Gauner, Betrüger und gut organisierte Berufskriminelle machen zehntausenden Menschen regelmäßig die schönste Zeit des Jahres kaputt, ihren Urlaub. Die Banden bieten im Internet Ferienwohnungen oder -Häuser an - und holen sich das Geld per Vorkasse. Gelockt wird mit »zwei Prozent Skonto«. Die Immobilien gibt es zwar, denn die Schurken haben sie vorher abfotografiert, aber deren Besitzer wissen von nichts. Das Geld ist futsch. Wenn jemand eine Reise tut kann er also leider auch sein blaues Wunder erleben.

In diesem Falle traf es acht Erwachsene und drei Kinder aus Sonnenbühl. In San Felice, in bester Lage am Gardasee, hatte einer der Reiseteilnehmer ein sinnvollerweise sehr geräumiges Haus - gemietet. Für etwas mehr als 2000 Euro war es im Internet angeboten worden - ausgerechnet für die teure Pfingstreisezeit 2017. Eigentlich zu schön und viel zu billig um wahr zu sein. Der Sonnenbühler wurde aber nicht misstrauisch. Ihn freute wohl der Schnäppchenpreis. Und schließlich war ja ein Bild der Immobile beigefügt. Und so bezahlte er dann auch umgehend - gegen Vorkasse, denn dafür gab es auch noch zwei Prozent Skonto. Der vermeintliche Vermittler, ein »Team VillaLux«, bestätigte dann auch, das Geld bekommen zu haben. Als die Familien dann am Urlaubsort vor ihrem Traumziel angekommen waren, erfuhren sie von den Besitzern sogleich, dass diese ihr Anwesen niemals vermieten würden. Der so vor den Kopf gestoßenen Reisegesellschaft teilten sie zudem mit, dass sie heute schon die zweite Gruppe seien, die bei ihnen einziehen wollte. 

Die Leute waren einer europaweit agierenden Bande auf den Leim gegangen. Ganz bitter: Dem Sonnenbühler war erst im Nachhinein klar geworden, dass mit der Telefonnummer der Betrüger-Gang etwas nicht stimmen konnte. Hinter der Kölner Vorwahl stand die Rufnummer »1234567«. Besserwisser werden jetzt schadenfreudig schmunzeln und sagen: »Wie konnte der nur darauf reinfallen!« Diese Schlaumeier sollten sich aber fragen, ob Sie selbst bei ihren bisherigen Internetbuchungen jemals auf die Telefonnummer im Impressum geschaut haben. Dumm gelaufen, das Geld der Älbler war futsch. Doch die Bande flog auf. Verhandelt wurde vor dem Landgericht Mannheim. Die Betrogenen hatten zuvor bei der Polizei in Reutlingen Anzeige erstattet. Der Angeklagte, der in den Niederlanden wohnt, hatte zusammen mit seiner Bande bundesweit 225 Gardasee-Urlauber um insgesamt 370 000 Euro erleichtert. Er kam mit einer Bewährungsstrafe davon, weil er schwer krank ist.

Wer nun meint, ein Reinfall bei der Urlaubsbuchung könne ihm niemals passieren, sollte sich ehrlich machen: »Bin ich nicht auch ab und zu auf der Suche nach Reise-Schnäppchen im Internet?« Volltreffer! Stolz erzählen sie Freunden sogleich, was für einen tollen Fang sie da gemacht haben. »Geiz ist geil« ist die wohl schlimmste verkaufsfördernde Parole der letzten Zeit. Vor 16 Jahren kam sie bei einem Elektro-Giganten auf - und sie elektrisierte Sparfüchse, die glaubten, damit eine merkantile Weisheit für ihr weiteres Leben mit auf den Weg bekommen zu haben, gewissermaßen für alles zwischen Amazon bis Zalando. »Elfriede, ich hab’ ein Pfund Rinderhack für 1,99 Euro bekommen« – oder so ähnlich. Auch gibt es Leute, die gleich 20 Packungen Fischstäbchen hamstern. Klar ist aber auch: Wenn 4,4 Millionen Kinder in Deutschland nach Schätzungen des Deutschen Kinderschutzbundes von Armut betroffen sind, ist Schmalhans halt notgedrungen Küchenmeister.

Doch zurück zum »individuellen Luxus«, dem Urlaub im Ferienhaus. Die Verbraucherzentralen raten vor allem, nie den vollen Betrag im Voraus zu zahlen –- und nach Möglichkeit das Geld per Lastschrift oder Kreditkarte begleichen, denn das lässt sich oft noch zurückholen. Ein telefonischer Kontakt mit dem Anbieter kann ebenfalls davor schützen, übers Ohr gehauen zu werden. Auch das Internet kann helfen: In »Google Maps« sehen Erholungssuchende, ob es die offerierte Ferienwohnung überhaupt gibt.