Schon mal eine Flex im Dauereinsatz gehört? Nein. Glück gehabt. Denn die letzten Tage in der Beutterstraße respektive am Burgplatz waren echt der Horror. Seit einiger Zeit wurden im Eilverfahren Steine für den neuen Fußweg aufs richtige Maß gebracht. Vorab wälzten sich riesige Asphaltmaschinen die Straßen entlang, gefolgt von lautstarken Rüttlern. Für Zaumgäste mag’s interessant gewesen sein, für die Anlieger wenig. 


Und die Bauarbeiter, die mächtig unter Termindruck stehen, mach(t)en trotz Hitze routiniert ihren Job. Dabei fragt sich Otto-Normalverbraucher, wie das tagein, tagaus auszuhalten ist. Denn schließlich gibt«s doch sicherlich auch viel Gemotze seitens der Fußgänger, die dort unterwegs sind. Auf Nachfrage, wie es ihnen dabei ginge, reagierten die Jungs gelassen und geben einfach keine Antwort. Wahrscheinlich gab«s im Vorfeld schon Redeverbot seitens des Arbeitgebers. Könnten ja manch blöde Fragen gestellt werden. Zum Beispiel warum solch eine Megamaßnahme just im gleichen Zeitraum passieren muss, wie gefühlte tausend andere Baustellen in der Achalmstadt. Oder warum die Beutterstraße binnen kürzester Zeit zum zweiten Mal aufgerissen und wieder zugemacht werden muss? Und, und, und…


Normale Menschen verstehen es einfach nicht. Kopfschüttelnd geht«s jeden Morgen und jeden Abend im »Labyrinth am Burgplatz« zur Arbeit beziehungsweise wieder zurück. Wer das Glück hatte vor der Umgestaltung direkt in genannter Straße parken zu dürfen, erhielt von der Stadt ein Schreiben mit dem Hinweis auf Ausweichmöglichkeiten während des Asphalteinbaus. Doch das ist momentan der größte Witz an der Geschichte. Denn rundherum sind so viele Straßen ebenfalls gesperrt, dass es einfach keine freien Parkplätze gibt! Eine absolute Frechheit, schließlich wird der Dauerparker jeden Monat seitens der Stadt ordentlich zur Kasse gebeten. Genau das reklamieren auch die Mandanten der Anwaltskanzlei Rogge. Unisono äußern sie sich sinngemäß so: »Freiwillig und ohne Not würden wir uns nicht in dieses Chaos begeben.«

Und auch bei anderen Anliegern kommt die ganze Geschichte ziemlich schlecht an – ist doch die riesige Baustelle mit neuer Bus- und Radspur und künftig noch weniger Parkmöglichkeiten nicht ganz unumstritten. Das einzige Großkino in Reutlingen wird viel weniger frequentiert, als üblicherweise. Auch die geplanten Bäume direkt vor der Haustür des Kinos dürften dessen Besitzer nicht gefallen, stellt deren herabfallendes Laub gerade in Herbst und Winter eine Gefahrenquelle für die Besucher dar. In unmittelbarer Nachbarschaft geht die Situation auch anderen Geschäftsleuten mächtig auf den Geist. Nick vom »Himmelbrett« sagte, es gehe sehr schlecht. Die Laufkundschaft breche weg, und dass nun schon zum zweiten Mal in Folge. Erst letztes Jahr hatte der Outdoorladen an der Ecke zur Wilhelmstraße eine Megabaustelle direkt vor der Haustür. Der Meinung schließt sich auch Konstantin Orfanidis von »Purehair« voll und ganz an. Auch ihm breche die Laufkundschaft weg, die Wände wackeln, die Türen sind geschlossen und das im Hochsommer. Unzumutbar. So ist es beziehungsweise war es auch in unseren Verlagsräumen in der Beutterstraße Hausnummer 10 – Fenster zu und durch! Wohl dem, der Urlaub hat! 


Der Unmut wächst: Böse Stimmen behaupten sogar, man müsse die Stadt auf Schadensersatz wegen Umsatzeinbußen – ähnlich wie in den USA – verklagen. Nun, das Ende der Baumaßnahme ist ja absehbar. Aber künftig sollten die Stadtplaner mal vorab darüber nachdenken, was alles machbar ist und was nicht. Weniger ist manchmal mehr!