Autofahrer bewegen sich im Slalom durch Baustellen. Und sie müssen, für Auswärtige nicht sofort nachvollziehbare, Umwege fahren. Dabei wird es für Radfahrer leider oft auch bedenklich eng. Der Zielkonflikt ist programmiert - jedes Jahr aufs Neue. Zwischen Mai und Oktober wird feste gebuddelt, werden Strom,- Glasfaser und Wasserleitungen verlegt. Und am Ende kommt immerhin auch ein neuer Fahrbahnbelag drauf.

Bedarfsampeln und Umleitungsschilder: Die Katze beißt sich in den Schwanz. Denn manche Zeitgenossen lamentieren immer und wortreich über marode Straßen und Schlaglöcher. Werden die Verkehrswege dann endlich aufgemöbelt, motzen eben diese Leute über Staus und Verkehrsbehinderungen. Keine Frage: So schlimm und chaotisch wie im Sommer 2016 soll es - laut damaliger Selbstkritik der Behörden - nie wieder kommen. Damals wurde nicht nur die Reutlinger Bantlinstraße (B 28) dicht gemacht. Dank wahnwitziger Umleitungen entstand ein noch nie da gewesenes Verkehrschaos. Ortsunkundige, die ein Ziel in der Stadt suchten, verfielen gar in eine schwere Depression, bissen in ihrer Verzweiflung ins Lenkrad. Nun, das ist Geschichte. Aber auch in diesem Jahr sind dank Dutzender Verkehrshindernisse starke Nerven gefragt.
Das Regierungspräsidium, die Landratsämter und die Kommunen sind der festen Überzeugung, dass Maßnahmen in Ferienzeiten für weniger Ärger sorgen. Und sie berichten, anders als noch vor einem Jahrzehnt, nun zeitnah über zu erwartenden Stress zwischen rotweißen Barrieren, Bedarfsampeln und Umleitungsschildern.

Dabei verkünden die ja nur pragmatisch: Morgens einfach 20 Minuten früher aufstehen! Ob Karls- oder Charlottenstraße, Gartenstraße, der Burgplatz oder die Rommelsbacher Straße: Für alle Verkehrsteilnehmer ist etwas dabei. »Hier entsteht gerade ein zugeschüttetes Loch«. Solche Schilder wünschen sich - gallig aber zumeist augenzwinkernd - Spötter, die emotional belastbar sind. Die automobilen »Normalos« indes granteln vor sich hin, unterwerfen sich aber nolens volens der Kraft des Faktischen. Und alle lernen auf diese Weise auch Quartiere in der Stadt kennen, die sie schon lange nicht mehr gesehen haben. Für Radfahrer und Fußgänger jedoch können innerstädtische Baustellen so richtig unangenehm sein. Baufahrzeuge verstellen deren gewohnten Wege. Und die Schilder »bitte andere Straßenseite benutzen« besagen nur, dass man dort erst einmal gesund hinkommen muss. Eine von zwei Fahrspuren, oft der Gehweg auch - und die gewohnten Radwege sind versperrt. Also ab in den Radler-Gegenverkehr, wo hektisches Klingeln der anderen Zweiradpiloten droht. Vorsichtige Naturen steigen ab und schieben ihr Velo durchs jeweilige Nadelöhr. 

Der Slogan der Stadt »Wir bauen die Wege, Sie steigen aufs Rad« macht mit Blick auf die Charlottenstraße in der Oststadt schon Sinn. Das klingt verheißungsvoll - und es lässt sich gut an mit dieser exemplarischen Fahrradstraße. Nur sind Konflikte in Baustellenbereichen weiterhin und buchstäblich ein gefährliches Pflaster. Im Kriechgang geht es bis Oktober vorbei an den Kraterlandschaften, die im Auftrag von Straßenbauämtern und Energieversorgern entstanden; nicht zu vergessen die Telekommunikations-Unternehmen, die auf dem Lande für ein brauchbares Internet sorgen sollen. Aber die Ballung macht’s: Zwischen spätestens Pfingsten und dem Schulferien-Ende werden alle Verkehrsteilnehmer - vor allem in Städten - auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Die Einsicht indes, dass solche Bautätigkeit eben sein muss, könnte selbst bei notorischen »Immer-Empörten« den Blutdruck senken. Das von vermeintlich Oberschlauen hingegen stets geforderte »dann baut doch auch nachts«, ist unüberlegter Quatsch - und sparsamen Schwaben unzumutbar. Um ein Fünftel früher wären die Straßen dann wieder frei. Aber die Baukosten, zu bezahlen von den Steuerzahlen, kämen gut 25 Prozent teurer. Und wer will das schon.