Es gab eine gute Nachricht, vor kurzem im Betzinger Bezirksgemeinderat: Bei einer »Schadenskartierung« sind deutlich weniger Schäden als befürchtet in und an der Wernerschen Mühle in Betzingen gefunden worden. »Diese Schäden sind in einem Gebäude dieses Alters nichts Ungewöhnliches«, betonte Thomas Schmidt von der Werkstatt für Bau- und Denkmalpfle-ge vor kurzem im Bezirksgemeinderat der Reutlinger Teilgemeinde.

Die Feuchtigkeit hat im gesamten Gebäude um sich gegriffen, sitzt im Gebälk und im Fachwerk wie auch in den gemauerten Erd- und Untergeschossen. »Das zeigt allein schon der muffige Geruch beim Betreten des Hauses«, so Schmidt.
Was sich wenig freundlich anhört, sei so arg aber doch nicht, befand Kurt Gugel von den Freien Wählern: »Nach dem Vortrag bin ich eher positiv gestimmt«, sagte er. Schließlich hätten er und einige andere Räte schon deutlich schlimmere Schäden gesehen, an der Zehntscheuer und an den Gebäuden in der Musmehlstraße, an denen sie sich jeweils ehrenamtlich eingebracht hatten.

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Allerdings sei klar, dass die Wernersche Mühle keine zehn weitere Jahre überleben werde, betonte Thomas Keck. Sowohl tierische Schädlinge wie auch Pilze würden dem Gebäude heftig zusetzen. Als ersten Schritt müsse das Gerümpel aus dem Gebäude entfernt und kräftig gelüftet werden, allein damit könne viel Feuchtigkeit aus den unteren zwei Geschossen entfernt werden. 


Einen Kostenvoranschlag hatte der Holzbau-Ingenieur auch gleich in die Bezirksgemeinderatssitzung mitgebracht: Rund 700 000 Euro seien wohl nötig, um die Mühle vom Schimmel und von tierischen Schädlingen zu befreien und fit für die Zukunft zu machen. Darin enthalten seien allerdings keine Kosten für mögliche weitere Nutzungen, so Schmidt. Ein Konzept dafür müsse so schnell wie möglich erstellt werden, wie Katja Büchel als Leiterin des städtischen Gebäude-managements mitteilte. Der Förderverein Ortskern Betzingen habe sich laut Keck in einer Ideenbörse bereits Gedanken dazu gemacht, »die Ergebnisse werden am 17. Januar vorgestellt«.

So weit so gut. Auf einer anderen Baustelle in Betzingen läuft es weniger hoffnungsvoll: Zwar ist nach den Worten von Büchel die Sanierung der Friedrich-Hoffmann-Gemeinschaftsschule so gut wie abgeschlossen - allerdings nur die Schadstoffsanierung. Nach den Worten von Rektor Lothar Richter sei in Sachen energetischer »Aufrüstung« nichts passiert. Gar nichts. Alte Rollläden, alte Fenster, alte Toiletten.


Anstatt dem umfassenden Kampf gegen das Formaldehyd gleich den Fenster- und Rollladentausch folgen zu lassen, wird laut der Gebäudemanagerin voraussichtlich im kommenden Sommer eine neue Baustelle in der Schule aufgemacht. »Wo, wann, welche Fenster dran sind, das kann ich jetzt noch nicht sagen«, meinte Büchel. 


Nun hat die Gebäudemanagement-Leiterin das Vorgehen nicht verschuldet, sie ist ja erst seit ein paar Wochen neu im Amt. Und wir wissen nicht, welche Gründe vielleicht vorhanden waren, um der Schadstoffsanierung nicht sofort die energetische »Aufrüstung« folgen zu lassen. Vielleicht gibt es ja gute Gründe dafür. Vielleicht. Doch, wenn dem so sein sollte, dann hätte das kommuniziert werden müssen. Wieso weiß der Schulleiter, der doch gleichzeitig auch eine Art Bauleiter ist, nichts von dem Ganzen? Er muss schließlich alles, was in seiner Schule geschieht verantworten, gegenüber den Lehrern, den Schülern, den Eltern und der Öffentlichkeit.


Dass Lothar Richter wohl nicht nur im Bezirksgemeinderat ziemlich genervt wirkte, dürfte kaum verwundern. Es ist mit Sicherheit kein Zuckerschlecken, viele Monate lang auf einer Baustelle zu unterrichten. Vielleicht gibt es aber auch keinen Plan, keine guten Gründe dafür, dass nicht sofort energetisch saniert wird. Das wäre natürlich noch viel schlimmer als die fehlende Kommunikation und Transparenz.