Da schlendert sie also ganz entspannt durch ihren wohl verdienten Urlaub und lernt ein paar nette Leute kennen. Wie das halt so ist in den Ferien. Irgendwann, wie das halt so ist, kommt man sich näher und irgendwann fragt jemand: »Was machst Du eigentlich beruflich?« »Ich bin Rolladen- und Sonnenschutzmechatronikerin«. Großes Erstaunen: »Das kann man lernen? Das ist ein Beruf?« 
So schildert Sandra Mayer-Wörner ihr Schlüsselerlebnis, das ihr Leben umgekrempelt hat, und wenn alles optimal läuft, noch ein bisschen mehr umkrempelt. Sie hat ja schließlich eine Mission. Sie bezeichnet das als »Mission Schatten«. Doch da gibt es noch eine: Miss Handwerk. Vielleicht krempelt sie ja dann ganz Deutschland ein bisschen um. 
Das ist ihr durchaus zuzutrauen. Sandra Mayer-Wörner ist Handwerkerin mit Leib und Seele. Ein fröhlicher Mensch. Spontan. Begeisterungsfähig. Engagiert. Mit der Urgewalt des Herzens und der Wärme der Sonne. Ihr Beruf, der nicht ihr einziger Beruf ist, ist ihr ans Herz gewachsen. Sie stammt aus einer Handwerkerfamilie, Rollladen Mayer aus Pfullingen ist eine Marke und ein Begriff für solide Arbeit und Service in der Region. Die 33-Jährige baut gerade ihren Meister und macht sich weit über das Tagesgeschäft hinaus Gedanken über ihren Berufsstand. 
Das Nischendasein ist ihr bewusst, und in solchen Momenten wie eingangs geschildert, kommt erst Frust dann Wut auf. Das gibt ihr Antrieb, ist Motivation. »Da muss man doch was machen. Mein Wunsch wäre es, unseren Beruf so bekannt zu machen wie Zimmermann oder Schreiner oder Automechaniker.« Also nimmt sie das Leben in die Hand. Und packte die Gelegenheit beim Schopf. 
Das Nischendasein ihres Gewerkes ist immer auch ein Thema bei den Jungunternehmer-Treffen. Dort ist sie auch engagiert und dort wurde von Maren Meyerling der Keim gelegt, der sich zu einem großen Schatten spendenden Baum auswachsen kann. 
Die Kollegin vom Handwerksblatt brachte die Pfullingerin vor fünf Jahren mit einer Idee in Berührung. Die Fachzeitschrift bringt gemeinsam mit IKK Signal Iduna und dem Zentralverband des Handwerks seit zehn Jahren einen Kalender mit Handwerkerinnen und Handwerkern aus verschiedenen Gewerken heraus. »Eigentlich wollte ich da nie mitmachen.« 
          
Dann  erzählte sie ihr  Urlaubserlebnis  der Zeitungsfrau Meyerling und es war um sie geschehen. »Dann musst Du da mitmachen. Von uns, also den Rollladen- und Sonnenschutzmechatronikern war da noch nie jemand dabei«. So lautete die klare und  folgenreiche Antwort der Journalistin. 
Der Würfel war gefallen. Sandra Mayer-Wörner packt nämlich an, was anzupacken ist. Eine Nacht wollte sie noch drüber schlafen, sie bekam Infos, schmökerte sich hinein, huch, das ist ja anspruchsvoll und legte los. Für die Bewerbung musste sie Fotos schicken und zeigte sich äußerst kreativ. Sie wählte nicht nur einfach ein Porträt aus. Sandra Mayer-Wörner ließ sich da schon ein bisschen mehr einfallen. Nicht mit viel Haut, aber mit viel Hirn und Spaß. Bilder, die die private Sandra zeigen. »Es geht ja um mich.« 
Der Fragebogen forderte die 33-Jährige, vor allem die Eigenbeschreibung. Das fällt keinem so richtig leicht, doch auch hier fand sie eine Lösung: sie schrieb ihre Freunde an und ließ sich beurteilen. »Wie bin ich?« 
Die erste Antwort passte gleich und der Jury passte die Bewerbung auch. Sandra Mayer- Wörner schaffte es von 80 Bewerberinnen in die Auswahl für den Kalender 2020. 
Je 18 Frauen und Männer wurden fürs Fotoshooting ausgewählt, durch eine  Jury und durch Onlinevoting. Dafür erfand sie für sich den Slogan: »Mission Schatten«. Genial. Einfach. Einfach genial. »Genau darum geht es. Ich wollte, dass von unserer Arbeit etwas auf dem Bild rüberkommt.« Sie wurde auserwählt und reiste an ihrem 33. Geburtstag nach Düsseldorf zum Fotoshooting. »Es war ganz schön anstrengend, aber wir waren eine lustige Truppe und es hat so viel Spaß gemacht.« Die Zeit Mitte September war voller Adrenalin, voller Spannung. Schließlich hieß es warten auf das Ergebnis. Dann plopp –  die E-Mail: »Du bist drin.« »Ich bin drin, ich bin fast ausgerastet.« Unbeschreibliche Freude. Denn das war für sie das Minimalziel. Kalender musste auf jeden Fall sein, nachdem sie im Juli beim Onlinevoting auf Platz eins von allen stand.
 Aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte von dieser umtriebigen jungen Frau, die so viel Herzblut in ihren Beruf und dessen Anerkennung steckt. Das Beste kommt ja bekanntlich am Schluss. Sie lächelt nun im Juni den Betrachtern des Kalenders entgegen und hat noch eine weitere Hürde genommen: Sandra Mayer-Wörner steht am 11. März 2020 auf dem Laufsteg  und kämpft in München mit fünf anderen Handwerkerinnen  um den Titel »Miss Handwerk«. Sie hat es tatsächlich geschafft. Mit ihrer ansteckenden Natürlichkeit, mit Spontanität und Herz, mit Einfallsreichtum und Kreativität. Sie hat alle im Bekannten- und Handwerkerkreis aktiviert, für sich zu voten, wie das so schön neudeutsch heißt. 
Doch jetzt, liebe Leser, kommt die nächste Aufgabe. Wir alle können für sie voten. Wir können unsere Stimme abgeben und dafür sorgen, dass sie am 11. März mit einem guten Polster in das große Finale geht (Link siehe unten).
Sandra Mayer-Wörner hat jetzt schon Geschichte geschrieben für die Handwerkskammer Reutlingen: Sie ist die Erste aus unserer Region, die sich die Schärpe schnappen kann. Und will. Sie ist die erste Rollladen- und Sonnenschutzmechatronikerin überhaupt, die in dem Kalender ist. Das ist schon ganz besonders. 
Und wenn das alles klappt und sie den Titel holt? Was dann? Über die Aufgaben als Miss Handwerk hat sich die 33-Jährige noch nicht viele Gedanken gemacht. Das lässt sie auf sich zukommen. Sie macht sich aber Gedanken über ihr Handwerk. Über die Zukunft. Über den Nachwuchs. »Wenn ich Miss Handwerk werde, dann sehe ich das vor allem als Anerkennung für unser Handwerk.« Dann blinzelt sie, denkt für eine Sekunde nach, blickt dem Reporter in die Augen, schmunzelt: »Abr es dät mi scho stolz macha«. 

LINK:

www.germanyspowerpeople.de/kandidat/
sandra-mayer-woerner

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