»Mit 40 wird dr Schwob gscheid«! Da scheint was Wahres dran zu sein, denn Frieder Scheiffele just im zarten Schwabenalter, zieht die Reisleine. Die Schwabenlandfilm GmbH wird es zum Jahresende vermutlich nicht mehr geben, eine Fortsetzung von »Laible und Frisch – Do goht dr Doig« auch nicht, obwohl das Drehbuch für eine dritte Story bereits fertig war. Dafür gibt«s wahrscheinlich an Weihnachten eine Wiederholung der Bäckersaga im SWR und morgen am 1. November, 18.30 Uhr, läuft die »Herbstliche Restlesküche«. Derzeit stehen noch ein paar lokale Restlesküchenverwerter vor der Kamera, am 15.11. fällt im Albdonaukreis die letzte Klappe. Zu sehen sind die jahreszeit-bedingten Folgen demnächst im hiesigen Fernsehen. 


Klingt alles ganz schön deprimierend, denn eigentlich fühlte sich doch alles ganz gut an. Die Protagonisten in »Laible und Frisch« – Simon Licht und Winfried Wagner – hätten unterschiedlicher kaum sein können, die Geschichten drumherum auch nicht. Groß gegen Klein, hochnäsiger Norddeutscher trifft auf bodenständigen Schwaben und das alles direkt vor der Haustür – die Leute liebten es. Leute wie Lisa Bitter und Tedros Teclebrhan gaben darin ihr Debüt. Eigentlich beste Voraussetzung für eine Fortsetzung. Scheiffele glaubte immer daran, dass er und sein Kompagnon Sebastian Feld auch weiterhin im Filmgeschäft Bestand hätten. Aber völlig überraschend wurden zwei große Produktionen gecancelt, obwohl vom zuständigen Redakteur Thomas Martin großer Zuspruch kam. Doch der ist mittlerweile in Rente, kann seinen Einfluss nicht mehr geltend machen. Auch die schwäbischen Urgesteine Trudel Wulle und Walter Schultheiß, die der Bäckerstory ihren ganz eigenen Schliff gaben, sind raus. Scheiffele und Feld sind ein hohes, finanzielles Risiko eingegangen, haben viele 100 000 Euro investiert und waren letztendlich von so genannten »Good-Will-Aktionen« abhängig. Das wollen beide nicht mehr. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. So läuft das nun mal – nicht nur im Filmgeschäft -- und das war früher schon so: Da kennt einer einen, der wiederum einen kennt… Wer da an Märchen glaubt, dass alles schön ist wie es gerade ist, fällt knallhart auf den Boden der Realität zurück. Freilich regt der SWR zum Nachdenken an. Denn ein öffentlich-rechtlicher Sender, der sich ausschließlich aus Rundfunkgebühren finanziert, kann doch nicht einfach machen, was er will. Oder doch? 


Sebastian Feld hat sich lange Gedanken gemacht und sagt: »Also für uns war es immer unbegreiflich, warum ein öffentlich-rechtlicher Sender dem Wunsch des Publikums nicht nachkommt, wenn die Quoten doch eine eindeutige Sprache sprechen und klar verdeutlichen, dass das Publikum ein Programm wie Laible und Frisch sehen will«. Für noch mehr Kopfschütteln sorgte die Tatsache, dass kurz nach dem Ende der Bäckerstory mit »Die Kirche bleibt im Dorf« eine weitere Serie produziert wurde – allerdings nicht mit einer Produktionsfirma aus Baden-Württemberg, sondern aus Hamburg. Und mit weniger Dialekt. Scheiffele und Feld wurde immer wieder im Sender versichert, dass man gerne vornehmlich mit Produzenten aus Baden-Württemberg zusammenarbeiten wolle. Beide wurden eines Besseren belehrt.


»Das Ende von Laible und Frisch war für uns genauso unverständlich, wie wenn VW morgen beschlösse, den Golf einzustellen, obwohl der Konzern hiervon am meisten absetzt und verdient. Diese Schnaps-Idee müsste ein CEO erst mal einem Vorstand erklären«, so Feld. Seiner Meinung nach stünden aber die internen Strukturen und der gewaltige, kostenintensive Apparatdes SWR nur allzu oft kreativen Unternehmungen im Weg. »Umso mehr gilt mein Respekt Redakteuren im Sender, die in der heutigen Zeit noch etwas wagen und sich für kleine Produzenten und Ideen aus dem Ländle wie die Restlesküche stark machen«.  Sebastian Felds Resümee fällt sehr nüchtern aus: »Leider ist Baden-Württemberg als Medien-Standort relativ uninteressant. Besonders kleinere Firmen kommen oft nicht zum Zug, da sie mit den Großen nur schwer und unter Einsatz von viel Eigenkapital konkurrieren können, was nur allzu oft ein nicht-tragbares Risiko beinhaltet. So entsteht ein Teufelskreis, denn zum Wachsen fehlen den kleinen Firmen oft Aufträge und Kapital und wer ’klein’ bleibt, muss voll ins Risiko gehen. Mir würde es heute mit all dem Hintergrundwissen schwerfallen, jungen Menschen zur Selbstständigkeit im Filmgeschäft zu raten, ohne an eine große Firma angedockt und abgesichert zu sein. Ich selbst würde gerne nach wie vor Filme und Serien produzieren, jedoch nicht mehr, wenn man für jedes Projekt Haus und Hof sowie die (ohnehin geringe) private Altersvorsorge aufs Spiel setzen muss«. 


Der gelernte Spieleentwickler ist wieder zurück in seiner Branche. Am 2. Dezember geht«s für ihn in einem großen Konzern mit Sitz in Mainz, mit ordentlichem Verdienst und Rentenabsicherung von Neuem los. Und Frieder Scheiffele hat auch einen neuen Job. Der eigentliche Verwaltungsmann arbeitet neuerdings als Wirtschaftsförderer bei der Stadt Ebersbach an der Fils. Für ihn nichts Außergewöhnliches, denn hier und da muss man auch in diesem Job kreativ sein. 

Die Ironie an der ganzen Geschichte ist: »There’s No Business Like Show Business«. Dieser alte Sinatra Hit trifft beim Lesen einer Pressemitteilung, wie die »Faust aufs Auge«. Darin verkündet die IHK den Drehstart für eine neue SWR Dramedy in Neckar-Alb. Als Filmkulisse dient der Zollernalbkreis. Seit dem 24. September finden in Schömberg, Balingen und Umgebung unter Regie von Peter Evers die Dreharbeiten zur sechsteiligen Serie »Spätzle Arrabiata« oder auch »How to make Swabia great again (AT)« statt. 

Die Film Commission Region Neckar-Alb unterstützte die Produktionsfirma Polyphon Pictures aus Baden-Baden im Vorfeld erfolgreich bei der Teamfindung und der Drehortsuche. Hauptdrehort wurde neben Locations in Balingen, Albstadt und Hechingen ein leerstehendes Gasthaus in Schömberg. Gedreht wird noch bis Ende November 2019. Zu sehen sein wird die SWR-Serie, welche unter der Leitung von Sabine Tettenborn produziert wird, dann 2020, der genaue Sendestart steht aktuell noch nicht fest. Da schau her!