Die gute Nachricht zuerst: Vergangene Woche hat der Kreistag in seiner letzten Sitzung beschlossen, dass alle vier Standorte der Beruflichen Schulen im Landkreis (Reutlingen, Münsingen, Bad Urach und Metzingen) erhalten bleiben. Die letzte Kreistags-Sitzung war es nicht, weil das Gremium künftig nicht mehr existieren wird. Aber: Vergangenen Sonntag war doch Wahl – und da hatten sich die Kandidaten für den Kreistag ebenso positioniert wie Gemeinde- und Stadträte. Leider lag das Ergebnis der Wahlen am Montag, bei Redaktionsschluss des Wochenblatts, noch nicht vor. 

»Es darf nicht sein, dass die Großen die Kleinen fressen«, hatte Klaus Käppeler (SPD) vergangene Woche während der Kreistagssitzung betont. Unter »den Großen« verstand Käppeler den Berufsschul-Standort Reutlingen, die Kleineren waren somit Münsingen, Bad Urach und Metzingen. Allerdings hat das Regierungspräsidium (RP) Tübingen bei alledem ein gewichtiges Wörtchen mitzureden: Wenn nämlich pro Jahrgangsklasse weniger als 16 Schüler angemeldet werden, gibt es einen »Blauen Brief« an die jeweiligen Schulen. Erfolgt das dreimal hintereinander, behält sich die oberste Aufsichtsbehörde der Schulen das Recht vor, den Ausbildungsgang zu schließen. So geschehen bei der Medientechnologie Druck an der Kerschensteinerschule in Reutlingen.

Vor einem Jahr schon sei beschlossen worden, die Ausbildungsklasse zum Drucker (wie die Lehre einstmals hieß) an der Achalm zu schließen – die Azubis, die sich dennoch für solch eine duale Ausbildung entscheiden, müssen künftig nach Stuttgart oder Ulm in die Berufsschule. Ähnliches steht nun auch der Münsinger Beruflichen Schule bevor - allerdings im Bereich Industriemechaniker: Den metallverarbeitenden Betrieben in Münsingen dürfte kaum gefallen, dass der Ausbildungslehrgang Metall an der Münsinger Schule »sukzessive« geschlossen werden soll, wie der Kreistag nun beschlossen hat. Die Schülerzahl sei sehr gering, hieß es, das Regierungspräsidium behalte die Entwicklung im Blick. »Wir müssen selbst gestalten, wenn wir nicht zu Getriebenen der Blauen Briefe des RP werden wollen«, hatte Hagen Kluck (FDP) betont und damit dem Vorschlag der Landkreisverwaltung zugestimmt. Nach den Vorstellungen der Verwaltung soll die Berufliche Schule in Münsingen zu einem »Kompetenzzentrum« ausgebaut werden.

Das mag sich toll anhören, vielleicht noch besser »Exzellenzzentrum«, wie Mike Münzing (SPD) vorgeschlagen hatte. Doch egal, wie man die neue Richtung der Schule in Münsingen nennt - letztendlich ist natürlich die Frage entscheidend, ob das Konzept von Erfolg gekrönt sein wird. Sicher ist da gar nichts. Ob nämlich ein »Kompetenzzentrum Agrarwirtschaft« tatsächlich so nachgefragt würde, wie alle im Kreis sich das wünschen - das steht zunächst noch in den Sternen. Florian Weller (CDU) wollte deshalb den Abzug der Metallklassen aus Münsingen mit diesem erhofften Erfolg im Agrarbereich koppeln. Ob das Sinn macht? Kaum. Denn, wenn jetzt angekündigt wird, dass der Münsinger Metallbereich nach und nach abgezogen wird - welcher junge Mensch wird dann noch in Münsingen eine sterbende Klasse besuchen wollen? Welcher Betrieb wird seine Azubis dorthin schicken, wenn über kurz oder lang doch eh der Wechsel nach Reutlingen anstehen würde?

Ein weiteres Kompetenzzentrum soll Münsingen stärken, nämlich im Bereich der Pflege. Altenpflegeklassen gibt es dort bereits. Weil aber in Bälde große Änderungen in der Pflege-Ausbildung anstehen, könnte dieses Feld tatsächlich deutlich ausgebaut werden - wenn nämlich alle Pflegeberufe (Alten-, Kranken- und Kinderpflege) künftig gemeinsam zwei Jahre lang lernen sollen, im dritten Ausbildungsjahr soll dann »auf Wunsch«, wie es heißt, eine Spezialisierung möglich sein. Natürlich steht auch hier noch in den Sternen, ob die dringend benötigten Pflegefachkräfte sich tatsächlich auch für die neu geordnete Ausbildung begeistern können. Und ob die Ausbildung nicht mit der Pflegeausbildung an der Akademie der Reutlinger Kreiskliniken kollidiert? Die Kreisverwaltung hofft auf eine gute Kooperation der beiden Einrichtungen, hieß es. Jaja, die Hoffnung.