Das hat gesessen – nachdem schon Audi einen massiven Stellenabbau von gut 9 500 Stellen angekündigt hatte und auch BMW in Form von Kürzungen von Prämien und Weihnachtsgeld kräftig auf die Bremse trat, folgte nun eine weitere Hiobsbotschaft – die insbesondere unsere Region betrifft.

Bosch – unser Bosch, der Fels in der Brandung im tosenden Gewässer der Global Player, scheint nun auch zu bröckeln. Ausgehöhlt von den Eskapaden der Automobilindustrie und einem rückläufigen Markt, reagierte der Autozulieferer nun auch mit Stellenabbau. 600 Arbeitsplätze sollen in den nächsten drei Jahren in Deutschland wegfallen – 500 davon bei uns an den Reutlinger Standorten. Insgesamt beschäftigt Bosch hier rund 8 000 Mitarbeiter. Zwar soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben, es soll über Altersteilzeit, Vorruhestandsregelungen und Abfindungen auf freiwilliger Basis geregelt werden – doch der Schreck saß tief, die Bestürzung war groß.

»Die Ankündigung der Firma Bosch, am Standort Reutlingen deutlich Personal abzubauen, zeigt, dass der Abschwung die Region erreicht hat«, kommentierte Hauptgeschäftsführer der IHK Reutlingen, Dr. Wolfgang Epp die Situation. Die Industrie und die Automobilzulieferer stünden insgesamt vor schwierigen Monaten, so die Einschätzung der Lage des Reutlinger IHK-Chefs. »Der Export geht zurück, die derzeit noch stabile Inlandsnachfrage kann davon in Mitleidenschaft gezogen werden«, so Dr. Epp weiter.
Richtig sauer ist man angesichts des Beschäftigungsabbaus bei Bosch derzeit bei der hiesigen Gewerkschaft. Die Reutlinger IG-Metall Chefin Tanja Silvana Grzesch wirft dem Unternehmen »Wortbruch« vor. »Erst letzten Freitag waren wir in Stuttgart bei der Kundgebung gegen kopflosen Personalabbau, der sich im Ländle derzeit breit macht. Nun kommt Bosch in Reutlingen um die Ecke und erklären uns quasi, dass sie auf die von ihnen unterschriebene Beschäftigungssicherung pfeifen«, wetterte Grzesch und kündigte Konsequenzen an – »Wer Wind säht, wird Sturm ernten.« Was die Reutlinger Seele bei der ganzen Sache so hart trifft, ist die Tatsache, dass es sich dabei um Bosch handelt – kein börsennotiertes Unternehmen, das plötzlich zum Spielball seiner Anleger werden kann, sondern ein bodenständiges Unternehmen, das gefühlt bisher jeder Krise trotzte. Es gehört zu Reutlingen wie die Mutschel, Spätzle und Kehrwoche. Und wie ein Kind, das die Erfahrung machen muss, dass Mama und Papa nicht allmächtig sind, so stehen wir da und blicken mit Sorgenfalten auf unser Vorzeige-Unternehmen und die aktuelle wirtschaftliche Lage.

»Vorsprung durch Technik«, dieser Slogan stand wie kein anderer für unsere (bisherige) Rolle in der Automobilbranche. Leider, so scheint es, haben sich die deutschen Autobauer zu lange auf ihrem »Vorsprung« ausgeruht. Bisher konnten sich VW, BMW und Co. durch gute Lobbyarbeit ihren Status Quo erhalten.  Doch angesichts der recht tatenlos beigewohnten Energiewende und die fehlende Anpassung an die nötig gewordenen Umweltanforderungen, denen man nur mit Mogeleien anstatt mit Technik begegnete, hat man nun das Nachsehen. Ob aus den Fehlern gelernt wurde, bleibt abzuwarten. Momentan setzt die deutsche Automobilbranche, die Regierung und auch Bosch alles auf die Entwicklung von E-Autos und E-Tech. Technologieoffenheit sieht anders aus – vielleicht stehen wir in einigen Jahren  wieder genau da, wo wir jetzt sind und hecheln anderen Vorreitern und Pionieren hinterher.