Seit bald drei Monaten ist Pfullingens Bürgermeister Michael Schrenk im Krankenstand, genauer: Er ist »arbeitsunfähig« geschrieben. Derzeit führt sein Vize, der UWV-Stadtrat Martin Fink, die Geschäfte im Rathaus, engagiert und für 50 Euro am Tag. Das fordert ihn sehr, denn der Mann steht ja mitten im Berufsleben. Was Fink jedoch - er gilt als überaus treuer Weggefährte Schrenks – befremdlich findet: Der 47-jährige Rathauschef habe sich bis heute noch nicht mit ihm in Verbindung gesetzt, kein Gruß, kein Wort.

Spekulationen über den Grund Schrenks Erkrankung schießen in der Stadt zwar ins Kraut, verbieten sich allerdings, denn das ist nun wirklich Privatsache. Doch herrscht in Pfullingen schon länger eine Art Kleinkrieg, der immer größere Kreise zieht: »Schrenk gegen fast den Rest der Welt« könnte man sagen. Denn auch in der Bevölkerung herrscht sehr viel Unmut über den Schultes, der seit 2015 im Amt ist und seitdem auf vielfältige und angriffslustige Weise Ecken und Kanten zeigt - um es vorsichtig auszudrücken.

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Kurz: Der Mann legt sich ohne Rücksicht auf Verluste mit allen an, die nicht nach seiner Pfeife tanzen wollen.  Wobei man redlicherweise sagen muss, dass ein Bürgermeister, der auf eine rigide Sparpolitik setzt und versucht, grundsätzliche, organisatorische und personelle Umbauten in der Stadtverwaltung durchzusetzen, naturgemäß eine Menge Angriffsflächen bietet.  Indes: Schrenks Mantra des »Haurucks« brüskiert viele Leute. 

 

»Vermutlich haben einige Mitarbeiter ja ein Problem damit, dass ich vorhandene Missstände tatsächlich aktiv angehe«, erzählte er der Presse im September. Und damit sagt Schrenk ja eigentlich nichts anderes, als dass er im Rathaus einen Saustall vorgefunden habe, den er nun ausmisten will.


Er sorgt dabei für jede Menge Kopfschütteln - und Wut. Seinen Stil im Umgang mit Untergebenen könnte man in der Rubrik »verhaltensoriginell« verbuchen. Insider werden da deutlicher. Pfullingens Bürgermeister »ist nicht in der Lage, eigene Fehler einzugestehen und läuft stattdessen zum Landrat - und heult sich aus«. Das sagte im Herbst CDU-Stadtrat Gert Klaiber. Damals bereits hatten sich die Klagen über den Ex-Schultes von Herbertingen zu einem Gebirge angehäuft. »Mit der Planierraupe« ziehe der Verwaltungschef durchs Rathaus, so Klaiber in einer öffentlichen Stellungnahme.


Viele seiner Mitarbeiter fühlen sich ungerecht behandelt. Und mit dem rund 4000 Mitglieder zählenden VfL, hatte sich Schrenk auch angelegt. Über ein Jahr lang besuchte er keine Veranstaltungen des Sportvereins. Im Kern ging es um die neue Vereinsförderung. Dieser Zwist ist mittlerweile beigelegt.  Doch mit dem Gemeinderat liegt Schrenk weiterhin im Clinch: Einen kritischen Brief der Gemeinderats-Fraktionen hatte Schrenk als Dienstaufsichtsbeschwerde empfunden - und zog damit zu Landrat Thomas Reumann. »Ausgeheult«, um Klaiber zu zitieren, hat er sich auch über seinen Vorgänger Rudolf Heß.

In dessen Zeit hätten sich einzelne Rathausmitarbeiter zu Unrecht Vorteile verschafft. Das ist ebenso harter Tobak wie Schrenks Attacke, Heß habe für einen sehr hohen Schuldenberg gesorgt. Mehr noch: Die Abschiedszeremonie für Heß - nach 32 Jahren Amtszeit - habe unverhältnismäßig viel Geld gekostet. Rudolf Heß wollte sich im Ruhestand eigentlich nicht mehr in die Kommunalpolitik einmischen. Doch Schrenks Attacken fuchsten ihn schon. Seinem Nachfolger beschied er in geradezu nobler Zurückhaltung »teilweise ungeschicktes und wenig professionelles Verhalten«.


Heß, der das Debakel früh kommen sah, suchte nach eigenem Bekunden immer wieder das Gespräch mit Schrenk. Darauf sei der aber nie eingegangen. Vermittelnde Gespräche mit dem Gemeinderat soll es nun geben - eine »Mediation« unter Federführung des ehemaligen Tübinger Regierungspräsidenten Dr. Jörg Schmidt. Das macht Sinn, denn die Amtszeit Schrenks endet erst in vier Jahren.