»Der wilde, wilde Westen fängt gleich hinter Engstingen an…«, könnte man beim Lesen dieser Polizeimeldung meinen: die Beamten wurden per Notruf am letzten Samstag gegen 18.15 Uhr wegen einer Schießerei nach Kleinengstingen gerufen. Auf der Bernlocher Straße, der B313, sollen zwei Kinder mit Waffen, augenscheinlich ähnlich einem Gewehr, hantiert und gezielt auf einen Pkw geschossen haben. Erwischt hat es den Skoda eines 24-Jährigen, der dort entlangfuhr. Der junge Mann bemerkt zwei schwarz gekleidete Kinder mit den Waffen am Straßenrand. Nach einem Treffer an der Scheibe der Beifahrerseite hielt er seinen Pkw an. Daraufhin rannten die beiden Jungs sogleich in die Eichhartstraße. Die Polizeibeamten fanden vor Ort mehrere weiße Kugeln, die als Munition für Soft-Air-Waffen Verwendung finden.

Doch das ist noch nicht alles: Ein vor Ort geparkter VW-Multivan wurde ebenfalls beschädigt. Die Beifahrerseite wies Dellen auf. Bei den beiden Schützen handelte es sich um zwei Jungs, beide schwarz gekleidet, einer etwa 130 cm, der andere etwa 150 cm groß, beide zwischen 10 und 12 Jahre alt. So weit zu den Fakten. Die machen schon nachdenklich. Was treibt die Kids an, mit einer Kanone draußen herum zu laufen und auf wehrlose Autofahrer zu schießen? Vielleicht hätte es auch Jogger oder Radler treffen können. Wir wissen nicht, wie weit die Jungs gehen wollten. Könnte ja der besondere Kick sein, den die beiden brauchten, um bei ihren Kumpels punkten zu können. Oder war es eine verlorene Wette? Möglicherweise stehen die »Black-Älbler-Kids« auch schon samt ihrer Soft-Air Knarren im Netz und sammeln fleißig Klicks. Vielleicht wollten sie auch nur mal das Geschenk vom Opa ausprobieren, der seinen Enkeln eine Freude machen wollte, aber ihre Vernunft überschätzte.


Heutzutage scheint vieles möglich. Soft-Air-Waffen, Paint-Ball-Waffen, Schreckschusspistolen – was ist erlaubt und was nicht? Wir haben bei Brucklacher in Reutlingen nachgefragt. Das Traditionsgeschäft führt heute Michael Wurster und der sagt: »Verboten ist bei uns so gut wie nichts. Es kommt immer auf den Einsatz an. Auf dem eigenen befriedeten Boden, also sprich zuhause auf dem eigenen Grundstück, sind die Waffen frei. Waffen mit einer Schussenergie unter dem Wert Bis 0,5 Joule sind ab 14 Jahren frei verkäuflich«. Wurster verweist auch auf die dpolg-App. Da sind ist detailliert alles aufgeführt., was man über Waffenbesitz wissen sollte. 


Obwohl der angerichtete Schaden in Höhe von 500 Euro gering ist, macht schon der Gedanke, dass bewaffnete Kids hinter jedem Busch hervorspringen könnten, Angst. Die Polizei ermittelt jedenfalls auf Hochtouren. Es geht schließlich um einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und möglicherweise den Verstoß gegen das Waffengesetz. Bei Redaktionsschluss am Montagabend waren die schießwütigen Jungs noch auf »freiem Fuß«. Wem jetzt noch etwas dazu einfällt, möglichweise auch in der Nachbarschaft etwas mitbekommen hat, der kann sich beim Polizeirevier Pfullingen unter der Telefon 0 71 21/9 91 80 melden.