Eine engagierte Bürgerschaft hat vorgelegt, nun ist es am Gemeinderat und an der Stadt, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Es geht um die Oststadt, die zwar nicht auf Teufel komm raus komplett umgestaltet werden soll. Doch eine akribische Bestandsaufnahme - samt Blick nach vorn – von rund 80 Männern und Frauen, die sich seit Mai in »Dialoggruppen« getroffen haben, lieferten viele Impulse für die Zukunft des Quartiers. Die Charlottenstraße soll eine Fahrradstraße werden, außerdem könnte es mittels einer Art »Spange« gelingen, die Planie als Fußgänger- und Fahrradachse so umzubauen, dass eine bessere Anbindung an die Altstadt gelingt. Dieser Vorschlag landete bei der Gruppe »Verkehr« sogar auf Platz eins.

Im Herbst soll der Gemeinderat ran. Die Verkehrsregelung »rechts vor links« – und zwar überall – fand jedoch nicht allzu viele Freunde. Spannend wird es aber vor allem dann, wenn, so die jüngste ÖPNV-Präsentation der Stadt, mittelfristig sieben Buslinien durch die Gartenstraße führen sollen, in beide Richtungen. Die Gruppe »Stadtbild«, die auch zum Bürgerdialog beigetragen hat, unterhielt sich unterdessen - übrigens auch sehr kontrovers – darüber, ob es sinnvoll sei, die bauliche Nachverdichtung konsequent zu verfolgen, oder eben mehr Raum für Grün zu schaffen. »Quartiersgaragen« für Anwohner, also zentrale, große Parkplätze wurden ins Spiel gebracht - nur möchte sie freilich niemand vor der eigenen Haustüre haben. Eine einheitliche Fassadengestaltung stand ebenso auf dem Prüfstand, wie die Idee, den Leonhardsplatz mit einem Tanzlokal aufzupeppen. Was aber höchst umstritten war.

Wie auch immer: Die 118 Hektar große Oststadt mit ihren 6 000 Einwohnern – und fast ebenso vielen Menschen, die dort arbeiten, sind seit Jahren ein Thema. Allein: Die Leute, die letztendlich über Verbesserungen und Veränderungen dort zu befinden haben, die Gemeinderäte, landeten bislang noch keinen großen Coup. Außer dass die Einnahmen der Stadt über Parkgebühren selbst entlegenen Oststadt-Ecken seit geraumer Zeit jede Menge Euros zusätzlich in die Stadtkasse spielen. So sehr die Bürgerbeteiligung ganz prima gelungen ist: Seit Jahren schon verlangen die Bewohner Veränderungen. Doch vom Gemeinderat und von der Stadt kam bislang kein Masterplan, das, was die »Initiative für eine lebenswerte Oststadt« (ILOS) »Rahmenplan« nennt. Der aber von einer Aufstellung noch weit entfernt ist.

Und dann ist da der große Traum von der Verkehrsberuhigung. Anfänglich hieß es ja, dass der Mitte 2017 in Betrieb gehende Scheibengipfeltunnel auch eine Entlastung für die Oststadt bringen würde. Man dort also an den »Pforten«, so der Albstraße, den Verkehr auch beruhigen könne. Zählungen indes haben ergeben, dass es nicht der Durchfahrtsverkehr »Fremder« ist, der für Verdruss sorgt. Vielmehr ist das Fahrzeugaufkommen dort weitgehend selbstgemacht, durch den so genannten Ziel- und Quellverkehr. Was Wunder bei den vielen Berufstätigen dort - und den Berufsschülern. Nicht jeder Ort auf der Alb ist gut an den ÖPNV angebunden, da kommen die Schüler eben mit dem Auto. Wie auch immer: Es liegen Dutzende tolle Projekt-Ideen für den Reutlinger Osten vor.

Die Stadt lobte die jetzt abgeschlossene Arbeit der »Dialoggruppen« über den grünen Klee, muss jetzt aber in die Puschen kommen. Und da sieht es so schlecht nicht aus: Planungskosten seien bis Ende 2016 gesichert, ließ Baubürgermeisterin Ulrike Hotz wissen. Und für die Umsetzung von ersten Maßnahmen stehen im Jahr 2017 rund 800 000 Euro zur Verfügung. Dann also ran ans Werk - und zwar zügig. Denn die engagierten Oststadt-Bürger haben es verdient. In den Dialoggruppen haben sie angestrengt, fantasievoll und vorausschauend eine sehr gute Arbeit abgeliefert. Dazu noch sehr differenziert Pros und Contras abgewogen, ganz ohne Scheuklappen - ein großes Lob für diese Frauen und Männer.