So. Jetzt hat uns die böse, böse Deutsche Umwelthilfe (DUH) schon wieder eine vor den Latz geknallt: Vor dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim klagte die DUH - und hat jetzt schon wieder recht bekommen. Was für eine Frechheit … aber egal: Das Gericht hat entschieden. Und dann müssen wir als Bürgerinnen und Bürger davon ausgehen, dass die Klage berechtigt war - und die ergriffenen Maßnahmen in Reutlingen tatsächlich nicht ausreichen, um den Stickstoffdioxid-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresdurchschnitt endlich zu unterschreiten. Dabei geht es um nichts weniger als um unser aller Gesundheit. Nun kann man natürlich allen möglichen Menschen Glauben schenken. Lungenärzten etwa, die behaupten, es sei noch kein Mensch an mehr als 40 Mikrogramm NO2 gestorben. Geschenkt. Wahrscheinlich fahren all die Ärzte einen dicken Diesel-SUV. Aber okay - wir wollen hier nicht polemisch werden. Das übernehmen schon andere für uns. Andreas Scheuer etwa. Seines Zeichens unser aller Bundesverkehrsminister und gleichzeitig oberster Lobbyist der Autoindustrie. Ja, genau der. Der behauptet hat, dass ein Tempolimit »gegen den gesunden Menschenverstand« sei. Dass alle (a-l-l-e) Industrienationen der heutigen Welt Tempolimits haben, ist also gegen den »Menschenverstand«. Zumindest gegen den von Scheuer. 

Doch zurück nach Reutlingen: Dort ist Rasen ja mittlerweile sowieso keine Option mehr, angesichts von Tempo 40 in der Lederstraße, Tempo 30 in allen Wohngebieten - und ständigen Staus in den Morgen- und Abendstunden. Die Stadt tut also ihr Möglichstes, um tatsächlich den Individualverkehr zu reduzieren. Mit der Optimierung des Öffentlichen Personennahverkehrs etwa und dem Wahnsinns-Slogan »alles wird busser«. Gleichzeitig sollen ja die Bedingungen für den Radverkehr verbussert, Entschuldigung, verbessert werden. Und Elektromobilität will die Stadt nach vorne bringen. Dazu noch die supertolle Idee mit den Filtersäulen in der Lederstraße - 28 Stück für schnäppchenhafte zwei Millionen Euro. Mit extrem fraglicher Wirkung. Das erinnert doch ziemlich stark an die Fetthenne-Wände vor der alten Feuerwehrwache. Die ja - wie war das nochmal? - gar nichts gebracht haben? Was für ein Glück, dass sich der Gemeinderat nicht von diesen Filtersäulen überzeugen ließ. Über spezielle Anstriche für Häuser oder Bedachungen von Messanlagen wird trotzdem weiter diskutiert. Als ob dadurch die Luft auch nur ein einziges Mikrogramm besser würde. 

Nun hat das Gericht in Mannheim ja gesagt, die bisherigen und die geplanten Maßnahmen zur weiteren Reduzierung von Stickstoffdioxid in Reutlingen reichen nicht aus. Es muss mehr getan werden. Und zwar viel mehr. Um ein Dieselfahrverbot komme Reutlingen wohl kaum mehr herum, wird gemutmaßt. Bei der Ursachensuche ebben die Diskussionen nicht ab, bei denen mal die DUH, mal das Gericht, dann wieder das Land, die Kommunen oder auch die Dieselfahrer schuld sein sollen am Dilemma. Nur eine bleibt seltsamerweise völlig außen vor - die Autoindustrie, die doch mit ihrer Schummel-Technologie erst für das ganze Theater gesorgt hat. Dass die Autobauer nicht in die Verantwortung genommen werden, liegt auch an Leuten wie Andreas Scheuer. Und Angela Merkel. Und Winfried Kretschmann. Wieso fordert die Politik nicht von der Autoindustrie konsequent Nachrüst-Maßnahmen ein? Weil an dieser Branche unheimlich viele Arbeitsplätze hängen? Aber warum dürfen Auto-firmen nach wie vor Milliardengewinne einfahren, an-statt die Fahrzeuge ihrer vorsätzlich und mutwillig be-trogenen Kunden endlich nachzurüsten? Und warum geht kein Aufschrei durch die Reihen der Deutschen? Weil sie ihre Autos mehr lieben als ihre Kinder, um deren Zukunft es hier geht? 

Ganz nebenbei: Ein Hoch auf Greta Thunberg, eine 16-jährige Schwedin, die uns allen zeigt, wie es gehen müsste: Aufstehen. Hinstehen. Flagge zeigen. Verantwortung einfordern. An ihr sollten wir uns alle, auch die deutsche Politik, ein Vorbild nehmen. Dem entgegnen dann aber solche Vollblut-Realitätsverweigerer wie FDP-Christian Lindner: Kinder und Jugendliche sollten außerhalb der Schulzeit demonstrieren. Ähem. Ja. So wird’s gehen. Ganz sicher. Damit wird das Weltklima auf jeden Fall gerettet. Und bald ist Ostern. Ich habe schon den Osterhasen um die Ecke huschen sehen.