Haben Sie sich schon mal Gedanken über Ihren Schornsteinfeger gemacht? »Warum, ich hab doch meinen Bezirksschornsteinfeger«, lautet dann zumeist die Antwort. Und eigentlich ist das ja auch gut so. Eigentlich. Weil – wer will schon durch einen brennenden Ofen oder Schornstein sein Haus verlieren? Andererseits hört sich das doch irgendwie nach Monopol an, oder? Und das gab es ja tatsächlich, bis zum 1. Januar 2013. Danach sollte Wettbewerb entstehen, was aber nicht zu funktionieren scheint. Zumindest nach Ansicht von Sven Kolb aus Trochtelfingen. Nachdem er sich mit seinem Bezirksschornsteinfeger aufgrund von Unstimmigkeiten zerstritten hatte, habe er sich informiert: »Ich finde niemand anderen, der bei mir kehren will«, sagt der Trochtelfinger Bürger. »Das geht offensichtlich nach dem Prinzip, dass die eine Krähe der anderen kein Auge aushackt«, sagt Kolb genervt. 

Wie es zu dem Streit kam? Sven Kolb hat in seinem Haus in Trochtelfingen einen Schwedenofen, »den hat der damalige Bezirksschornsteinfeger auch abgenommen und festgesetzt, dass einmal im Jahr gekehrt werden muss«, so Kolb. »Ich heize mit einer Ölzentralheizung und nutze den Schwedenofen vielleicht mal an Weihnachten oder wenn im Winter Freunde da sind.« Als ein neuer Bezirksschornsteinfeger kam, habe der dann im »Feuerstättenbescheid« das einmalige in zweimaliges Kehren geändert. Kolb wehrte sich, rief beim Landratsamt an. Dort erhielt er ein Formular, das bestätigen sollte, dass er den Ofen nur gelegentlich nutzt. Sven Kolb schickte das Formular an den Kaminkehrer, der hatte die Änderung akzeptiert, mit einem Schreiben quittiert – und einen Zusatz hinzugefügt: »Sehr geehrter Herr Kolb, ab sofort stehe ich Ihnen ausschließlich für hoheitliche Tätigkeiten zur Verfügung.« Warum er künftig die Kehrung bei Sven Kolb ablehnte? Das wollte er im Gespräch mit unserer Zeitung nicht erläutern.

Weil der Ofenbesitzer Kolb nun merkte, dass es gar nicht so einfach war, einen anderen Fachmann für die anstehenden Arbeiten zu finden, forderte er im Februar dieses Jahres den Bezirksschornsteinfeger wieder zur Kehrung auf. Dies wiederholte Kolb im Juni, kurz vor Ablauf der ihm auferlegten Kehr-Frist. Daraufhin reagierte der Kaminkehrer, unterbreitete Kolb ein Angebot in Höhe von 99 Euro – für Arbeiten, für die der Trochtelfinger bislang nie mehr als 30 Euro bezahlte. Das ließ bei Sven Kolb nun endgültig den Hut hochgehen: »Wenn Sie glauben, dass Sie mich mit solch einer unseriösen und unverschämten Aktion einschüchtern können, haben Sie sich geschnitten«, antwortete Kolb schriftlich. »Ich werde weder Sie, noch einen anderen Schornsteinfeger beauftragen, der mit Fantasiepreisen – und das auch noch gegen Vorkasse – versucht, rechtschaffene Bürger abzuzocken.«

Das Band war endgültig zerschnitten. Weil aber Sven Kolb nun, nach Ablauf der Kehrpflicht, vom Landratsamt aufgefordert wurde, seinen »bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger« erneut zu beauftragen, nahm der Ofenbesitzer wiederum Kontakt auf. Der Kaminkehrer reagierte aber nicht. Weil die Arbeiten also auch nicht fristgerecht durchgeführt wurden, erhielt Kolb einen ersten und dann einen zweiten Mahnbescheid. Nun soll es am 27. November zu einer Zwangskehrung kommen.
»Und wissen Sie, was der größte Witz ist«, fragt Sven Kolb. »Dass der Bezirksschornsteinfeger diese Maßnahme durchführen soll.« Kosten soll Kolb das dann nicht mehr 30, sondern 400 Euro. »Und die werde ich mit Sicherheit nicht zahlen«, sagt er. Eher lasse er es auf eine Gerichtsverhandlung ankommen. »Vielleicht melden sich ja noch ein paar andere Ofenbesitzer, denen es genauso wie mir ergangen ist.« Das Problem des Trochtelfingers unterstreicht ein Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom 23. November 2017: »Bundesweit gibt es etwa 7 800 Kehrbezirke und 7 800 Schornsteinfegerbetriebe – jeder dieser Betriebe ist für einen Bezirk zuständig«, heißt es da.

Nach Auskunft des »Bunds der Energieverbraucher« gibt es in ganz Deutschland nicht mal 25 frei arbeitende Schornsteinfeger. Zwar dürfen Bezirksschornsteinfeger seit 2013 außerhalb von ihrem Zuständigkeitsbereich tätig werden – Sven Kolb will aber keine »Fantasiepreise« zahlen. Er hatte Kontakt zu mehreren Schornsteinfegern in der Region – die lehnten nach seinen Worten aber entweder die Kehrung bei ihm von vornherein ab. Oder sie verlangten wegen der längeren Anfahrt um die 100 Euro herum. »Das mach ich nicht«, sagt er rebellisch.