Grundsätzlich Erfreuliches gab es in der letzten Sitzung des Reutlinger Kreistages im Dezember zu vernehmen: »Eine stetig bessere Einnahmesituation verschafft Handlungsspielräume«, sagte etwa Dr. Ulrich Fiedler als FWV-Kreistagsmitglied. Dennoch mahnte Metzingens Oberbürgermeister zu »strukturellen Verbesserungen im Bereich der Sozialausgaben«, aufgrund der von Jahr zu Jahr steigenden Ausgaben. »Personal- und Betreuungsschlüssel« seien zu überprüfen, so die Forderung von FWV und CDU. Dabei gehe es laut Florian Weller (CDU) nicht darum, »jemandem irgendetwas wegzunehmen«. 


Allerdings bemängeln vor allem die Freien Wähler wie auch die Christdemokraten seit langem schon die stetig steigenden Kosten im Sozialhaushalt. Dem könnte man entgegenhalten, dass es nun mal die Aufgabe des Landkreises ist, diese Leistungen vorzuhalten – auch wenn sie aufgrund von steigender Nachfrage und von tariflichen Lohnerhöhungen teurer werden. Verwundern musste nun allerdings, dass unter Punkt acht der Anträge von FWV und CDU zum Kreishaushalt zu lesen war, dass bei den »Hilfen für junge Menschen und Familien« die »umfassende Prüfung und gegebenenfalls Umsetzung von Maßnahmen zur Erweiterung der eigenen Aufgabenwahrnehmung (gegebenenfalls auch in rechtlich verselbständigter Organisationsform, zum Beispiel gGmbH)« umzusetzen sei.

Damit hatten die beiden Fraktionen einen Punkt erneut aufgegriffen, der schon im Kreishaushalt 2017 sich auf Seite 264 versteckt hatte: Dort war nämlich diese Prüfung der Aufgabenübernahme wie auch die Gründung einer »gGmbH« angeregt worden. Genau solch eine »gemeinnützige GmbH der Jugendhilfe« ist allerdings für die Träger der Freien Wohlfahrtsverbände ein Reizwort, ja ein regelrecht rotes Tuch. Warum? Die mögliche Einrichtung einer solchen gGmbH durch den Landkreis hatte vor rund fünf Jahren schon einmal einigen Staub aufgewirbelt.

Ängste und Sorgen waren bei den freien Anbietern von Jugendhilfeleistungen aufgekommen, dass sie womöglich künftig bei der Vergabe von Aufgaben durch das Reutlinger Kreisjugendamt nicht mehr berücksichtigt werden könnten. Dass sie vielleicht sogar Beschäftigte entlassen müssten. Damals war es jedoch zu einer Einigung zwischen Vertretern der Wohlfahrtsverbände und dem Landratsamt gekommen - weil die freien Träger Sparmaßnahmen angeboten hatten. Nun soll also erneut geprüft werden, ob der Landkreis die Leistungen selbst nicht billiger durchführen kann? 


Was den freien Jugendhilfeträgern wie eine Drohung in den Ohren klingeln muss, sei nach den Worten von Thomas Reumann gar nicht so gemeint: »Der Hintergrund des Ganzen ist doch, dass die Verwaltung den Vorschlag gemacht hatte, in der Erziehungsberatung, der Erziehungsbeistandschaft und im Allgemeinen Sozialen Dienst insgesamt vier neue Personalstellen zu schaffen«, erläuterte Reutlingens Landrat im Gespräch mit unserer Zeitung. Das sei auch genehmigt worden, »das sind unsere Themen, da werden wir unsere eigenen Kompetenzen stärken«. Und das sei auch keine Konkurrenz zu Leistungen der freien Träger. 


Darüber hinaus solle nun aber tatsächlich auf Antrag von CDU und FWV geprüft werden, ob das Kreisjugendamt nicht weitere Aufgaben selbst wahrnehmen könnte. Vielleicht auch in einer neuen Rechtsform. Reumann gestand ein, dass es nicht gerade glücklich gewesen sei, in diesem Zusammenhang von der besagten gemeinnützigen GmbH zu sprechen. »Im Moment gibt es kein Ziel, eine Jugendhilfe gGmbH zu gründen«, suchte der Landrat dem aufziehenden Sturm den Wind aus den Segeln zu nehmen. »Ich sehe das Ganze im Übrigen völlig undramatisch«, so der Landrat.

Und wie steht es um die Befürchtungen der freien Träger der Jugendhilfe? »Sie werden doch in den nun folgenden Prozess eingebunden - und wenn sie Fragen haben, sollen sie einfach auf mich zukommen«, sagte Thomas Reumann. Ob die Befürchtungen der Träger der Freien Wohlfahrtspflege damit beseitigt sind? Nun – das wird sich zeigen. Ein Gesprächsangebot ist auf jeden Fall auf dem Tisch.