Nein, wir fangen heute nicht mit den Folgen des Dieselskandals an. Es gibt auch noch andere Dinge, denen die volle Aufmerkskamkeit gewidmet sein sollte: Unsere Kliniken im Lankreis beispielsweise. Es ist mit Sicherheit keine leichte Entscheidung, wie die Kreiskliniken künftig geführt werden sollen. Wenn Norbert Finke und Friedemann Salzer als Direktoren-Duo im Frühjahr 2020 ausscheiden, dann muss ein neues Modell her. Denn: Zu vermuten ist, dass die beiden Geschäftsführer alles versucht haben, um die Wirtschaftlichkeit der Klinik mit drei Standorten zu steigern. Nur: Wirtschaftlich heißt doch entweder Kosten einsparen oder Gewinne steigern. Meistens bei-des. Und das in einem Bereich, in dem es fast ausschließlich um Menschen geht. Das scheint in unserer heutigen Zeit in Vergessenheit geraten zu sein.

Nun leiden allerdings nicht nur die Patienten unter dem Spardiktat, sondern auch die Pflegerinnen und Pfleger. Sie sollen seit vielen Jahren immer mehr ar-beiten, immer mehr Verantwortung übernehmen, an freien Tagen immer öfter für Kollegen einspringen. Und dann noch der Bürokratisierungswahn, der dazu führte, dass mittlerweile mehr als 40 Prozent der tägli-chen Pflegearbeit aus Dokumentation besteht. Das ist doch Wahnsinn. Dementsprechend wird der Beruf immer unattraktiver, immer weniger junge Menschen finden sich bereit, die Herausforderungen und die Belastungen, aber auch die positiven Seiten auf sich zu nehmen. Fachkräfte aus weit entfernten Ländern werden angeworben - im Übrigen genauso wie im Pflegebereich von Altenheimen. Wie kann es sein, dass ausgerechnet die Arbeit mit den Hilfebedürftigen in der Gesellschaft, mit Alten und Kranken, so wenig wertgeschätzt wird?

Es fehlt an Anerkennung und an gerechter Entlohnung. Damit sind wir auch schon bei des Pudels Kern: Das liebe Geld. Es braucht ein neues Modell für die defizitären Kreiskliniken. Vermutlich haben Finke und Salzer in den vergangenen Jahren sämtliche Einsparmöglichkeiten ausgelotet und angewendet, die man sich nur denken kann. Trotzdem ist die angepeilte »schwarze Null« nicht erreicht worden – die Gründe dafür sind vermuitlich vielfältig. Was ist zu tun? Eine Art Zaubertrank für die Kliniken wird es mit Sicherheit nicht geben. Privatisierung wäre aber mit Sicherheit der falscheste aller möglichen Wege. Wenn nämlich der Investor auch noch Gewinne erzielen wollte, dann geht das natürlich zusätzlich vom Budget ab. Oder wie der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Poreski es formulierte: »Eine Privatisierung bedeutet: Wir verringern das Gewicht des Landkreises, wir werden als Beschäftigte und als Bürgerschaft zum Spielball privater Interessen.« Gesundheit werde dann zur Ware. Die Frage ist, ob sie das nicht schon lange ist. 

Aber welche Alternativen gibt es? Der Kliniken-Aufsichtsrat empfiehlt, einen Management-Vertrag mit einem externen Anbieter abzuschließen, allerdings nach konkreten Vorgaben des Landkreises, auf drei Jahre begrenzt, mit der Möglichkeit des Kreises, diese Entscheidung auch wieder zu revidieren. Es gab allerdings auch andere Vorschläge, etwa von Ärztevertretern. Die hatten gesagt, dass sie die Wende zum Besseren auch allein schaffen könnten. Warum aber haben sie das nicht schon längst geschafft? Möglich wäre auch der Zusammenschluss in einem Klinikverbund, wie das bereits die Krankenhäuser in Böblingen, Calw, Herrenberg, Leonberg, Nagold und Sindelfingen getan haben. Hätten die kleinen Häuser im Kreis Reutlingen in Bad Urach und Münsingen dann überhaupt noch eine Chance? 

Was also ist zu tun? Vielleicht ist die externe Management-Lösung tatsächlich die beste. Grundsätzlich aber müsste an der Gesundheitsversorgung einiges geändert werden. Weg mit den DRGs, also diesen unsäglichen Fallpauschalen, die dazu geführt haben, dass es jede Behandlung einer Krankheit einen bestimmten Preis hat. Ohne Rücksicht auf den Zustand des Patienten. Die Zahl der Pflegekräfte auf den Stationen müsste erhöht und ihre Entlohnung verbessert werden. Wer das bezahlen soll? Gesundheit gehört zur Daseinsvorsorge. Genauso wie Trinkwasser oder Bildung und Kultur. Bei Schulen und Kultur weiß doch auch jeder, dass die nicht kostendeckend arbeiten können. Die Gesellschaft muss halt bereit sein, dafür entsprechend zu zahlen. Solch ein Signal würde auch dem Ansehen und der Wertschätzung der Pflegeberufe guttun.