Und stopp. War ja zu erwarten. Alle Tage wieder das gleiche Spiel. Wer nach Reutlingen will, braucht Geduld. Viel Geduld. Gib uns täglich unseren Stau und vergib uns unsere Abgase. Und heute reicht es nicht mal bis zur Tankstelle. Erster Halt Autohaus. Na prima. Was steht da auf dem Schild? »Fahren Sie noch oder halten Sie schon.« Na ich halte, ich will aber nicht halten. Soll uns das beruhigen? Ach im Internet steht, warum sich hier der Verkehr staut. Die sind ja fein raus. Ganz schön frech. Oh, was taucht da im Rückspiegel auf? Halt, halt doch an. Mann! Mensch, das war knapp. In der Heckscheibe sieht man nur noch den Kühlergrill mit großem Stern. Der dicke Diesel knattert laut und harmonisch auf und ab, die Ventile flattern bedrohlich nah. Und Gas. Wieder zwei Meter vorwärts. Das ist aber wirklich eine blöde Erfindung mit der Ampel. Wie heißt sie noch mal? Ach und heute Abend wollten wir grillen. Da brauchen wir noch Wurst und Fleisch.
Ja was macht der denn da? Spinnt der? »Spinnst Du!? Bist du noch ganz dicht.« Der wendet hier auf der vierspurigen Straße. »He da ist ein doppelter Strich in der Mitte und dahinten kommen Autos. Hast du sie nicht mehr alle?« Oh das war knapp. Das war richtig knapp. »Du bist doch nicht mehr ganz dicht.« Die spinnen alle. »Achtung eine Eilmeldung. Auf der A 8 zwischen Karlsruhe und Stuttgart befindet sich ein Geisterfahrer. Bitte halten Sie sich...«. Ein Geisterfahrer, auch das noch. Der da eben ist ein geisteskranker Fahrer. Dreht der hier einfach auf der Bundesstraße. Und die Mutter da vorne muss ihre Kinder beruhigen. »Guck nach vorne und fahr doch, es geht weiter.« Und Gas. Gleich kommt sie die Ampel. Wie heißt sie noch mal? Nein, komm nicht drauf. Au, da ruft einer an. »Oh, Chef. Hallo Chef. Guten Morgen. Ja, ich weiß, dass wir gleich eine Besprechung haben.Ja, ich weiß, dass wir gleich eine Besprechung haben. Ich steh im Stau. Heute ist er besonders lang. Und langsam geht’s voran. Ja, ich beeil mich. Tschüss Chef.« Noch nie hatten wir um diese Zeit eine Besprechung. Und Gas. Wieder drei Meter vorwärts gekommen. Toll. Gleich lassen wir die Tankstelle rechts liegen. Nach geschlagenen zwanzig Minuten. Prima. Die Lebenszeit bleibt im Stau stecken. Man sollte mal ausrechnen, wie viel Stunden, oh je vermutlich Tage, man im Jahr im Stau steht. Das ist bestimmt richtig viel. Und sowieso hier in Reutlingen mit den Baustellen und Umleitungen und Schlaglöchern. Und Gas. Und dieses Schild da in roten Lettern. »Fluchen Sie schon«. Na und ob. Eine Frechheit. Da richten sie so eine Ampel ein – Mensch Maier, wie heißt die denn noch mal – und dann drehen sie den Autofahrern eine Nase. Es ist der Wahnsinn. Die normalen Bürger müssen es mal wieder ausbaden. Was die blöden Politiker nicht hinkriegen. Da haben sich die Bürohengste ja was Schönes ausgedacht. Wir stehen im Stau und die lassen sich von der Autoindustrie an der Nase herum führen. Die sollten sie mal an die Kandare nehmen, anstatt uns die Lebenszeit stehlen. Das traut sich aber keiner. Wir haben damals das gekauft, was sie uns angepriesen haben. Jetzt bestrafen sie uns dafür. Absurd. Demnächst sollen wir die Karre ganz stehen lassen. Sind die noch ganz dicht? Und Gas. Ob die OB auch im Stau steht? Die muss doch hier auch durch, oder nicht? Vermutlich fährt sie später, wenn kein Berufsverkehr mehr ist. Oder sie lässt sich durch die Wohngebiete chauffieren. Das wär der Knaller. Ach die Ampel kommt. Endlich. Wie heißt sie noch mal? Mensch das nervt mich jetzt, dass mir der Name nicht einfällt. Oh bitte, bitte, bitte bleib noch eine Sekunde auf grün oder gelb, dass ich noch durchhuschen kann. Nein, nein, nein du blöde Pförtnerampel, hättest mich auch noch durchlassen können. Ha ich hab’s: Pförtnerampel. Was für eine Wortschöpfung. Die haben sie deshalb eingerichtet, um uns um die Stadt herum zu lotsen. Noch so ein Blödsinn. Wieso soll ich außen rum fahren, wenn ich mittenrein will. Ein Kollege fährt jetzt außen rum. Und kauft nicht mehr in der Stadt ein. Hat er früher gemacht, Bücher, mal ein Hemd oder Sportklamotten. Wollte die Einzelhändler hier unterstützen. Jetzt bestellt er im Internet. Dann dieseln die Transporter halt in die Stadt. Sie wollen es ja so.
Jetzt schalt schon um. Wie lang ist die jetzt auf Rot? Wie viel Schadstoffe bläst der gemeine Autofahrer in der Zeit in die Luft? Und der Brummi-Diesel da hinter mir, der quasi in der Heckscheibe klebt? Der kennt kein Pardon. Oh Telefon. »Chef? Ja, ach die Besprechung ist verschoben. Der Kollege steht im Stau.« Jetzt aber schnell über die Pförtnerampel, da hinten hupen sie schon. Und was macht der Brummi? Das darf doch nicht wahr sein. Der biegt ins Wohngebiet ab, in die enge Gasse da. Ein Sattelschlepper. Also wer dort jetzt noch nicht wach ist, den schmeißt der jetzt aus dem Bett. Es geht voran. Am AOK-Knoten staut es sich auch. Da stehen sie kreuz und quer. Was ist da los? Oh eine Textnachricht. Ja ich weiß, dass wir heute Abend grillen. Ich besorg was, ja. Ob’s mir reicht? Fragen wir die Pförtnerampel. 
 

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