Pfui Deifel – hat der Typ im grünen Trenchcoat gerade gehustet? Schnell weg von dem fiesen Seuchenvogel. Oh nein, direkt vor uns auf zwölf Uhr ein… Asiate. Rasch rüber auf die andere Straßenseite huschen – ist bestimmt so ein »Corona-Chinese« aus Wuhan oder wie das heißt. 
War diese Situationen jetzt fiktiv oder nicht? Nein, ganz im Ernst – es ist schon ganz schön erschreckend, was dieses neuartige Virus nicht nur bei den damit Infizierten auslöst. Das Covid-19 ist fraglos absolut nicht harmlos und ja, es kann einem etwas bange werden. Die Sorge ist durchaus berechtigt, denn bislang haben sich laut der Weltgesundheitsorganisation WHO  weltweit mindestens 90 892 Menschen angesteckt und  über  3 100 Menschen sind bereits daran gestorben. Aber was die Angst, oder besser gesagt die Panik vor dem Virus hier in unserer Gesellschaft auslöst, ist auch nicht ohne. Durch ein Interview des »Spiegel« mit einem der Infizierten, der sich momentan im Tübinger Krankenhaus in Quarantäne befindet, wurde das offenbar. Die Auswirkungen der Krankheit macht ihm momentan wenig zu schaffen, denn er zeigt nach eigener Aussage keinerlei Symptome. Viel schlimmer belasten ihn die Vorwürfe und hässlichen Kommentare, die seiner ebenfalls infizierten Tochter im Netz, wohlgemerkt von ihren »Freunden«, entgegen schwappen. Da wird tatsächlich eine junge Frau dafür verantwortlich gemacht und angeprangert, dass sie den Virus hier ins gelobte Land gebracht habe, weil sie in Italien eine Freundin besucht hat. Eine Frage: Sind wir eigentlich alle noch ganz bache? Sind wir in eine Sündenbock-Kultur verfallen, die jeglicher Vernunft und den christlichen Werten des Abendländle trotzt? Die Antwort auf diese Frage scheint aufgrund der Reaktionen auf der Hand zu liegen. Jetzt stelle man sich nur das Szenario vor, das Corona-Virus wäre zuallererst bei einem Flüchtling festgestellt worden. Okay, eigentlich will man sich das gar nicht ausmalen. Die Reaktionen darauf wären auf jeden Fall noch ekelerregender gewesen als jedes erdenkliche Virus.
      In den Medien allgegenwärtig und nun auch bei uns – das Corona ist bis vor unsere Haustüren vorgedrungen. Bisher sind 26 Fälle (Stand bei Redaktionsschluss) in BW bekannt.
 Auch in den Supermärkten ist das Ausmaß der Seuche spürbar. Am Wochenende sollen sogar Horden von Nagetieren dort eingefallen sein, um die Regale mit haltbaren Lebensmitteln zu plündern.
 Nachdem die Hamster wieder abgezogen sind herrschte besonders in den Mehl- und Ölregalen gähnende Leere. Bei den Verkaufsflächen für Konservendosen (waren diese Woche im Angebot) haben die schwäbischen Hamsterkäufer ebenfalls Spuren hinterlassen, oder genau genommen haben sie keine hinterlassen, denn die Dosen waren ja hinterher weg.
Auch Gernot Gäckele (Name und Person von der Redaktion frei erfunden) zeigt sich erbost aufgrund der leeren Regale im Supermarkt. Den selbstgebackenen Kuchen für Tante Trudes Siebzigsten kann er jetzt getrost vergessen – kein Mehl mehr da. Sei»s drum, eigentlich will er da auch gar nicht hingehen, Menschenansammlungen jeglicher Art möchte er vermeiden, so auch die Geburtstagsparty seiner Tante »wegen dem Corona-Virus«, erzählt er uns – »wer weiß schon, wer da so alles rumkreucht, fleucht und seucht.« Lieber zuhause bleiben, die Türrahmenritzen mit Panzertape und Silikon ausstaffieren und inmitten eines Berges von Fünf-Liter-Sagrotan-Fässchen und Mundschutz-Masken, die den tatsächlich Infizierten nun nicht mehr zu Verfügung stehen und bei einem Tellerchen aus einer der unzähligen Konservendosen-Suppen ausharren um die Seuche, die draußen wütet, zu überstehen. So zumindest der Plan im Geiste eines Gernot Gäckele. 
Es gibt aber auch sinnvolle Sicherheitsvorkehrungen: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt auf jeden Fall Händewaschen, Niesen und Husten am besten in die Armbeuge, Papiertaschentücher nur einmal benutzen, danach im Mülleimer entsorgen. Außerdem wird geraten, Menschenmassen so gut es geht zu meiden, auf Küsschen und Umarmungen zu verzichten. Und anstatt des hier üblichen Händeschüttelns kann man sich ja auf andere Art und Weise grüßen wie mit einem Winken oder Lächeln zum Beispiel. Oder wir begegnen uns wie die Japaner mit einer Verbeugung. 
Diese ist nicht nur als Begrüßung gedacht, sondern soll dem Gegenüber zugleich Respekt ausdrücken – und das ist genau das, was wir im Moment hier brauchen. Die Rückkehr zur Vernunft und der Würde und den Respekt seinen Mitmenschen gegenüber. Gerade bei denen, die erkrankt sind. Das sind keine wandelnden Bazillen, das sind Menschen. Und: Quarantäne ist bestimmt keine schöne Sache, aber die gefühlte Ausgrenzung ist viel schlimmer.