Sie sind die schwächsten Teilnehmer im Straßenverkehr. Wenn ein Kind verletzt wird, dann ist der Schrecken groß, der Aufschrei laut. Wenn dann durch besondere Verhältnisse Unfälle begünstigt wurden, treibt Aktionismus die Verantwortlichen an, bis zur Bewusstlosigkeit die Öffentlichkeit zu beruhigen. Danach geschieht wieder nichts. Die Stereotypen gleichen sich. Stalking wurde nur durch massiven öffentlichen Druck ins Strafgesetz aufgenommen – weil eben ziemlich viel vorgefallen ist. Die Zeilen »Muss denn immer erst etwas passieren« sind zum geflügelten Wort der Desillusionierten geworden. Aber es gibt ja auch die Menschenfreunde. Die Hoffnungsvollen. Die mit dem Finger auf Wunden zeigen und mit viel Engagement immer wieder auf Missstände hinweisen – und Vorschläge unterbreiten. Es gibt vieler solcher Wunde, eine große klafft im Storlachgebiet. In der gleichnamigen Bürgerinitiative finden sich solche Typen, die keine Ruhe geben. Die nicht motzen, sondern konstruktive Vorschläge machen. 
Zur Sache: Die Kreuzung Rommelsbacher Straße, Carl-Diem-Straße, Sonnenstraße halten Anwohner für höchst gefährlich. Hier führt ein Radweg vom Albert-Einstein-Gymnasium über die Bundesstraße (kurz vor dem Tunnel), danach über die Sonnenstraße und endet dann auf dem Gehweg der Carl-Diem-Straße. Viele Schüler und auch Lehrer nutzen die Trasse, um nach Hause oder in die Schule zu kommen. Sind sie in Richtung Heimat unterwegs, nutzen sie den Gehweg auf der linken Seite, an dem Bewohner ihre Ausfahrten haben. Gegenüber liegt das Grötz-Areal, von dem viele Baustellenfahrzeuge aus- und einfahren. Nach der kompletten Bebauung (Fertigstellung Ende 2020) soll die Frequenz hier auf 350 An- und Abfahrten pro Tag ansteigen. Schöne Aussichten für die Kinder. Zudem führt nach dem neuen Buskonzept die Linie 23 durch, mit einer Haltestelle auf der Seite des Weges, den die Schüler als Radweg nutzen. Schöne Aussichten. 
Aber noch ist nichts passiert. Zumindest nicht hier an diesem Ort, versichern Uwe Norbert Steiner und Ernst Blinzinger. Beide sind Männer der ersten Stunde der Bürgerinitiative. Genau wegen dieser unbefriedigenden teils gefährlichen Situation im Storlachgebiet für Rad und Autofahrer haben sie sich vor rund zweieinhalb Jahren zusammengetan, Unterschriften gesammelt und Bürgermeister Alexander Kreher vorgelegt. Bei unserem Termin zeigt sich das Dilemma in kürzester Zeit: Ein Auto nach dem Anderen passiert die Kreuzung, Lkw und Busse wechseln sich ab. Schon viele Jahre vor der Bürgerinitiative wurde eine Insel als Verkehrsberuhigung gebaut – mit mäßigem Erfolg. Die Stadtverwaltung kennt das Problem und war schon mehrfach vor Ort. Steiner und Blinzinger betonen die gute Zusammenarbeit miteinander. Allerdings die Mühlen mahlen langsam.  Gleichwohl zeigt die Hartnäckigkeit der BI sichtbare Erfolge. In der Storlachstraße sogar in bunt mit dem neuen Radweg. 
Seit etwa einer Woche radeln die Radler hier in gesicherterem Terrain. Sichtbares Zeichen von bürgerschaftlichem Engagement. Dazu kommen Anregungen, die noch nicht umgesetzt, aber angestoßen wurden: versetztes Parken um den Verkehr zu beruhigen. Ein Zebrastreifen soll zusätzlich an die Kreuzung Storlach Carl-Diem versetzt werden. In der Schweidnitzer Straße sowie der Johannes Eisenlohr-Straße sind bauliche Maßnahmen angedacht, die die Straßenbreite so verengen, dass nur langsames Fahren möglich ist. Und nun also die Kreuzung an der Rommelsbacher Straße. Die Engagierten heben aber nicht nur den Zeigefinger, sondern machen schon Vorschläge, wie es gehen kann. Um die Radfahrer sicherer durch dieses gefährliche Nadelöhr zu bringen, schlagen sie vor, den Radweg auf der einen oder anderen Seite farblich hervorzuheben. Drei Varianten hatte die BI vorgeschlagen. Diese Dritte hat auch Philipp Riethmüller am besten gefallen. Aufgefallen ist dem frischgebackenen Projektleiter der städtischen »Task-Force-Radweg« dieses Engagement ebenfalls,  vor allem,  dass sie eben eigene Vorschläge machen und man mit ihnen sehr gut arbeiten kann, sagt Riethmüller, der vor seiner ersten Bewährungsprobe steht und entsprechend motiviert ist. Gute Aussichten also für ein gutes Ende. 
Für die Jungs und Mädels und Lehrer und Erwachsenen  mit ihrem Rad an dem viel befahrenen Eck, das ja nur einen kleinen Teil im großen Reutlinger Radwegenetz ausmacht. 
Gleichwohl, wer das kleinlich nennt, der verkennt die Realität und stimmt wohl als Erster in den Satz ein: »Muss denn immer erst etwas passieren?« Das will die BI verhindern.  
Da meldet sich der gute alte Goethe zu Wort und gibt uns noch was mit auf den Weg.  »Willst du dich am Ganzen erquicken, so musst du das Ganze im Kleinen erblicken«.