Als am Ende Pressekonferenz die Hebamme Antje Buck Landrat Thomas Reumann umarmte, stand fest: Hier ziehen trotz aller Widrigkeiten alle an einem Strang. Und Dr. Eberhard Rapp von der Bürgerinitiative für den Erhalt des Krankenhauses in Münsingen angemahnt, »bitte noch mehr Einsatz zu zeigen«. Zuvor hatten alle Teilnehmer ihren Willen bekundet, alles dafür zu tun, dass die Geburtshilfe der Albklinik in Münsingen Anfang April 2019 wieder eröffnet werden kann. Doch die Sache hat einen Haken: Zwar arbeiten Reutlingen und Münsingen in enger Kooperation. Doch das Betriebskonzept sieht vor, dass bis zum Jahresende für die Geburtshilfe in der Albklinik bis zum Jahresende noch mindestens drei zusätzlich Ärzte gefunden werden müssen. Und deren Beschäftigung ist keine Frage von Geld; finanzielle Kalamitäten im Gesundheitswesen hin oder her.

Doch mit Fachärzten sieht es derzeit mau aus: »Das Glas ist nur zu einem Viertel voll«, musste Thomas Reutlingen über die Anwerbung von Ärzten berichten. Und auch Kreiskliniken-Geschäftsführer Norbert Finke hatte keine guten Nachrichten. Er berichtete von aufwendigen »Personalgewinnungs-Aktivitäten«; kurz: »Headhunter« sind ausgeschwärmt, um bundesweit nach Ärzten zu suchen. Da gab es bereits über 100 Gespräche, jedoch seien bis Mitte November keine Bewerbungen von Fachärzten für Gynäkologie eingegangen. Zudem hat im Klinikverbund Reutlingen/Münsingen einen Facharzt in dieser Disziplin verloren, er wurde andernorts Oberarzt. immerhin konnte man eine angehende Fachärztin einstellen können. Finke fasste zusammen, dass man insgesamt fünf neue Fachärzte brauche, um Münsingen aufrechterhalten zu können. Mindestens drei müssen bis Jahresende ihre Verträge unterschrieben haben. Um es in der Skat-Sprache zu sagen, weiß Reumann jedenfalls von immerhin zwei Ärzten im »Dapp«, mit denen man Gespräche geführt habe. Eine definitive Zusage gebe es aber noch nicht.
Ende Juli beschloss der der Kreistag, einen Personalberater auf die Suche zu schicken. Doch weder Gespräche, Anzeigen im »Ärzteblatt« oder in bundesweit erscheinenden Tageszeitungen, soziale Medien und mehr hatten Erfolg. Was Reutlingens Klinikchef Finke schon wundert. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Ärzte sei eigentlich doch angespannt. 

Die Zeit drängt: Man kann sich gut in die Münsinger Hebammen versetzen, die derzeit noch ihren Dienst in Reutlingen versehen. Was wird aus ihrer beruflichen Zukunft? Zwölf der Münsinger Hebammen sind nach der Schließung der Geburtshilfe nach Reutlingen gegangen. Und sie sollen nun auch flexible Kündigungsfristen bekommen, so Finke. Aber die Frauen wollen auf jeden Fall bis Mitte Dezember wissen, ob sie ab dem 1. April 2019 wieder in der Albklinik arbeiten können. Zurecht. Ihr Herz schlägt zwar für Münsingen. Aber bei den so unklaren, personellen Voraussetzungen in Sachen Fachärzte müssten sie halt zeitnah bei den Kliniken kündigen können. Und es ist kein Geheimnis: Hebammen werden weiterhin händeringend gesucht, sie hätten sogar eine große, wohnortnahe Auswahl. Doch wie kann es sein, dass junge Ärzte ganz offensichtlich nicht aufs Land wollen? Nun gut: Nach Münsingen sind es von Reutlingen rund 33 Kilometer - und sehr viel Freude hat man auf diesem Weg im Winter nicht. Allerdings hat die Geburtshilfe in Münsingen einen hervorragenden Ruf. Der Fachärztemangel indes sei ein bundesweites Problem, nicht nur eines der Gynäkologie, weiß Münsingens Bürgermeister Mike Münzing.

Die Fristen sind nun klar vorgegeben. Reumann und Finke wollen bis zum Jahresende drei unterschriebene Arbeitsverträge mit in Frage kommenden Fachärzten haben. Danach würde man sich um weitere zwei Ärzte bemühen. Das Ziel seien insgesamt fünf zusätzliche Fachärzte im Personalpool. Und der Landrat versprach: »Wir nutzen weiter alle Chancen«!