Es fängt alles wieder so wunderbar an. Die Autofahrer jubeln und hüpfen vor Glück auf ihren Sitzen, weil sie sich gar nicht umgewöhnen müssen. 
Ein turbulentes Jahr mit Baustellen, Umleitungen, Krach und Lärm liegt hinter uns und Monate des Vergnügens im öffentlichen Raum vor uns. Es gibt schlichtweg Probleme, die so einen Jahreswechsel kalt weglächeln und einfach weitermachen Probleme zu sein. Eigentlich sollte das hier  eine Vorausschau werden, mit ein paar wichtigen Aufgaben, die auf die Verwaltung und die Bürger zukommen und auf  Lösungen in Reutlingen und Metzingen warten. Das Leben belehrt uns wieder einmal mit einer heftigen Ohrfeige. Was nicht gelöst ist, löst sich nicht in Luft auf. Da sind wir schon beim Thema: der Luft in Reutlingen. Gleich am ersten Tag flattert eine Pressemitteilung des Landesverkehrsministerium  auf den Schreibtisch der Redaktion. 

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Darin bejubelt der Verkehrsminister die Luftqualität in Baden-Württemberg, die sich 2019 deutlich verbessert worden sei. Dies gehe aus den vorläufigen Ergebnissen der Luftqualitätsmessungen 2019 der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) zu den Jahresmittelwerten für Stickstoffdioxid (NO2) hervor. 

Nur wer jubelt nicht? Dreimal dürfen sie raten. Von den 14 Städten und Gemeinden, die den Grenzwert für Stickstoffdioxid im Jahresmittel im Jahr 2018 überschritten hatten, lagen in zehn Städten und Gemeinden keine Überschreitungen vor: Backnang, Esslingen, Freiburg, Herrenberg, Leonberg, Ludwigsburg, Öhringen, Sindelfingen, Tübingen und Ulm. Fehlen noch vier. Wer ist dabei? In Stuttgart, Mannheim, Heilbronn und Reutlingen wurde das Ziel nicht erreicht. In Reutlingen gilt das vor allem bei Stickstoffdioxid, bei den Feinstaubwerten hebt der Landesverkehrsminister den grünen Daumen. Offensichtlich passen hier die Werte. 

Gleichwohl: Das Thema verfolgt uns also weiter, so ein Stickoxidle lässt sich halt nicht so einfach wegpusten. 
Aber die Räte und Rätinnen, Verwaltungsfachleute und Bürgermeister sind ja nicht untätig. Sie tun ja was. Sie wollen uns nicht ärgern, wie OB Keck beim Bürgerempfang nachhaltig betonte. Es gibt eben rechtliche Auflagen, nach denen die Stadt handeln muss und dazu gehört eben diese neuerliche Maßnahme.  Das bekommen wir jetzt zu spüren. In Form einer – »Na? Genau!« Baustelle. Auf der Lederstraße. »Die Umsetzung zweier zusätzlicher Maßnahmen, die Gemeinderat und Bauausschuss in den vergangenen Monaten zur Verbesserung der Luftqualität und damit zur Vermeidung von Fahrverboten verabschiedet haben, wird umgesetzt«, ruft uns eine Pressemitteilung der Stadtverwaltung vom Ende 2019 zu. 

Diese Woche hat der Abbruch des bestehenden Lärmschutzbauwerks zwischen den Gebäuden Lederstraße 84 und 86 und die Errichtung einer zurückgesetzten, ökologisch verbesserten neuen Lärmschutzwand begonnen. »Die dafür erforderlichen umfangreichen Bauarbeiten werden voraussichtlich bis Mitte April 2020 andauern und bringen einige Einschränkungen mit sich«, so heißt es in  der Pressemitteilung der Stadt weiter. So wird der Fußweg zwischen Frankonenweg und dem bisherigen Lärmschutzbauwerk während der Bauzeit gesperrt sein. Der Fußgängerüberweg über die Lederstraße zur Oberamteistraße ist während der Bauzeit ebenfalls gesperrt. Die Fußgängerampel an dieser Stelle ist dann außer Betrieb. 
A propos Fußgänger: Das Wort baut eine Brücke zum nächsten heißen Eisen, das in den kommenden Wochen und Monaten geschmiedet wird. Der Steg über die Konrad-Adenauerstraße auf den Vorplatz der Stadthalle sorgte schon kurz nach der Bekanntgabe für heftige Diskussionen und Kopfschütteln. Drei Vorschläge sind derzeit noch bis 31. Januar im Rathaus ausgestellt und der GEA kündigte launig in der Silvesterausgabe an: »es werden alle drei Siegerentwürfe gebaut« – ein salomonischer Vorschlag, wenn er ihn denn auch bezahlt, der Salomon. Aber Spaß beiseite: es laufen in der Achalmstadt schon einige beeindruckende Bauvorhaben, die munter vor sich hin wachsen. 

