschaftsausschuss im Reutlinger Gemeinderat, dass beim Weihnachtsmarkt - kurz und knapp gesagt - am besten alles so bleiben könne und solle wie bisher.
Die lange Zeile auf der oberen Wilhelmstraße - zwischen Albtorplatz und Weibermarkt - sei ideal für das, was so ein Weihnachtsmarkt brauche. Vor allem solle der Publikumsmagnet Eislaufbahn samt den vorgelagerten Buden bleiben. Weg müsse allerdings - nach klaglosen 20 Jahren - das Kinder-Karussell auf dem Marktplatz; weil es sonst für die Wochenmarkt-Beschicker zu eng würde. 


Diese Begründung mutet komisch an, weil gerade in der Weihnachtszeit naturgemäß - im wahrsten Sinne des Wortes - nur wenige Markthändler kommen. Frische Früchte und Gemüse aus der Region gibt es im Winter bekanntlich kaum. Aber den Kindern das Karussell wegnehmen? Die Sache werde noch einmal überdacht, versuchte das zuständige Amt empörte Stadträte zu beschwichtigen.


Alternative Weihnachtsmarktstandorte zur Wilhelmstraße gebe es kaum, so die Stadt. Wenig praktikabel sei der Bürgerpark. Die ganz große Lösung wäre zwar eine lange Meile zwischen Bürgerpark und Marktplatz. Da wäre Platz für bis zu 77 Stände - nur bliebe so der Publikumsmagnet Eislaufplatz abgehängt. Die Wilhelmstraße hätten die dort ansässigen Geschäfte dann aber für sich, ohne »Sichtblenden« durch den Budenzauber. Nun aber soll alles bleiben wie es ist? 
Diese Rechnung hat die Stadt ohne den »Weihnachtmarkt-Rebellen« Utz Kienle gemacht. Der Pächter des Wein- und Käseladens »Larché« an der Ecke Lindenstraße/Ecke Wilhelmstraße hatte schon im Vorjahr angeeckt und mit dem Anwalt gedroht. In Reutlingen würden auch Markthändler zugelassen, die überhaupt keine weihnachtstypische Waren im Programm hätten.


Nun lamentiert er: Inhaber und Mieter der kleineren Geschäfte seien von der öffentlichen Ausschuss-Sitzung am 17. Mai von der Stadt »überhaupt nicht gehört oder kontaktiert worden«. Sprachlich allerdings nicht hinnehmbar spricht er von »Lügen« der Stadt, die den Geschäftsleuten, - etwa 20 seien betroffen -«den Krieg erklärt« habe. Und Kienle kündigt Protestaktionen an.


Zum »Fest des Friedens« passt das nicht so recht. Und nicht nur deshalb sollten alle Beteiligten noch einmal ausloten, was sich mit Blick auf die Friedensmaxime »leben und leben lassen« noch machen lässt. Wobei der zuständige Gemeinderats-Ausschuss den von den Grünen schon lange geforderten »Runder Tisch« leider vom Tisch gefegt hat.