Es stinkt den Einwohnern im Storlach. Und zwar gewaltig. Seit 15 Jahren seien die Anwohner mit der Stadt im Gespräch, die letzte Verkehrszählung gehe auf das Jahr 2003 zurück. Seitdem habe die Zahl der Fahrzeuge massiv zugenommen, aus unterschiedlichen Gründen, wie Ute Steiner-Munz als Anwohnerin in ihrer Präsentation vor kurzem bei einem Treffen der Storlach-Bewohner in der katholischen Kirche St. Peter und Paul vor mehr als 100 Interessierten aufführte: 


Ein Grund für das gestiegene Fahrzeugaufkommen sei der Durchgangsverkehr, der von der Rommelsbacher Straße quer durch das Wohngebiet fahre, um Ampeln und den Blitzer aus dem Weg zu gehen. Dabei deutet am Anfang der Siedlung eindeutig ein Schild darauf hin, dass nur Anlieger dort reinfahren dürfen. »Da fragt aber keiner danach und die Kontrolle ist schwierig«, sagt Steiner-Munz. »Fragt man die Fahrer, wo sie hin wollen, erzählen sie irgendwas von Tante Erika, die hier irgendwo wohnen muss«, berichtet Steiner-Munz. 


Einen weiteren Beitrag zum Verkehr leiste aber auch die Bebauung des Danzer-Areals, das zu einem gro-ßen Einkaufszentrum wurde. Nutzen würden das vor allem Handwerker, bevor sie nach Stuttgart fahren sowie Bewohner der Nordstadt, bevor sie nach der Arbeit nach Hause fahren. Und die Zukunft bringe weiteren Verkehrszuwachs: Mit der Bebauung des Krötz-Areals zwischen Rommelsbacher Straße und Carl-Diem-Straße etwa. Hinzu komme laut Steiner-Munz auch die miese Luft, die sich logischerweise durch den vielen Verkehr nicht verbessert. 
»Egal, mit wem man redet, alle sagen, dass das ein Problem ist«, so Ute Steiner-Munz. Aber es tut sich halt nichts. Und eine grundsätzliche Frage ergibt sich aus der Beschwerde: wohin mit dem Verkehr? Hauptsache raus aus dem Storlach, sagen die Anwohner. Gleiches sagen auch die Bewohner der Oststadt, von Sondelfingen, Rommelsbach, Ohmenhausen und Orschel-Hagen. Apropos Orschel-Hagen: Dort gelinge doch die Verdrängung, sagt Ute Steiner-Munz. Für die Storlachstraße fordert sie die Einführung einer Spielstraße, einer Fahrradstraße, Einbahnstraße oder gar einer Sackgasse. 


Zugenommen hat allerdings in dem Quartier nicht nur der fließende Verkehr, sondern auch die Zahl der parkenden Fahrzeuge – was allerdings in der Argumentation der Storlach-Bewohner nicht auftaucht. Und natürlich sind die Straßen in dem Wohngebiet verstopft. Aber nicht nur dort. Ein besonderes Merkmal des Storlach-Gebiets sind wohl die besonders engen Straßen. Begegnen sich dort zwei Fahrzeuge, ist kein Platz für ein Aneinander-Vorbeikommen. Die Folge: meist weichen Autos dann auf den Gehweg aus – was natürlich die Gefahr für Fußgänger und vor allem für kleine Kinder deutlich erhöht. Fahrradfahrer sollten das Gebiet eh meiden – sie setzen sich dort ebenfalls großen Gefahren aus. 


Ein Gespräch mit Albert Keppler, dem Reutlinger Ordnungsamtsleiter, sei vor Ort angestrebt, »um zu sehen, was man machen kann«. Wir wissen ja auch, dass es Vorschriften gibt, die beachtet werden müssen.« Nur so, wie es jetzt ist, könne es nicht weitergehen. Eine Initiative soll gegründet werden, eine Unterschriftenliste an Barbara Bosch übergeben werden. Wer im Storlach lebt, der weiß, welchen Beeinträchtigungen man vor seiner Haustür ausgesetzt ist. Allerdings ist das Problem des immer weiter zunehmenden Verkehrs ein weitverbreitetes Phänomen.
Wenn die Bewohner, egal in welchen Wohngebieten, allesamt pro Familie mindestens zwei Autos vor der Tür stehen haben, dann sind alle Teil des Problems. Mit der Verdrängung des Durchgangsverkehrs wäre somit nur ein Teilerfolg erreicht. 


Lösungsansätze sind hingegen bessere Busverbindungen, Regionalstadtbahn, bessere Rad- und Fußwege – da könnte viel Individualverkehr vermieden werden. Dazu braucht es allerdings auch die Einsicht der Stadtbewohner, dass ein Auto genug sein kann. Oder irgendwann genug sein muss – nämlich dann, wenn der Infarkt in den Innenstädten nicht mehr aufzuhalten ist. Wenn womöglich Fahrverbote ausgesprochen werden müssen, weil ansonsten Feinstaub-Grenzwerte nicht eingehalten werden.