Sie haben mich sehr nachdenklich gemacht, Herr … Ach so, ich soll Ihren Namen ja hier nicht nennen. Weil Sie Angst davor haben, dass die »Antifa mit Drohungen« dann bei Ihnen anrufen könnte. »So weit sind wir schon gekommen«, schreiben Sie in Ihrem ausführlichen »Beschwerdebrief« ans WOCHENBLATT. »Was nicht links ist, wird bekämpft«, behaupten Sie. Ah ja. Und Sie werfen mir vor, ich würde die AfD »seit Jahren auf das Übelste angreifen«. Was ich schreibe, sei »nur Hass, Hetze, Diffamierung und Unterstellung«. Hmm. Jetzt muss ich aber schon wieder über etwas berichten, was Ihnen ganz und gar nicht gefallen wird: Der Gemeinderat der Achalmstadt hat nämlich am Donnerstagabend beschlossen, dass Reutlingen »Sicherer Hafen« sein wird – so wie mehr als 30 andere deutsche Städte auch. Und das bedeutet: Reutlingen erklärt sich bereit, zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen, die im Mittelmeer vor dem Ertrinken gerettet wurden. Ich finde, das ist ein gutes Zeichen. Sie nicht, Herr …?

Vermutlich wird Ihnen auch das »Politische Nachtgebet« vergangene Woche nicht gefallen haben? Aber wahrscheinlich waren Sie, Herr …, nicht unter den zahlreichen Besuchern in der Marienkirche. Die Aktiven der Arbeitskreise Asyl zusammen mit Asylpfarramt und der Reutlinger-Tübinger Seebrücke for-derten dort, das »aktive Wegschauen« im Mittelmeer müsse ein Ende haben. Schluss damit, dass Menschen durch die Politik der Europäischen Union ertrinken müssen. Die EU hatte aber jegliche Seenotrettungsprogramme eingestellt und verhindert zudem die Rettung von Ge-flüchteten durch private Schiffe. Das ist nicht nur unterlassene Hilfeleistung, das gleicht einem Todesurteil. Mehr als 2200 Geflüchtete sind 2018 im Mittelmeer ertrunken. Sollen Sie doch sterben, sagt die EU mit ihrer Haltung. Ist das auch Ihre Meinung, Herr …? Sind Sie auch dafür, dass ein Land wie Libyen massiv mit deutschen Geldern unterstützt wird, damit Flüchtlinge zurückgehalten werden und nicht nach Deutschland kommen können? Trotzdem versuchen es täglich viel zu viele - weil sie darin ihre einzige Chance sehen. Herr …, sind Sie dafür, dass ein Land unterstützt wird, in dem Flüchtlinge als Sklaven verkauft, gefoltert, ermordet werden? Haben die Menschen, die sich auf die Flucht begeben, kein Recht auf Leben?

Ich vermute, Sie würden jetzt sagen: Die sollen doch in ihrer Heimat bleiben. Die Lebensverhältnisse in den Herkunftsländern müssen doch geändert werden, haben Sie geschrieben. Ja, da stimme ich Ihnen zu. Wenn das aber nur so einfach wäre. Siehe Beispiel Libyen. Und: Nein, ich finde nicht, dass Deutschland »unendlich viele Flüchtlinge aufnehmen soll«, wie Sie von mir behaupten. Eine sinnvolle Verteilung der Geflüchteten auf alle europäischen Länder wäre schon hilfreich. Und im Übrigen: Dieser Text hier ist keine »staatlich verordnete Bejubelung von Fremden und fremden Kulturen«. Das sind nur meine Zeilen, die für eins plädieren – für Menschlichkeit. Und eins noch: Warum haben Sie, Herr …, so unglaubliche Angst? »Warum müssen wir uns dem Islam unterwerfen«, haben Sie geschrieben. Diese Angst kann ich nicht verstehen. Will ich auch nicht.