Na so was – da sind sich einmal alle einig, egal, ob die Bewohner in der Heilbronner Straße, Stadt, GWG, Gemeinderatsausschuss, Landratsamt, ein beteiligter Professor der Nürtinger Hochschule und auch engagierte Bürger: Einfach alle stimmten vor kurzem in ein Loblied auf die Sanierung von GWG-Wohnungen ein, die nun nach und nach allesamt auf einen barrierearmen und moderneren Stand gebracht werden. Und wenn mal was gelungen ist, dann darf man das durchaus auch hervorheben und loben.

Natürlich gab es anfangs jede Menge Ängste und Bedenken bei den Bewohnern - immerhin liegt der Altersdurchschnitt dort bei nicht weniger als 73 Jahren. Aber: »Ich habe kaum je erlebt, wie sachlich alle Beteiligten ihre eigenen Aspekte eingebracht haben«, sagte Uwe Köster als ein engagierter Bürger aus Orschel-Hagen. Er hat das Projekt »Heilbronner Straße« von Anfang an begleitet und dabei erstaunt festgestellt: Wenn sich alle Seiten Mühe geben, dann kann was richtig Positives dabei entstehen. Und so hat sich die Stadt mit der Abteilung für Ältere, die GWG und die Bewohner von 83 Wohnungen in der Heilbronner Straße unter der Anleitung von Prof. Alfred Ruther-Mehlis frühzeitig an einen Tisch gesetzt und miteinander geredet. Dabei war eines von vornherein klar: Zu einer bewohnerfreundlichen Sanierung mit dem Ziel der Rückkehr in die eigenen vier Wände gab es nur eine einzige Alternative - nämlich der Abriss der Wohnblöcke mit Ein- und Zweizimmerwohnungen mit 33 und 44 Quadratmetern. Vor der Sanierung lag der Mietpreis bei 4,50 Euro pro Quadratmeter«, erläuterte Jürgen Röhm als GWG-Projektleiter.

Nun werden 6,50 Euro fällig. Das ist eine heftige Mietsteigerung - aber in einem kompletten Neubau wären die Mieten für die Bewohner überhaupt nicht mehr zahlbar gewesen. Ein Block ist nun bereits saniert, der zweite gerade in der Mache, bis Ende des Jahres sollen vier Einheiten mit 48 Wohnungen fertig sein. Danach beginnt der Abriss von eingeschossigen Wohnungsblöcken, die machen den Weg frei für Neubauten. »Dort kommen dann Ein- bis Fünfzimmerwohnungen rein«, so Röhm. Damit soll eine gute Durchmischung des Quartiers von älteren und jüngeren Bewohnern gewährleistet werden. Von Anfang an, also vor drei Jahren, waren die Mieter der Heilbronner Straße mit einbezogen in das Sanierungs- und Neubauvorhaben in diesem Bereich. Sie konnten ihre Wünsche äußern, viele wollten ebenerdige Duschen oder die Waschmaschine in der Wohnung. In Einzelgesprächen hat vor allem Friederike Hohloch von der Abteilung für Ältere die Wünsche und Pläne der Menschen ausgelotet, wie und wo sie während der drei- bis viermonatigen Sanierung unterkommen können. Schlussendlich werden rund zwei Drittel der Bewohner wieder in ihre Wohnungen zurückziehen, die anderen gehen vor allem zu ihren Kindern oder ins Pflegeheim. »Aus Kostengründen musste auf jeden Fall niemand die Wohnung verlassen«, betonte Hohloch. 

Die unabhängige Anleitung durch Prof. Ruther-Mehlis sei wichtig gewesen, hob Uwe Köster hervor. Auch, dass der Landkreis das Projekt mit dem Impuls-Programm mit 30 000 Euro unterstützte, wie Sozialdezernent Andreas Bauer erläuterte: »Der Landkreis ist auf der Suche nach alternativen Wohnkonzepten für eine alternde Gesellschaft abseits von Pflegeheimen.« Auf den Punkt brachte Kurt Gugel (FWV) als Gemeinderatsmitglied das Projekt: »Eigentlich ist es doch ganz banal, dass man im Vorfeld die Bewohner fragt, was sie wollen.« Denn das sollte doch Normalität sein. Eigentlich. »Das zeigt eindrücklich, dass es eine Kunst ist, Einfaches hinzukriegen«, schlussfolgerte Bürgermeister Hahn. Steht nun also künftig diesem »Kunstgriff« irgendwas entgegen? Zumal Prof. Ruther-Mehlis ein unglaubliches Fazit zog: »Der Aufwand bei der Partizipation hat Zeit und Geld gespart.«