Ja. Klar. Pflege ist kein Thema, mit dem man sich gerne beschäftigt. Weil es nun mal alles andere als sexy ist, sich mit der eigenen Gebrechlichkeit, dem eigenen Altern zu beschäftigen. Oder mit dem von Eltern, Angehörigen, Verwandten. Das will eigentlich alles niemand wissen. Aber: Die deutsche Gesellschaft wird immer älter. Also auch wir. Das ist so. Und da kommt niemand drum herum. Einzig die Hoffnung, dass man stirbt, bevor man pflegebedürftig wird – doch die Zahlen sprechen gegen uns. Den wenigsten Menschen in diesem Land wird es so ergehen. Und wollen wir das tatsächlich? Aber unsere Gesellschaft geht sehenden Auges in die Katastrophe des immer weiter ausufernden Pflegenotstandes hinein. Ist das nicht mit dem Klimawandel ganz genauso? Aber: Hier geht es um die Kurzzeitpflege. Also um Entlastungsmöglichkeiten, wenn Mutter, Vater, Frau, Mann noch zuhause leben, pflegebedürftig sind – der oder die Pflegende auch mal durchschnaufen können muss.

 Denn eines ist klar: Pflege ist aufwendig. Und anstrengend. Und wenn ein alter Mensch ins Krankenhaus muss und dort viel zu früh wieder rausgeworfen wird? Weil die Kliniken ja nur Pauschalen für die einzelnen Krankheiten erhalten? Ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Zustand der Menschen. Die Kliniken sind also quasi dazu gezwungen, Patienten so schnell wie möglich wieder zu entlassen. Und für Altenpflege sind die Krankenhäuser eh nicht ausgestattet. Weil ja eh zu wenige Pflegefachkräfte dort zu finden sind. Aber das ist noch mal ein anderes Problem. Eine Möglichkeit, um nach dem Klinikaufenthalt doch wieder nach Hause zu können, ist die Kurzzeitpflege. Oder besser gesagt: wäre die Kurzzeitpflege. Denn: Solche Plätze gibt es viel zu wenige. Weil sie sich nicht rentieren. Weil auch die Stadt Reutlingen kräftig drauflegt. »Wir haben im Haus am Georgenberg 17 Kurzzeitpflegeplätze«, berichtete Sozialamtsleiter Joachim Haas vor Kurzem im Gemeinderats-Ausschuss für Verwaltung, Kultur und Soziales. Der Verwaltungsaufwand für die Kurzzeitpflege sei hoch, die Auslastung aber natürlich nicht so gegeben, wie bei »normalen« Pflegeplätzen, denn: In der Kurzzeitpflege wechseln die Menschen häufiger, 17 Mal pro Jahr, berichtete Bürgermeister Robert Hahn. 

Also ist der Verwaltungs- und Planungsaufwand vor allem für die Abteilung für Ältere und auch für die RAH deutlich höher als für andere Pflegeplätze. Das Problem daran: »Dieser Mehraufwand wird weder von den Krankenkassen noch von den Pflegekassen be-zahlt«, betonte Haas. Und weil das so ist, werden auch so gut wie keine Kurzzeitpflege-Einrichtungen vorgehalten. »Obwohl der Bedarf riesig ist und weiter steigen wird.« Wenn dann (zu früh) aus dem Krankenhaus entlassene Patienten einen der wenigen in den Pflegeheimen vorgehaltenen Kurzzeitpflegeplätze erhalten, wird laut Hahn von den Pflegekassen ein Pauschalbetrag finanziert. Nicht aber der zusätzliche Aufwand der sogenannten Behandlungspflege. Das große Problem daran ist: Der Mehraufwand der Behandlungspflege muss von den Krankenkassen finanziert werden, die »normale« Altenpflege aber von den Pflegekassen. Und eine Vernetzung von beiden gebe es nicht. 

Das ist nicht nur eine Schweinerei, »das ist ein Bundesthema, da muss die Politik ran und das ändern«, betonte Joachim Haas. Unser Gesundheitsminister Jens Spahn geht da bislang auch nicht ran. Obwohl die Politik ganz genau um die Situation weiß. Das allergrößte Problem ist aber, wie bereits erwähnt: Pflege interessiert die wenigsten Menschen. Beziehungsweise nur die, die davon betroffen sind. Das werden zwar immer mehr, aber wenn man als zu Pflegender oder als pflegende Angehörige davon betroffen ist, dann hat man keine Zeit mehr, um sich über die Missstände aufzuregen und dagegen anzukämpfen. Dann hat man ganz andere Probleme. Wenn nun das neue Pflegeheim im Vollen Brunnen gebaut werden soll, »dann sind dort nochmal so viele Kurzzeitpflegeplätze geplant wie im Haus Georgenberg«, sagte Robert Hahn. Und das dann aller Voraussicht fehlende Geld durch die nicht-kostendeckende Refinanzierung? Der Verwaltungs- und Sozialbürgermeister hofft, dass sich bis in zwei bis drei Jahren die Situation geändert, gebessert hat. Jaja. Die Hoffnung. Die stirbt ja bekanntlich zuletzt.