ROTTENBURG. Der Mensch ist nicht Shareholder der Schöpfung, sondern ihr Treuhänder. Wenn wir jetzt nicht endlich eingreifen beim Klimaschutz, dann bedeutet das für die Kinder, dass sie im Laufe ihres Lebens die dramatischen Auswirkungen unseres derzeitigen Verhaltens am eigenen Leib und Leben erleiden müssen!« - Mit einem dramatischen Appell an Politik und Gesellschaft hat Gebhard Fürst, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, zu einem viel größeren und konsequenteren Einsatz für den Erhalt unseres Planeten aufgerufen: »Die Erde ist unser einziges gemeinsames Haus, das wir bewohnen können. Wir haben keinen Planeten B.« Tief enttäuscht zeigte sich Fürst von den »unzureichenden Ergebnissen« der Klimakonferenz von Kattowitz mit ihren »mutlosen Zusagen, die Kohlendioxid-Emissionen mit konkreten Maßnahmen zu senken«. Bewältigt werden könne diese beispiellose Zivilisationskrise nur durch die Verbindung von Glaube und Vernunft. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart habe im Rahmen ihres Selbstverständnisses als schöpfungsfreundliche Kirche bereits 2007 eine eigene Klimainitiative ergriffen, ihr im Jahr 2008 eingerichtete, mit zwölf Millionen Euro ausgestatteter Nachhaltigkeitsfonds fördert die Verwendung regenerativer Energien und die energetische Optimierung des Gebäudebestandes der Kirche. 2017 haben die beiden katholischen Diözesen und die Landeskirchen Baden-Württembergs ein »Bündnis für Klimagerechtigkeit« geschlossen.
In seiner Neujahrsrede vor über 300 geladenen Gästen im Neuen Schloss in Stuttgart ging Bischof Fürst auch auf das Thema sexueller Missbrauch ein. Wachsamkeit und entschiedenes richtiges Handeln seien auch künftig das Gebot der Stunde, die Diözese werde deshalb ihr Präventionsprogramm ausbauen. An die staatliche Seite richtete Fürst die Bitte, die Zertifizierung von Einrichtungen zu ermöglichen, die sich in der Prävention sexuellen Missbrauchs angemessen und kompetent verhielten - ähnlich wie beim audit »berufundfamilie« der gemeinnützigen Hertie Stiftung oder beim EU-Öko-Audit EMAS.
Dr. Johannes Warmbrunn, Sprecher des Diözesanrates, stellte im Blick auf das laufende »Jahr der Jugend in der Diözese Rottenburg-Stuttgart die Frage, wie es der Kirche gelingen könne, den häufig verlorenen Kontakt zur jungen Generation wieder herzustellen: »Viele junge Menschen sind nicht weit weg - aber sie warten möglicherweise auf Zeichen, dass wir ihnen nahe sind und sie nicht abgeschrieben haben.« Jugendliche wieder stärker für die Botschaft des Evangeliums zu gewinnen, könne nur gelingen, wenn man ihnen authentisch und glaubwürdig auf Augenhöhe begegne, »frei von Missbrauch von Macht«.     –tw