Pfiffig, wegweisend, ausdrucksstark und pädagogisch wertvoll: Dieses Lob erhielten in den Medien Unbekannte, die vor dem Reutlinger Friedrich-List-Gymnasium ein Verkehrsschild aufstellten, das es laut Straßenverkehrsordnung überhaupt nicht geben darf: den Warnhinweis auf »Smombies«. 
Zu sehen sind die Umrisse eines Mannes und einer Frau, die gesenkten Hauptes auf ihre Handys starren – und dabei ruck-zuck überfahren werden könnten. Das Schild ist einzigartig, was Reutlingen große, kostenlose Popularität einbrachte. Das Wort Smombie, zusammengesetzt aus Smartphone und Zombie, war bereits 2015 in deutschsprachigen Ländern das Jugendwort des Jahres. Nun ist das Schild in Reutlingen erst einmal abgetaucht. Es bleibt die spannende Frage, ob die Behörden das Smombie-Schild vielleicht republikweit an neuralgischen Stellen im Straßenverkehr genehmigen werden. Das wär’s doch. Und getreu dem Motto »ewig währt am längsten«, hat das Reutlinger Stadtmarketing StaRT eine Replik des Verkehrsschildes an das Haus der Geschichte in Berlin geschickt.

Smartphones, früher als »Handy« ohne Internet bekannt, ersetzen, so Experten, heute die Schnapsflasche oder teures Kokain. Zu diesem Befund kamen Psychiater ebenso wie Suchtforscher und Automobilclubs. Diese, so der ACE, stellten fest, dass neben Raserei und dem Fahren ohne Gurt längst auch die Smartphone-Nutzung im öffentlichen Verkehrstreiben eine Ursache für das Ableben von – zumeist jungen – Menschen ist. Die DLRG lamentiert darüber, dass an den Ufern von Baggerseen zu wenige Eltern dem Rat der Lebensretter folgten: »Wenn deine Kinder oder Enkel im Wasser sind, leg’ das Smartphone weg.«
Ob »unebene Fahrbahn«, Schleudergefahr, Baustellen, »Achtung Bahnübergang« oder »Wildwechsel«, diese Schilder gibt es seit jeher. Hinzu kam Blech, das vor Staugefahr warnt. Die ersten Verkehrszeichen im deutschsprachigen Raum reichen übrigens der Sage nach zurück bis zum habsburgischen Landvogt Gessler aus der Wilhelm Tell-Sage im Jahr 1307. Doch wie toll wäre es denn, wenn einmal nicht die Behörden als Urheber von Warnhinweisen in Erscheinung träten, sondern die – bislang unbekannten – Schöpfer des Reutlinger Smombies. Die Achamstadt würde damit mindestens so berühmt wie deren engste Straße der Welt. Schließlich finden wir unter »Spreuerhofstraße« bereits 4 250 000 Treffer in der Suchmachine Google.

Pädagogisch wertvoll ist das Warnschild »Achtung Smombies« allemal. Vor allem kommt es weitaus freundlicher daher als die filmischen Smartphone-Schocker aus der Schweiz und aus Frankreich. Wer als Fußgänger in Paris gedankenverloren und mit Blick aufs Smartphone bei Rot über die Straße geht, wird von einer Kamera beobachtet, die dann sofort das Geräusch quietschender Reifen auf einen Lautsprecher schickt. Mit der Dampfhammer-Methode geht die Stadt Zürich vor. Dort sind in einem Video Schreckensschreie von Passanten zu hören, während soeben der Smombie neben ihnen überfahren wird. Also harren wir der Dinge und hoffen darauf, dass dieses in die Zeit passende Schild am Kanzleiplatz zurückkehrt – und dann auch republikweit an neuralgischen Stellen Autofahrer warnt, dass sie es dort mit ganzen Horden von schusseligen Schülern zu tun haben könnten. Doch Moment einmal: Smombies müssen keine Teenager sein. Wie in vielen TV-Filmbeiträgen, die sich übrigens gar nicht mit Smombies beschäftigen, in städtischem Revier zu sehen ist, bewegen sich auch viele »Best-Ager« mit Blick aufs Smartphone im Blindflug über die Straßen. So wie unlängst in Pfullingen. Eine Dame im Frühherbst ihres Lebens lief, den Blick ins Smartphone vertieft, unvermittelt auf die Straße. Vollbremsung und ein wohlmeinendes Hupen sollten ihr mitteilen, dass dies hätte ins Auge gehen könnten. Die Frau nahm nur kurz und empört Blickkontakt auf, um – noch auf der Fahrbahn – sich sofort wieder ins Smartphone zu vertiefen. Klare Sache: Wir brauchen diese Smombie-Schilder.