Bauvorhaben
Beinahe an jeder Ecke der Stadt wummern, schaufeln, baggern, spachteln die Bauarbeiter und ziehen Gebäude hoch. Um den dringend benötigten fehlenden Wohnraum zu schaffen, entstehen ganz neue Siedlungen. Etwa im Blue Village. 
In dem derzeit größten Wohnbauprojekt in unmittelbarer Bahnhofsnähe wachsen im dritten Bauabschnitt circa 100 hochwertige, aber dennoch bezahlbare Eigentums- und Mietwohnungen. Auch Krams Immobilien hat schon einige Projekte verwirklicht. Derzeit entsteht eines in der Lederstraße neben dem Parkhaus. Einen Steinwurf entfernt, direkt neben dem Hanfhaus, baut die GWG. Die Wohnungsgesellschaft ist überall präsent. In der Kurt-Schumacher-Straße werden derzeit sechs Reihenhäuser und vier Wohnboxen gebaut. Die ersten Wohnboxen sollen zu Jahresbeginn fertig sein.

Ermstal
Fertig: das ist ein Wort, das es in Metzingen nicht gibt. Seit vielen Jahren bastelt die Stadt an ihrer Stadt – erneuert, reißt ab, baut auf. Ganz nach dem Wesen des Lebens: nur der Wandel ist beständig. 
Mit riesigen Schritten gehen die Baumaßnahmen am einstigen Standort der Metzinger Seifenfabrik Bazlen voran. 2014 hatte die Holy AG das gesamte Areal gekauft. Fünf neue Gebäude, die um das Backsteingebilde Heizhaus samt Kamin entstehen, setzen einen weiteren städtebaulichen Akzent. In Neuhausen soll es an der Ermsstraße relativ zügig ein Kinderhaus geben, welches zudem noch mit 21 Wohnungen und einer Tiefgarage mit 30 Stellplätzen bestückt ist. Bereits im März soll die Baugenehmigung erteilt werden. Dann kann es los gehen. Fertigstellung ist für September 2021 anberaumt. 
Die Kreissparkasse, besser gesagt deren Filiale in Metzingen, will ihr bisheriges Domizil am Bahnhof »aufhübschen«. Der Ausdruck ist nicht ganz richtig, denn der Altbau an gewohnter Stelle wird dem Erdboden gleich gemacht und durch einen Neubau ersetzt. Die Pläne dafür wurden akzeptiert, die Abbrucharbeiten können beginnen. Die Bauzeit soll ungefähr zwei Jahre dauern.
Soweit ist die Metzinger Feuerwehr, samt der Neuhäuser Abteilung und der Bauhof noch nicht. Aber immerhin stimmten schon mal die Räte für den 25,9 Millionen Euro teuren Entwurf. Demnach steht dem derzeit größten städtischen Bauprojekt im Gebiet Braike-Wangen wohl kaum noch was im Wege. 
Es ist, wie es ist. Altbauten sind charmant, aber kosten auch Geld. Das wissen die Uracher nur zu gut. An der heißgeliebten Festhalle nagt der Zahn der Zeit. Eine Generalsanierung steht an – geschätzte Gesamtkosten: 4,4 Millionen Euro. Und auch in Dettingen gibt«s markante Bauten. Eines davon ist das Uni-Plast-Areal. Das Gründerzeit-Ensemble, das immer wieder für Schlagzeilen sorgte, verlor seinen Denkmal-Status. 
Hauptgrund dafür dürfte der verheerende Brand vor drei Jahren gewesen sein. Dennoch blickt man zuversichtlich nach vorn. Denn für den dort geplanten Wohnpark gibt»s eine Finanzspritze von Bund und Land.