Wer seitens Naturschutz, Tourismusverband oder Albbewohnern rund um den Hohfleck geglaubt hatte, dass mit dem Entscheid des Landratsamtes Ende 2016 gegen den Bau der fünf Windkraftanlage auf dem Hohfleck der Fall erledigt sei, sieht sich getäuscht. Nach Ablehnung des Einspruchs der Firma Sowitec als geplanter Betreiber durch das Regierungspräsidium Tübingen hat das Unternehmen die nächste Runde eingeläutet und ficht dessen Entscheidung an. Es kommt zum Gang vors Verwaltungsgericht.


Knapp ein Jahr ist es her, dass die Bevölkerung eingeladen war, der Erörterung über den Bau von fünf Windkraftanlagen auf dem Hohfleck beizuwohnen. Dabei hatte das Landratsamt über 18 500 Einwendungen gegen den Bau der fünf Windkraftanlagen zu bewerten. Ende vorigen Jahres fiel dann eine erste Entscheidung. Das Landratsamt kaprizierte sich auf einen einzigen Punkt in seiner Begründung und lehnte unter wohlgefälligem Beifall von Tourismusverband und Naturschutz den Bau der Anlagen ab. Das Landesdenkmalamt sah in seiner Begründung den Beweis geführt, dass der feingliedrige Bau des Lichtensteiner Schlosses, der in die Landschaft hineinkomponiert worden sei, durch die Rotoren »in seinem Denkmalwert marginalisiert werde«.


Roland Heinrich, Projektleiter der Sowitec hatte damals schon klargestellt, dass das Unternehmen diese Entscheidung nicht einfach so hinnehmen und juristisch klären lassen werde. Als jetzt im Mai das Regierungspräsidium den Einspruch von Sowitec abschmetterte, zeigte man sich bei dem Windkraftanlagen-bauer alles andere als überrascht:     

»Das Regierungspräsidium greift die aus dem Genehmigungsverfahren bekannten Argumente der Landesdenkmalpflege auf und bleibt bei der Ablehnung des Windparks aufgrund von denkmalschutzrecht-lichen Bedenken.« Für Sowitec ist damit der nächste Schritt mehr als logisch: »Wir werden die ablehnende Entscheidung richterlich überprüfen zu lassen. Sowitec hat sich daher entschlossen, vor dem Verwaltungsgericht in Sigmaringen Klage einzureichen.« Aus Sicht des Unternehmens ist der Schritt logisch und zwingend. Doch auch unter grundsätzlichen Aspekten ist eine gerichtliche Klärung wünschenswert.

Stimmen die Angaben zu den fünf Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von jeweils 200 Metern, die Sowitec auf dem Hohfleck erstellen wollte: Liegt die Windgeschwindigkeit, die im Projektgebiet über zwei Jahre gemessen tatsächlich bei guten 6,5 Metern in der Sekunde? Sind die artenschutzrechtlichen Konflikte an diesem Standort wirklich minimal und werden durch die hohen Abstände zu den umliegenden Dörfern von über 2.000 Metern alle Schall- und Schattengrenzwerte weit unterschritten?
Landratsamt und Regierungspräsidium haben es sich einfach gemacht und allein den Denkmalschutzaspekt bewertet. Der Windpark Hohfleck befindet sich in einer Entfernung von 3.000 Metern zum Schloss Lichtenstein. Nach Meinung von Sowitec ist eine Sichtbeziehung zwischen Schloss und Windrädern nur von wenigen Bereichen geben, die Hauptschauseiten des Schlosses, die so genannten Postkartenansichten, würden weiterhin unbeeinträchtigt bleiben.


In der Bevölkerung herrscht Einigkeit darüber, dass zur Bekämpfung des Klimawandels eine Energiewende notwendig ist: Weg vom Atomstrom hin zu erneuerbaren Energien. Jeder neue Standort ist heftigst umstritten. Keiner will die Windräder vor seiner Tür haben, der Umwelt- und Naturschutz erhebt Einspruch und die Effizienz wird bestritten. Alles nachvollziehbare Gründe, die geprüft werden sollten. Wenn aber schon eine optische Beeinträchtigung des »Märchenschlosses Lichtenstein«, erbaut zwischen 1840 und 1842, ausreicht, ein solches Vorhaben wie den Bau von Windkraftanlagen abzulehnen, dann wird sich Deutschland schwer tun mit dem Bau von Windkraftanlange und der Energiewende. Deshalb ist es umso wichtiger, dass auch die übrigen Fakten geprüft werden – und dies vor Gericht.