Sommer und sengende Hitze: Die Freibäder und Badeseen sind voll. Doch die DLRG, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft schlägt Alarm: Bis Anfang August sind schon 300 Erholungssuchende ums Leben gekommen. 2017 ertranken im ganzen Jahr 404 Menschen. Und wie lässt sich das verhindern? Auch durch gut ausgebildete Rettungsschwimmer, die »Baywatch«-Leute zwischen Usedom und Bodensee, die zumeist in örtlichen Vereinen groß wurden.
Doch diese haben oft sehr begrenzte Trainingsmöglichkeiten - für Wettkämpfe ebenso wie für die professionelle Menschenrettung. Wer jetzt meint, diese Engpässe gebe es in Reutlingen nicht, täuscht sich. Jedenfalls hat sich die CDU-Fraktion im Gemeinderat bei den Vereinen umgehört - und die beklagen sich über zu wenige Trainings- und Übungsmöglichkeiten. Die Kommunalpolitiker besuchten unlängst zusammen mit Jens Balcerek, dem Chef der Stadtwerke und seinem Team vor Ort mit dem Freibad am Markwasen zwar ein Schmuckstück der Stadt, doch die Christdemokraten legten sogleich den Finger in die Wunde. 

So weiß der CDU-Fraktionschef Rainer Löffler von zahlreichen Vertretern der Sportvereine, dass in Reutlingen nicht genügend Schwimmkurse angeboten werden können. Ja, da denkt man unweigerlich an die neueste DLRG-Statistik: 60 Prozent aller Zehnjährigen in Deutschland »sind keine sicheren Schwimmer«. Und wer kann Abhilfe schaffen? Genau diese Sportler, die jedoch frustriert über lange Wartelisten sind. Und dabei sollte man schon auch in Erinnerung rufen, dass die Reutlinger Wassersportler in den 60er und 70er Jahren bundesweit zu den Besten gehörten. Die CDU wünscht sich nun, dass die Stadtwerke eine Studie erstellen soll, wie ein »zentralisiertes Schwimmsport- und Freizeitzentrum im Markwasen aussehen könnte«. Das in die Jahre gekommene Achalmbad könne ersetzt werden. Aber das ist Zukunftsmusik. Vielmehr sollten wir uns darum bemühen, dass Kinder, spätestens ab etwa fünf Jahren, die Möglichkeit haben sollten, schwimmen zu lernen. Indes: Viele der in den frühen 60er Jahren gebauten Lehrschwimmbecken sind marode, Bäder insgesamt ein Zuschussbetrieb. Nur 30 Prozent der Eintrittsgelder tragen zur Deckung der »Unkosten« bei - welch ein schrecklicher Begriff. Schwimmen lernen zu können, in Hallen- und in den Freibädern, gehört ebenso zur Daseinsvorsorge und Lebensqualität wie die Erziehung in Schulen und Kindergärten. Deren »Abmangel« - wieder so ein Unwort - ist übrigens noch viel höher.

Doch gerade in einer Zeit, in der »zeitgeistige« Eltern am Ufer der Badeseen sorglos und ignorant nur noch ins Smartphone vertieft sind - und daher ihre Sprösslinge nicht im Auge haben, ist es umso wichtiger, sich um deren Schwimm-Unterricht zu kümmern. Klaus-Dieter Höhne (73) aus Lichtenstein weiß ein Lied davon zu singen. Der erfahrene Rettungsschwimmer war 34 Jahre DLRG-Vorsitzender. Heute noch ist er aushilfsweise Schwimmmeister im Honauer Freibad und im Unterhausener Hallenbad. Ihm geht die Hutschnur hoch, wenn er von Eltern hört: »Keine Sorge, mein Kind hat ja schon das ‚Seepferdchen’ gemacht«. Höhne: »Es ist absoluter Unsinn, darauf zu vertrauen. Dieses Abzeichen bekommen Kinder schon, wenn sie schwimmend 25 Meter weit  kommen«. Doch schon bei kleinem Wellengang im Baggersee oder im Meer gingen sie ganz schnell unter.

Wir müssen mehr gegen den Tod im Wasser tun. Höhne und seine DLRG-Mitstreiterin Monika Burk kümmern sich seit geraumer Zeit und auf vorbildliche Weise auch um Flüchtlinge. In vielen der Herkunftsländer gelten Gewässer und das Meer als todbringende »Feinde«. Also gehen sie auch nicht rein.
Über den örtlichen Arbeitskreis Asyl rekrutieren Höhne und Burk ihre Kandidaten, Badebekleidung und Handtücher werden gespendet. Und statt am »Seepferdchen«, das »eh nichts wert ist«, so Höhne, arbeiten die Geflüchteten schon bald am »Jugendschwimmer« – in Bronze und Silber. »Die Elternkurse sind übrigens auch schon voll«, weiß Höhne. Dieses Engagement darf gerne und buchstäblich Schule machen.