Schon im April dieses Jahres wurde bekannt, dass zum Ende 2018 die Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlingen (Bamf) in Eningen geschlossen werden soll. Jessica Tatti hatte als Reutlinger Bundestagsabgeordnete der Linken eine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet, mit dem wesentlichen Inhalt, was denn mit den Beschäftigten des Bamf geschehen soll. Insgesamt gebe es 39,5 Vollzeitstellen in Eningen, hinter der sich nach den Worten von Reinhard Frank aus dem Bamf-Personalrat 50 Personen verbergen. Viele seien schon seit 1992, seit Einrichtung der Bamf-Stelle in Reutlingen dabei, »viele sind in der Region verwurzelt«, so Frank.
»Sozialverträglich« sollten die Beschäftigten auf andere Außenstellen verteilt werden, Sigmaringen wäre die nächste, Stuttgart aber auch eine Option, hieß es im August. Die Stimmung im Mitarbeiter-Kreis sei nach den Äußerungen des Personalrats »friedhofsmäßig«. Jessica Tatti sagt dazu: »Die Beschäftigten haben die Wahl, entweder freiwillig an einen anderen Standort zu wechseln oder letztlich gekündigt zu werden.« Dass das Bundesinnenministerium dies eine »sozialverträgliche Lösung nennt, ist mehr als zynisch«, so die Linken-Politikerin weiter.
Nun sind es nicht mal mehr drei Monate bis zum Jahresende und vor kurzem wurde bekannt, dass auch die Flüchtlingsunterkunft im Eninger Mühleweg 5 geschlossen werden soll - die dort noch untergebrachten 70 Menschen müssen ins Boardinghaus »Am Kappelbach« umziehen. Grund für die Schließung der Bamf-Außenstelle wie auch der Unterkunft im Mühleweg hängen mit den gesunkenen Flüchtlingszahlen zusammen, wie auch das Bundesinnenministerium auf Tattis Anfrage betonte. 
»Die Bundesregierung will nur noch anerkannte Flüchtlinge in die Landkreise schicken«, erläutert Reutlingens Asylpfarrerin Ines Fischer. »Alle anderen Geflüchteten sollen in sogenannten Ankerzentren bis zu 18 Monate festgehalten werden – bis ihr Verfahren abgeschlossen ist.« Eine unerträgliche Vorstellung – weil dort zwischen 1 000 und 1 500 Geflüchtete untergebracht werden sollen. In Bayern wurden bereits sieben »Transitzentren« oder Erstaufnahmeeinrichtungen in solche »Ankerzentren« umgewandelt. Der Flüchtlingsrat bezeichnet die Unterbringung als unmenschlich. Der grüne Innenexperte Uli Sckerl unterstrich zwar: »Es wird in Baden-Württemberg mit uns Grünen kein Ankerzentrum nach den Vorstellungen des Herrn Seehofer geben«, war in den Stuttgarter Nachrichten zu lesen. Dennoch gibt es Befürchtungen: »Je kasernierter die Menschen untergebracht werden, umso schwieriger wäre ihre Betreuung und juristische Beratung«, sagt Ines Fischer. 
Grundsätzlich beklagt hat Günter Jung die sich weiter verschärfende Situation für Flüchtlinge - und zwar als ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande am Dienstag dieser Woche in der Villa Reitzenstein in Stuttgart verliehen wurde: Staatsrätin Gisela Erler würdigte im Auftrag des Bundespräsidenten Günter Jungs »großen persönlichen Einsatz, mit Geschick und Empathie« für die Belange von Geflüchteten. Seit rund 40 Jahren engagiere sich der ehemalige Reutlinger Sozialrichter für Frieden, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und vor mehr als 25 Jahren gründete er das erste Asylcafé in Betzingen. 

Als ehemaliger Sozialrichter betonte Jung in seiner Erwiderung in der Villa Reitzenstein, dass er die Auszeichnung zwar annehme, er tue dies aber stellvertretend für all die Menschen, die sich in die Flüchtlingshilfe einbringen. Gleichzeitig bemängelte er »Gesetzesverschärfungen, Abschiebungen und Abschottungsmaßnahmen«. Gebeten hat er Erler, sich dafür einzusetzen, dass die Mittelkürzungen für den Landes-Flüchtlingsrat zurückgenommen werden. Danach rief er dazu auf, das Lied »Ermutigung« von Wolf Biermann anzustimmen. Der Kreis von mehr als 30 Personen aus Familie, Freunden, Wegbegleitern und Flüchtlingen ließ sich nicht lange bitten und sang voller Inbrunst: »Du, lass dich nicht verbittern in dieser bitter’n Zeit, die Herrschenden erzittern - sitzt du erst hinter Gittern - doch nicht vor deinem Leid.«
Günter Jung ließ es sich auch nicht nehmen, auf den Widerspruch zwischen seiner Ehrung und der Mittelkürzung für den Flüchtlingsrat hinzuweisen. Zudem sprach er die zahllosen Toten im Mittelmeer an, erwähnte »die Behinderung der Seenotrettung, die schäbigen Einschränkungen beim Familiennachzug, die skandalösen Abschiebungen in unsichere Länder und aktuell die Sammellagerpolitik«. Und er vergaß auch nicht, den Rechtsruck in der Gesellschaft anzusprechen, wenn von »Asyltourismus oder Anti-Abschiebe-Industrie« die Rede sei. »Spinnen die alle, fragen wir uns.« Dem ist nichts hinzuzufügen.