Die international und überaus praxisnah ausgerichtete Hochschule Reutlingen schneidet in den Rankings, also den diversen Experten-Hitparaden, nicht nur bundesweit überaus gut ab, sondern landet oft unter den ersten fünf Forschungseinrichtungen in Deutschland – und in Europa.


Nun ist die Stadt Reutlingen landesweit auf Platz drei gelandet, allerdings im Negativ-Ranking des Bundes der Steuerzahler. Nein, nicht etwa wegen des – auch finanziellen–- Debakels mit den mickrigen, bedauernswerten japanischen Schnurbäumchen rund um die Stadthalle. Vielmehr bekam die Stadt im 45. Schwarzbuch der unabhängigen Verschwendungskritiker eine Rüge wegen der ins Kraut geschossenen Kosten beim Tonne-Neubau.
Was für ein Theater, welch ein Ärger: Der Reutlinger Gemeinderat beschloss im März 2015 das Neubauprojekt der Spielstätte. Offensichtlich etwas blauäugig wurden mit rund 8,4 Millionen Euro kalkuliert. Nun hat sich herausgestellt, dass der Neubau auf dem Boden der ehemaligen Listhalle um die 10,9 Millionen Euro kosten wird.


Baden-Württemberg bekam im neuen Schwarzbuch neun von bundesweit 110 Einträgen. Dabei sind die Mehrkosten für die Tonne-Spielstätte allerdings ein Kinkerlitzchen - zum Beispiel mit Blick auf das Aktien-Debakel des Energieriesen EnBW. Das skandalöse Spiel mit diesen Papieren sorgte für ein Defizit von 1,8 Milliarden Euro. Um Schlimmeres zu verhindern, musste das Land – also wir Steuerzahler – einspringen, mit 123 Millionen Euro allein im Jahr 2016.

So relativiert sich doch Einiges. Nicht, dass man den Ärger mit der Tonne kleinreden darf. Da gab es Planungs-Versäumnisse - und ziemliche Fehleinschätzungen. Hinzu kam der mit Gift verseuchte Untergrund auf der Anhöhe beim Kepler-Gymnasium.


Aber nach einem zunächst - landauf landab durchaus üblichen Erstreflex der Verantwortlichen: »Hoppla, das konnten wir doch nicht ahnen«, folgte alsbald eine wohltuende Läuterung.
Und so findet sich im Bericht der Verschwendungskritiker zum Thema Tonne auch das Lob: »Die Kostensteigerung wurden (von Seiten der Stadt Reutlingen) erstaunlich offen thematisiert.«
Doch solche Eingeständnisse sind alles andere als üblich. Wer den ZDF-Länderspiegel ab und zu schaut, erfährt dort auch vom jeweiligen »Hammer der Woche«. Da geht es dann um Schildbürgerstreiche wie Straßen- und Brückenneubauten, die im Nirgendwo enden.


Ob hanebüchene Bürokratenwillkür oder skandalöse Geldverschwendung: Das ist unterhaltsamer Stoff zum Haare raufen, den die TV-Zuschauer übrigens selbst anliefern, indem sie entsprechenden Ämter- und Behördenirrsinn »petzen«.
Doch ob es um rausgeschmissenes Geld für Fehlinvestitionen geht oder um Strafzettel in Leipzig für Leute, deren Elektroautos keine Feinstaubplakette haben: Meistens schieben sich die vom ZDF angesprochenen Behörden auf scheinheilige Weise den Ball gegenseitig zu, oder antworten erst gar nicht. 
Solche Verschleierungs-Strategien haben in Beamtenkreisen Methode, sei’s auf kommunaler oder auf Regierungsebene. Keiner will’s gewesen sein. Und am Ende müssen die Steuerzahler für die übelsten Pleiten, Pech und Pannen bezahlen – wer denn sonst?


In Reutlingen allerdings wurde mit dem Malheur Tonne-Neubau bemerkenswert offensiv umgegangen – fanden jedenfalls die knallhart ermittelnden Fahnder vom Bund der Steuerzahler.
So ließ die Stadt wissen, »dass die zu einer realistischen Risikobetrachtung notwendigen
Planungen zum Baubeschluss nichtmit der angemessenen Tiefe und Gründlichkeit erarbeitet wurden. Dieser Mangelin der Qualität der Planung und Kostenberechnung wurde nicht rechtzeitig erkannt«.


Hut ab, das war stark. Wäre da nicht das dicke Ende. Obwohl rechtlich geprüft wird, ob man nicht auch am Bau beteiligte Firmen in Regress nehmen kann, dürften die Reutlinger Steuerzahler auf einem großen Teil der Mehrkosten sitzen bleiben. Doch geht es bei der Tonne schließlich um Kultur – und nicht etwa um den unsinnigsten Kreisverkehr der Republik in der Charlottenstraße.