REUTLINGEN. Der Verkehr läuft. Die ersten Fahrten im Scheibengipfeltunnel gehörten Elektroautos und Fahrräder. Am vergangenen Freitag ist in einem feierlichen Akt der Scheibengipfeltunnel eröffnet worden. Verkehrsminister Winfried Hermann durchschnitt das schwarz-rot-goldene Band. Gemeinsam mit Regierungspräsident Klaus Tappeser, dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesverkehrsminsterium, Norbert Bantle, Landrat Thomas Reumann, der Reutlinger Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und Eningens Bürgermeister Alexander Schweizer gaben sie die Umfahrung Reutlingens durch die Achalm frei. Dem Bauwerk den Segen gaben der Reutlinger evangelische Dekan Marcus Keinath sowie der katholische Pfarrer der St. Wolfgangskirche Roland Knäbler. Nach rund acht Jahren Bauzeit ist der 1,9 Kilometer lange Tunnel nun befahrbar. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 135 Millionen Euro, die Gemeinde Eningen sowie die Stadt Reutlingen sind mit insgesamt 500 000 Euro daran beteiligt. Mit dem feierlichen Akt, zu dem viele Schaulustige gekommen sind, endet eine fast 50 Jahre lange Ideen und Planungsgeschichte. Erstmals Mitte der 1960er Jahre gab es Überlegungen für eine solche Ortsumfahrung.
Der Tunnel dient nicht nur der Verkehrsentlastung von Reutlingen, Experten rechnen mit rund 20 000 Fahrzeugen weniger. Die Verantwortlichen setzen auch Hoffnung darauf, dass ein Teil der Probleme der Luftreinhaltung gelöst werden. Ein Problem bleibt weiterhin: Auf die schwierige Situation des Albaufstiegs machten Initiative aus Lichtenstein aufmerksam (siehe Sebastian) . Es gibt also weiterhin viel zu tun.

Ärger Albaufstieg
Die Eröffnungsfeier ließ sich Verkehrsminister Winfried Hermann, der über die Reihenfolge der weiteren Straßenbaumaßnahmen entscheidet, nicht entgehen. Davon hängt es ab, ob mit der Planung des Albaufstiegs im nächsten Jahr begonnen wird oder ob mit den Planungen erst in fünf oder zehn Jahren angefangen wird, wenn die anderen Baumaßnahmen wie der Tunnel in Tübingen abgearbeitet sind. Das ist auch der Bürgerinitiative »Wir sind Lichtenstein« bewusst. Kurz nach der offiziellen Verkehrsfreigabe demonstrierte die Bürgerinitiative zu Wochenbeginn mit Plakaten auf den Gehwegen entlang der B 312, um die Autofahrer auf diese Situation aufmerksam zu machen. Wie wichtig der Albaufstieg ist, erleben die Anwohner in Unterhausen jeden Tag, wenn 25 000 Fahrzeuge auf der B 312 durch die Gemeinde fahren. Auf der gleichen Strecke verläuft die
B 313 – es gibt also hier zwei Bundesstraßen, die mitten durch den Ort führen.  

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