Schade. Wieder eine Chance verpasst, im Konzert der Großen mitzumischen. Mit innovativen Ideen aus Städten wie Wien – autofreie Innenstadt – oder Kopenhagen – Radlermetropole – genannt zu werden. Mit Luftfilter die Luft reinigen. Mit dem sprechenden Namen Smart Air die Lederstraße für alle Zeiten, vom Feinsten, von feinem Dreck befreien und gesunde Luft in die Luft blasen. Das wär’ es gewesen. Sapperlott – wer glaubt denn so einen Schmarrn. 
Als die Nachricht von der neuesten Idee zur Luftreinhaltung in der kleinen Großstadt im September die Runde durch die Gazetten und die Köpfe der Normalbürger machte, die Luft an der Messstation mit solch einem Instrumentarium unter die Grenzwerte zu drücken, sah man viele in der Stadt nur noch den Kopf schütteln oder die Augen verdrehen.

 Otto Normalbürger, der noch einen Rest von gesundem Menschenverstand zwischen seinen Ohren durch die Welt trug, verstand die Welt nicht mehr. 
Für das Fußvolk, den Kleinbürger oder auch ein paar kluge Großkopfete war diese Nachricht  bestenfalls ein Schildbürgerstreich, schlimmstenfalls eine üble Abzocke, aber auf keinen Fall eine Hilfe im Kampf gegen Feinstaub und Co. Kurz gesprochen: ein Saugblassystem sollte die Luft an der Lederstraße reinigen. Wir stellen uns das so vor: Da klingelt ein Staubsaugervertreter an der Rathaustür, es wird ihm freundlicherweise geöffnet und noch in der Türangel bringt er fröhlich reimend sein Anliegen vor wie Fritzle sein Weihnachtsgedicht. »Es bläst und saugt der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur blasen kann.« War da was? 

Ach ja, Loriot hatte auch schon mal so einen Einfall, ist in eine Wohnung eingefallen und füllte mit Worten, Geistreichem und viel Wein erst die Hausfrau, dann sich und auch den Hausherrn ab. Schöne Szene. 
Der Staubsaugervertreter im Rathaus 1 traf offensichtlich auf offene Ohren, da vermutlich mal wieder just im Zeitraum seines Erscheinens die Schadstoffwerte an der Lederstraße durch die Decke gingen und keiner so recht wusste, wie sie in die Schranken zu weisen sind. 
Da war also eine Lösung – hörte sich gut an, innovativ und die Macher von Smart Air waren mit ihrem Angebot der Silberstreif am Horizont. 
Der Name klingt trügerisch, ja fast schon verräterisch. Smart wie gewandt und gewitzt wie ausgekocht und geschäftstüchtig? Jedenfalls landet die Idee im Gemeinderat und trifft auf offene Ohren, saugt sich weiter in den Bauausschuss. 

Die Bürger auf den Straßen schütteln derweil weiter den Kopf, dass ihnen schwindelig wird und erinnerten sich an eine  ominöse Pflanzenwand, über die  schon längst Gras gewachsen ist. Sie wissen schon: die grünen Wände in der Lederstraße, die uns allen als Heilsbringer verkauft worden sind. 
Wir allerdings sind uns damals schon als für dumm verkauft vorgekommen, dass ein paar Quadratmeter Pflanzen senkrecht in den Himmel ragend eine ganze Stadt von Feinstaub befreien sollen. Wer glaubt denn sowas, sapperlott.
 Der einzige, der sich damals gefreut hat, war der Erbauer, der satte Summen kassiert hat. Das Geld wurde im großen Bogen zum Fenster hinausgeschmissen und jetzt wird laut darüber geschwiegen in der Hoffnung, es werde sich schon keiner daran erinnern. Doch wenn die Luft plötzlich smart wird, muss man unwillkürlich an das Pflanzkapitel denken. 
Und an den gesunden Menschenverstand, der mal wieder im Exil sein trostloses Dasein fristet und ungehört wie der einsame Rufer in der Wüste bleibt.           

Also die Idee der geschäftstüchtigen Luftreinemacher machte die Runde durch die Köpfe der Gemeinderäte und schaffte es bis in den Bauausschuss. Es seien sogar einige Räte ganz angetan von dieser Idee gewesen, heißt es. Doch nun ist die glanzvolle Idee vom Tisch gewischt. Arno Valin, seines Zeichens Tiefbauamtsleiter, bezeichnete es als »heißes Thema«, kalt lächelnd wussten das die Normalbürger schon bei der ersten Meldung. Hätte man das nicht schon im September erkennen können? Wobei, ehrlichkeitshalber muss man sagen, damals klang das Angebot schon verlockend. Schließlich sind wir ja alle Schwaben. So kann man es auch verstehen. Wenn’s nichts kostet –  außer ein paar Werbeflächen für ein paar Jährchen der  Smart-Air-Firma bereitzustellen, guckt eh keiner hin –  ja das sitzen wir doch auf der linken Arschbacke ab. Die smarten Macher der reinen Luft wollten nämlich tatsächlich alles übernehmen – finanziell versteht sich: Planung, Tiefbau und Betrieb des Umweltwundermittels. Doch bei näherem Betrachten haben die Luftsaubermänner kalte Füße bekommen, schließlich bedarf es aufwändiger Tiefbauarbeiten, die fett ins Geld gehen. Das hätte dann die Stadt berappen müssen, also wir alle, und da schob der Bauausschuss einen Riegel vor. Nicht mit uns, der gesunde Menschenverstand kam über die Vertreter des Volkes der Stadt – da will man laut seufzen oder mit der CDU-Fraktionsvorsitzenden Gabriele Gaiser rufen: »Finger weg«.  Der Zwischenruf im Bauausschuss blieb unwidersprochen. Man muss diese Entscheidung jetzt auch mal loben. 
Zu tadeln wäre daran allerdings, dass so ein Vorschlag überhaupt die Runde macht bis in den Bauausschuss. Aber der Kopf ist ja bekanntlich rund, da kann viel drin kreisen. Die smarten Luftverbesserungsvertreter ärgern sich vermutlich nun schwarz, weil sie der Tür öffnenden Hausfrau nicht so viel Wein eingeschenkt haben, dass sie willenlos in ihren Saugblaser einwilligt. 
Da bleiben wir lieber auf dem Boden der Tatsachen, machen dicke Backen und blasen die Luft höchstpersönlich die Lederstraße entlang. Vielleicht hilft’s. Schlechter wie Pflanzen und Co. kann’s auch nicht sein.