Unsäglich. Erschreckend und menschenverachtend: Eine Mitorganisatorin des »Respekt«-Fußballturniers wurde in einem Facebook-Eintrag heftig beleidigt. Zuvor hatte der feige anonyme Schreiber in seinem Post drei Straftaten angeführt, die von Geflüchteten begangen wurden. Die Schlussfolgerung des Schreiberlings war: Flüchtlinge seien verantwortlich für »tägliche Vergewaltigungen, Messerattacken und Massenschlägereien«. Die Mitorganisatorin des Turniers hatte der Anonyme als »Müll« bezeichnete, weil sie ja dazu beitrage, »System Huren IGM Agenda«zu verbreiten. »Das ist alles nur gesteuerte Rotze«, gleiches gelte im Übrigen auch für den Klimawandel, so der Schreiber weiter. Alles nur erfunden, alles »gesteuert« – von wem auch immer.  Bei den auf Facebook angeführten Straftaten gibt es nichts zu beschönigen, Dusan Vesenjak sagt dazu: »Ich bin der Meinung, dass Straftäter egal welcher Nationalität und Herkunft mit aller Härte des Gesetzes verfolgt und bestraft werden müssen.« 


Als Hauptorganisator des Fußballturniers betont Vesenjak aber auch: »Dieser Facebook-Schreiber ist offensichtlich voller Hass.« Voller Hass auf Geflüchtete – die an diesem Turnier auch teilnehmen. Aber unter den vielen Mannschaften eine ganz kleine Minderheit darstellen. Veranstaltet wird das Fußballturnier von der SG Reutlingen, IG Metall und dem Integrationsrat der Stadt. Vesenjak hat innerhalb der wenigen zurückliegenden Jahre, seitdem er das »Respekt«-Turnier organisiert, eine Veränderung der Stimmung registriert: Und zwar von der Willkommenskultur hin zu einigen kritischen Nachfragen. Ob denn so ein Turnier sein müsse.  »Der gesellschaftliche Wind hat sich gedreht«, so seine Schlussfolgerung. Mit verantwortlich für den Stimmungswandel ist mit Sicherheit die extreme Zunahme von Hass und Diffamierung in den sogenannten »sozialen Medien« – und das zumeist unter dem Deckmantel der Anonymität. Zahlreiche Beispiele dafür lassen sich anführen, der Gipfel und der Beweis dafür, was solche Hassbotschaften anrichten können, war die Ermordun des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke – der hatte wohl für Andersdenkende eine zu flüchtlingsfreundliche Politik betrieben. Bei dem »Respekt«-Turnier in Reutlingen geht es laut Vesenjak einzig und allein darum: »Die Respekt-Fahne hochzuhalten und ein Fest der Demokratie, der Offenheit und der Menschenrechte zu feiern.« Am kommenden Samstag werde Begegnung ermöglicht – und wahrgenommen. 


Während auch in der Politik der rechte Flügel stärker wird, trauen sich offensichtlich immer mehr Hassprediger aus ihrem Hinterzimmer hervor und nutzen das Internet, um ihre verqueren, fremdenfeindlichen Meinungen und Vorstellungen jenen Personen entgegenzuschleudern, die sich für eine menschenfreundliche Gesellschaft einsetzen. »Es ist ein zunehmender Kulturkampf zwischen den Anhängern einer offenen Gesellschaft und einer protektionistischen Haltung – das gilt aber nicht nur für Reutlingen oder Deutschland, sondern das passiert weltweit«, sagt Dusan Vesenjak mit Blick auf Politiker wie Donald Trump, Viktor Orban oder auch Matteo Salvini. 
Was bleibt nun für Menschen zu tun, die sich nicht hinter Mauern verstecken wollen, die für eine freie, offene und vor allem menschenfreundliche Gesellschaft sind? Die sich nicht mit Hass und Einigeln abfinden wollen? Flagge zeigen. 
Laut und deutlich den Bürgerinnen und Bürgern mit rechten, isolationistischen und fremdenfeindlichen Gedanken aufzeigen, dass diese Meinungen in einer Demokratie keinen Platz haben. Denn eines dürfte auch klar sein: Die Verbreitung von solchen Hassmails, wie sie an die Mitorganisatorin des Turniers gerichtet wurde, trägt mit zu einer Radikalisierung von einigen Typen bei. Und am Ende steht womöglich die Ermordung von weiteren Personen wie Walter Lübcke. Dem dürfen wir anderen nicht tatenlos zuschauen. Wir müssen laut und eindeutig »Nein« dazu sagen. Und zwar öffentlich. Denn auf dem Sofa hört das niemand. Es geht mittlerweile darum, die Demokratie zu verteidigen. Denn selbst die fremdenfeindlichen Teile der Bevölkerung dürften sich wohl kaum wünschen, dass uns dieser demokratische Staat abhandenkommen könnte. Ein Blick ins Geschichtsbuch müsste jeder und jedem die Augen öffnen, was uns ansonsten blühen könnte.