Es gibt eine ganze Menge an neuen Wohngebieten, die in Reutlingen momentan gebaut oder noch entwickelt werden. Das »Blue Village« gegenüber vom Bauhaus-Baumarkt gehört dazu, das Bihler-Areal im Rin-gelbachgebiet und nun kommt aich noch die Ypernkaserne im selben Gebiet hinzu. Ausgangspunkt für die aufgenommenen Planungen war nach den Wor-ten von Reutlingens oberstem Stadtplaner Stefan Dvorak der Wunsch des benachbarten Aldi-Markts, die Grundfläche zu vergrößern – von jetzt 800 Quad-ratmetern auf 1 200 bis 1 400 Quadratmeter. Als das Anliegen an die Stadt herangetragen wurde, sei die Idee aufgekommen, das Aldi-Grundstück zusammen mit dem Kasernengelände zu entwickeln. Ein Tausch von Grundstücken könnte damit möglich werden, sagte Dvorak. Ein Teil der insgesamt sechs Kasernengebäude (die alle aus dem Jahr 1936 stammen) könne abgerissen, ein Teil beibehalten und umgebaut werden.

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Aber: »Wir stehen noch ganz am Anfang, wir wollten ganz früh mit den Bürgern in Dialog treten und die Anregungen sowie Bedenken in einen Ideenwettbewerb mit einfließen lassen«, sagte der Stadtplaner bei einer Info-Veranstaltung in der vergangenen Woche im Spitalhof. Ob denn auch mit den bisherigen Nutzern in den Kasernengebäuden gesprochen wurde? Ja, hieß es, auch die seien in den Prozess mit eingebunden. Das konnte allerdings Dr. Wolfgang Grulke als Geschäftsführer von Ridaf nicht bestätigen. »Wir haben durch die Zeitungen von dem Vorhaben erfahren«, sagte er auf Nachfrage. Erfreulich an diesem Projekt ist aber, dass dort auf dem Gelände sehr zentrumsnah mit guter Busanbindung tatsächlich etwas Neues, Innovatives entstehen könnte.

Das sieht auch Thomas Bangemann so. Er steht hinter einer »Interessengemeinschaft (IG) Wohngemeinschaft Wohnprojekt Ringelbach«, die sich eine Verknüpfung von »Lebensräumen mit Wohnen, Arbeiten, Sozialem und Kultur« vorstellen könnte. Ein »gemeinschaftliches, inklusives, generationenübergreifendes, dauerhaft sicheres Wohnen auch bei geringem Einkommen«. Und obendrein mit »Konzepten sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit«. Mit dabei, man lese und staune: die Reduzierung von Pkw-Stellflächen. 14 Aktive bilden bisher die IG, Bangemann zeigte sich vergangene Woche »begeistert von der Offenheit der Stadt und auch der GWG als Grundstücks- und Gebäudeeigentümer in dem Kasernengebiet«. 
Insgesamt könnten nach Angaben der Stadt in dem Gebiet ein Zentrum mit Bäcker, Metzger, Café entstehen, neben vorsichtig geschätzten 250 Wohneinheiten.

Zum Vergleich: Auf dem Bihler-Areal sind es um die 125. Aldi plant nach den Worten von Andreas Grupp bis zu 40 eher kleinere Mietwohnungen auf dem neuen Markt, der durch die Verlagerung auch gleich die Probleme mit der Anlieferung, einer möglichen Verschattung der Nachbargebäude sowie die störenden Geräusche der Kühlaggregate beheben könnten, die bislang von den Nachbarn des Markts bemängelt wurden. Aldi wolle mit dem Projekt aber nicht ins Immobiliengeschäft einsteigen, betonte Andreas Grupp. »Eine Tiefgarage ist eine Option am neuen Standort – ein paar oberirdische Stellplätze hätten wir aber schon gern.« Das sei schon aus Gründen der Konkurrenz des nahen Lidl-Marktes quasi ein Muss, so Grupp.

Insgesamt zeigten sich auch Stefan Dovrak zusammen mit seinen Kollegen von Stadt und GWG positiv gestimmt über die Resonanz der Bürgerinnen und Bürger bei dem Dialog der vergangenen Woche: »Es waren viele hier im Spitalhof, die Interesse bekundet haben, in dem Gebiet zu wohnen.« Sogar ein gemeinschaftlich betriebener Laden sei angesprochen wor-den, so Dvorak. Und vielleicht könnte das neue, rund drei Hektar große Gebiet ja sogar noch größer werden, wenn nämlich die Freifläche der Bruderhaus-Diakonie – die seit vielen Jahren lediglich als provisorischer Parkplatz genutzt wird – mit einbezogen würde. »Wir sind im Gespräch«, sagte Stefan Dvorak. Bis Ende 2019 würden Ergebnisse des Ideenwettbewerbs vorliegen, dann könnten laut Dvorak die Modelle für das Gebiet vorgestellt werden. Der Riesenvorteil sei nach den Worten des Stadtplaners auf jeden Fall, dass die Infrastruktur bereits vorhanden sei, »wir müssten keine einzige neue Straße bauen«. Und vielleicht setzt sich ja tatsächlich langsam das Bewusstsein durch, dass nicht jede und jeder das eigene Auto vor der Tür stehen haben muss.