Wie kommt das Reutlinger WOCHENBLATT nach Kathmandu im fernen Nepal? Die Antwort ist relativ einfach: Über eine Freundin von Annegret und Rainer Claußnitzer, über deren letzte Reise wir im Februar berichtet hatten. In den zurückliegenden zehn Jahren hat das Ehepaar 15mal jeweils vier bis sechs Wochen den Himalaya-Staat besucht, um in entlegenen Ge-birgstälern den Menschen in den Dörfern ein Minimum an gesundheitlicher Versorgung zukommen zu lassen. Oder sie waren dort, um »Healthposts« aufzubauen, eine Art Mini-Krankenhäuser, die für die Bewohner der Umgebung erste Anlaufstation bei gesundheitlichen Problemen, Verletzungen und Krankheiten darstellt. »Unser oberstes Ziel ist aber, die Menschen unabhängig von unserer Hilfe zu machen«, sind sich die Claußnitzers einig.

Doch zurück zum Reutlinger WOCHENBLATT in Kathmandu: Nachdem die Reutlingerin Monika Scheiblauer als Hotel-Managerin des Fünf-Sterne-Hotels »Yak & Yeti« den Artikel über die Claußnitzers gelesen hatte, wollte sie das Ehepaar bei einem nächsten Aufenthalt in Nepal unbedingt kennenlernen. Am 2. November wollten die Claußnitzers tatsächlich zusammen mit vier weiteren Frauen fliegen – doch dann traf den ehemaligen Chefarzt der Gefäßchirurgie an der Reutlinger Kreisklinik ein »multiresistenter Keim«. 48 Stunden vor dem geplanten Abflug musste er als Notfall selbst ins Krankenhaus. Die Unsicherheit bei Annegret Claußnitzer war riesig. Was sollte sie tun? Die Reise absagen, die ihr Mann seit einem Jahr von A bis Z ge-plant hatte? Und die vier Frauen (darunter eine Ärztin, eine Intensivschwester, eine Physiotherapeutin), die mitreisen wollten, hatten extra ihren Urlaub für diese Zeit geplant. Rainer Claußnitzer riet seiner Frau zu der Reise – obwohl sein Leben auf der Kippe stand.

»Er ist gerade noch mal davongekommen – im Nachhinein betrach-tet, war es richtig, zu fliegen«, sagt Annegret Claußnit-zer. Ihrem Mann geht es jetzt wieder deutlich besser, aber es hätte auch anders ausgehen können. Wohl war seiner Frau bei dem Ganzen nicht. »Immerhin – in Nepal hatten wir überall und immer besten Funkkon-takt, ich konnte jederzeit in Reutlingen anrufen.« Der Grund dafür sei die Nähe zu dem von China besetzten Tibet – »Tausende von Satelliten sorgen dort für beste Überwachung«. Und eben auch für besten Handy-Empfang. Geplant hatte die »Mädels-Power«, so Annegret Claußnitzer, zusammen mit einer nepalesischen Hebamme und einer Kinderkrankenschwester mit zwei Jeeps in ein Tal nordöstlich von Kathmandu zu fahren, in dem bei dem Erdbeben 2015 mehr als 500 Menschen ums Leben kamen. Die »Straße« dorthin bestand aus Geröll, Steinen, steilen Abhängen, »in den Tälern darunter liegen einige Busse«. Doch für die Gruppe ist alles gut gegangen. Den gewünschten »Healthpost« konnte und wollte Annegret Claußnitzer den Menschen in dem Dorf aber nicht mit den Spendengeldern des Vereins »Nepali Rotznäschen« aufbauen – »die nächsten beiden Posten dort sind 30 Mi-nuten zu Fuß entfernt, wir müssen aufpassen, dass es dort nicht zu einer Überversorgung kommt«, sind sich die Claußnitzers einig. »Unsere Aufgabe ist, sorgsam mit den Spendengeldern umzugehen«. Einfach sei es aber nicht, den Menschen vor Ort das zu erklären.

Das zweite Ziel der November-Reise konnte das Team nicht anpeilen, »weil die Genehmigung des maoistisch-kommunistischen Staates nicht vorlag«, sagte Annegret Claußnitzer. Dafür landeten die Frau-en in einem Kloster, wo sie in einer nahen Schule Kinder und Erwachsene in Gesundheitsgrundversorgung und in Erster Hilfe unterrichteten. »Der Rektor will, dass wir unbedingt wiederkommen.« Am 28. November, kurz vor der Rückkehr nach Deutschland, traf das Team dann auf Monika Scheiblauer in ihrem Fünf-Sterne-Hotel »Yak & Yeti«. »Der Empfang war unglaublich herzlich, sie nahm sich einen ganzen Abend Zeit für uns, obwohl wenige Tage später der Asia Pacific Congress in ihrem Haus anstand«, zeigt sich Annegret Claußnitzer begeistert. »Im vergangenen Jahr hat sie in ihrem Hotel eine Weihnachtsbaumaktion für arme Kinder in Kathmandu organisiert«, sagt Annegret Claußnitzer. »Die Aktion war ein voller Erfolg.« Die reichen Gäste hätten gerne gespendet. Der Kontakt zu Scheiblauer hält an, auch Rainer Claußnitzer tauscht sich nun eifrig mit der ehemaligen Reutlingerin aus. Und natürlich kann auch wieder für die Aktionen der Claußnitzers und des Vereins »Nepali Rotznäschen« gespendet werden. Die Konto-Nummer findet sich auf der Homepage des Vereins.