Für gewöhnlich ärgern wir uns, wenn Dinge schon nach kurzer Zeit kaputt gehen. Eigene Sachen, die den Geist aufgeben oder verschlissen sind bedeuten ein nicht vorhersehbares Loch in der Haushaltskasse. Doch wenn es um unser aller Geld geht, also Steuergelder? Dann schimpfen wir schnell über die Behörden, die es mutmaßlich verbockt haben. So waren und sind die japanischen Schnurbäumchen rund um die Stadthalle ein Grund für dauerhaften Gram. Vor allem geärgert haben sich die Reutlinger über das voluminöse und teure Gutachten, aus dem hervorgeht, was eh alle wussten: Die Bäumchen leiden. Um die 200 000 Euro kostet nun das begonnene »Vitalisierungsprogramm«, das der Gemeinderat fast einstimmig billigte.


Freuen dürfen wir uns nun über ein anderes »Vitalisierungsprogramm«, gewissermaßen sogar froh sein darüber, dass – schon nach recht kurzer Zeit – etwas in der Stadt schwächelt. Der Boden um die Trampoline herum ist abgewetzt. Schön war zu beobachten, wie gut von Beginn an die Trampolinanlage schräg gegenüber des Tübinger Tors angenommen wurde. Kinder und Jugendliche lieben diese Sportgeräte, stehen auch schon einmal Schlange, um dranzukommen.


Und die Eltern nicken zufrieden, weil diese Trampoline ihre Sprösslinge in Bewegung halten. Vergangene Woche musste pflegerisch Hand angelegt werden, Geld, das nun wirklich gut angelegt ist. Der Boden rund um die drei Trampoline bekam einen neuen Belag. Und weil der vorhandene Rasen drumherum »den vielen kleinen und großen Nutzern nicht mehr gewachsen ist«, so eine Sprecherin der Stadt, »hat sich das städtische Amt fü Tiefbau, Grünflächen und Umwelt für einen neuen Fallschutz aus Kunststoff entschieden, der das Hüpfen, Springen und Toben auf den beliebten Sportgeräten sicherer macht.« 


Überhaupt darf man die Stadt mit Blick auf das gesamte neue Freizeit-Eldorado zwischen Tübinger Tor und der Eberhardstraße ausdrücklich loben. Spielgeräte, die Wasserspiele, die Skateanlage, Kleingastronomie und Sitzgeräte für die »Alten«, die dort einen Blick auf die ganz Kleinen haben wollen: Da ist Reutlingen als kleiner Großstadt ein großer Wurf gelungen. 
Wobei die Neumodellierung der Pomologie oberhalb der Alteburgstraße nicht vergessen werden darf. Für gut angelegte


60 000 Euro gab’s zum Beispiel zwei ausrangierte RSV-Bushaltestellen zum sich unterstellen, wenn es mal regnet. Parkett gefällig? Teuer war der dortige Bodenbelag aus Robinienholz nicht. Eine pfiffige Investition waren auch die – ebenfalls vom Jugendgemeinderat vorgeschlagenen »Alb-Liegen« und zwei Fitnessgeräte. Wer da in die Pedale tritt, liefert Strom zum Aufladen seines Smartphones. Mehr Bewegung gefällig? Eine Tischtennisplatte für den »Park der Jugend« war im Etat auch noch drin. Gut, dass die Stadt für die Projekte Bürgerpark und Pomologie die jungen Leute von Beginn an mit in die Verantwortung genommen hat. Mitmischen auf Augenhöhe war angesagt - mit Ideen und Vorschlägen für die Gestaltung öffentlicher Räume, die – jetzt im Sommer erst recht – Tag für Tag gut ausgefüllt sind. Das war »Bürgerbeteiligung« im besten Wortsinne - dazu noch, ohne dies an die große Glocke gehängt zu haben.


Genug gelobt, und wo bleibt das Gebruddel? In diesem Fall gibt es das nicht. Sogar die Skater dürfen sich freuen, dass die kleinen Risse auf der von Profis aus Lübeck vorbildlich designten Betonpiste am ZOB offensichtlich keinen Mangel darstellen. Was allerdings der Bau-Ausschuss des Gemeinderats noch einmal überprüft haben möchte. Die Hersteller-Garantie endet übrigens erst 2021.
Ach, ja: Über das größte Lob für alle Beteiligten haben wir ja bereits berichtet. Mehrfach, wie Gewährsleute ganz unabhängig voneinander versicherten, hätte deren Wochenend-Besuch angesichts des bunten Treibens beim Spaziergang zum Bürgerpark an einem ganz normalen Sonntag gefragt: »Ist bei Euch Stadtfest? Ihr habt uns gar nichts davon gesagt«.